Stuntfrau Simone Bargetze Die Frau, die sich traut

Gefahr ist ihr Beruf: Die Liechtensteinerin Simone Bargetze lebt als Stuntfrau in Hollywood. Wo andere vor Angst erstarren, startet sie erst richtig durch.

Heidi Klum soll sich bei den Kids’ Choice Awards an einen Kran hängen und schleimgefüllte Ballons zum Zerplatzen bringen? Zu klebrig und viel zu gefährlich für das Topmodel! Also übernimmt Simone Bargetze, 32, den Job.

Jennifer Love Hewitt weigert sich, als «Ghost Whisperer» mit dem Auto in eine Erdbebenspalte zu fahren? Auch das ein Fall für die Crash-erfahrene Stuntfrau. Und wenn sich Téa Leoni in «Manure» nicht traut, in einem Kuh-Kostüm zwischen schnaubende Stiere zu stehen – Simone machts, ohne mit der Wimper zu zucken. Wo anderen Kraft und Mut ausgehen, startet sie erst richtig durch!

«Aber zwischendurch geht auch mir die Puste aus», gibt Simone zu. Dann zieht sie sich in ihr schnuckeliges Holzhäuschen in den Hollywood Hills zurück. «Hier sitze ich gern im Schatten der Bäume und lese ein Buch oder lasse mir von einem Freund ein paar Gitarrenlieder beibringen», erklärt die Hobby-Musikerin, die Gitarrist Benji Madden von Good Charlotte und John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers zu ihren Kumpels zählt.

Sie liebt die Ruhe: «Ich gehe auch nicht viel aus. Schliesslich muss ich abnehmen, um Nicollette Sheridan von den ‹Desperate Housewifes› zu doubeln. Alles Muskeltraining, Taekwondo und Yoga nützt nichts, wenn man abends auf Partys geht und kalorienreichen Alkohol konsumiert.»

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Also sitzt Simone Bargetze statt mit einem Glas Wein mit Hollywoods neustem Diätsaft aus brasilianischen Acai-Beeren auf der wild umrankten Terrasse. Ihr zu Füssen stets die treue Pitbull-Dame Bailey B DeMille, die Simone auf der Autobahn fand und kurzerhand adoptierte.

Die beiden sind vor drei Monaten in ihr neues Heim gezogen: das Gästehaus auf dem Anwesen von Stevie Wonders Anwalt. Bereits vor acht Jahren, ganz am Anfang ihrer Hollywood-Karriere, wohnte Simone hier. «Zum Heizen habe ich zwar nur ein künstliches Cheminée, dafür ist es sehr romantisch», schwärmt sie, die Frau, die für Romantik doch gar keine Zeit hat.

Erst vor Kurzem trennte sie sich von ihrem langjährigen Lebenspartner, einem Schweizer Fotografen. Von neuen Dates will sie nichts wissen: «Amis traue ich nicht. Und Schauspieler oder Stuntmänner kommen nicht in Frage. Das führt nur zu unnötigem Klatsch in der Szene.»

Simone Bargetze hat zurzeit sowieso anderes im Kopf: Sie möchte ihr vor Kurzem erstandenes Rennpferd, einen Thoroughbred namens «Pace Per Il Mondo» für Stunts trainieren. Der zweieinhalbjährige Hengst muss sich noch an die kalifornische Sonne gewöhnen. Er stammt aus dem kalten Nordosten der USA.

«In den Filmen werde ich immer irgendwie umgebracht»

«Der Arme war bei der Überfahrt so nervös, dass ich die ganze dreitägige Reise hinten im Transporter verbrachte, um ihn zu beruhigen.» Danach flog ­Simone erster Klasse retour an den Set in Boston. Sie spielt einen durchgeknallten Roboter an der Seite von Bruce Willis.

Die Abenteuerlust hat Simone von ihrer holländischen Mutter geerbt: «Sie ist mein Vorbild. Ich lebe doppelt und dreifach, was für sie als Hausfrau und Mutter nicht möglich war. Mein Vater, ein Architekt, hat eher Mühe mit meinem Beruf. Er will lieber nicht wissen, was ich genau mache. Aber letztlich sind beide stolz auf mich.»

Aufgewachsen ist Simone mit einem Bruder und einer Schwester im ländlichen Triesen bei Vaduz. Schon als Kind war sie ein Wildfang: Manchmal ver­schwand sie stundenlang im Wald, baute Baumhütten, tollte im Sumpf herum. Oder sie galoppierte mit ihrer besten Freundin Miriam um die Wette.

Bis ­Miriam mit vierzehn beim Reiten tödlich verunglückte. Daraufhin bestand Papa Bargetze auf ordentlichem Reitunterricht. Es folgte eine Ausbildung zur ­Kindergärtnerin. Aber das Adrenalin in Simones Blut brodelte weiter.

Während eines Sprachaufenthalts in San Diego filmte die Draufgängerin waghalsige Szenen fürs Fernsehen – und blieb in Kalifornien hängen. Macht ihr denn gar nichts Angst? «Doch, ich habe total Bammel vor Text. Einmal musste ich vor laufender Kamera einen dreiseitigen Dialog rüberbringen. Das brauchte Überwindung! Aber das ist ja der Kick: Was einem Angst macht, muss man ausprobieren!»

Beweisen will Simone damit nichts: «Ich mache generell keine Stunts, bei denen man sich krass verletzten kann.» Auch wenn sie damit ganz schön Kasse machen würde: Der Standard-Lohn beträgt 750 Dollar pro Tag. «Bei einem Schleuderstunt durch die Luft bekam ich auch schon 2000 Dollar extra.»

Bis jetzt hatte sie Glück: Ihre schlimmste Verletzung, ein aufgeschlagener Kopf und drei gebrochene Rippen, holte sich Simone nicht bei der Arbeit, sondern privat, beim Aufsteigen aufs Pferd. «Meine Freundin Miriam ist mein Schutzengel», weiss sie, «und hat damit einen Vollzeit-Job.»

Später will Simone vielleicht mal eine Familie. Oder ein eigenes Bed&Breakfast-Baumhaus auf Hawaii. Oder die Welt umsegeln. «Für den Moment bleibe ich aber hier, denn in Hollywood können sie immer taffe Girls brauchen, die den Bad Boys zeigen, wos langgeht.» Das beweist auch ihr nächster Job: In Hawaii für die «Lost»-Stars durch Unterwasserhöhlen tauchen.


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