Alard du Bois-Reymond «Die IV braucht Zeit, um gesund zu werden»

Alard du Bois-Reymond. Der Chef der IV über sein «Problemkind».
Alard du Bois-Reymond. Der Chef der IV über sein «Problemkind».

Herr du Bois-Reymond, die IV finanziert neu die Ausbildung von Begleithunden für gehbehinderte Menschen. Eine gute Nachricht. Sonst sorgen Sie ja eher für Negativschlagzeilen …
Ich weiss, was Sie meinen. Die Berichterstattung über Missbrauchsfälle vermittelt den Eindruck, dass das finanzielle Desaster der IV nur existiert, weil lauter Kosovo-Albaner auf unsere Kosten krankfeiern. Ein falsches Bild – das mich enorm stört.

Die IV hat also kein Missbrauchsproblem?
Sicher war die IV diesbezüglich bis vor einem Jahr zu wenig aktiv. Neu wird aber jedes Rentendossier auf Betrug geprüft. Ein Defizit von jährlich 1,4 Milliarden Franken lässt sich aber ohnehin nicht mit Betrugsbekämpfung begleichen. Das wäre zu schön.

Die temporäre Mehrwertsteuererhöhung soll finanziell Abhilfe schaffen. Höhere Preise in Zeiten der Krise – eine gute Idee?
Die Inkraftsetzung wurde zum Glück von 2010 auf 2011 verschoben. Dann befinden wir uns hoffentlich im wirtschaftlichen Aufschwung. Ausserdem muss man den Blick öffnen: Ein 4600-Franken-Haushalt gibt nach der Mehrwertsteuererhöhung im Monat durchschnittlich sieben Franken mehr aus. Das ist zumutbar. Wenn die erste Säule mit AHV und IV hingegen mangels Zwischenfinanzierung ins Wanken gerät, schadet das der Kaufkraft enorm. Wer gibt schon Geld aus, wenn ungewiss ist, ob man noch AHV bekommt?

Angenommen, das Volk stimmt der Zusatzfinanzierung zu. Ist die IV damit saniert?
Die IV braucht Zeit, um gesund zu werden. Aber wir tun alles dafür, dass die Sparmassnahmen bis 2018 bewirken, dass keine zusätzlichen Steuergelder mehr nötig sind.

Und wie wollen Sie das erreichen?
Zum einen durch einen neuen Finanzierungsmechanismus. Bisher flossen ­40 Rappen von jedem Franken, den die IV einsparte, in die Bundes­kasse. Neu kommt jede Einsparung vollumfänglich der IV zugute. Zum anderen aber vor allem durch eine Reduktion des Rentenbestandes.

Sie wollen Menschen, die seit Jahren eine IV-Rente beziehen, wieder in der Arbeitswelt integrieren?
Ja. Vor allem bei psychisch Kranken sehe ich grosses Potenzial. Natürlich braucht es dafür Wiedereingliederungsmassnahmen – wir haben also ganz schön viel zu tun!


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