Ursula Knecht Die Modelmacherin

Von Sarina Arnold bis Patricia Schmid! Ursula Knecht hat das Auge für Topmodels. Ein Gespräch mit der Zürcherin über Disziplin, Geld und Masse. Treffpunkt: ihre Villa überm Lago Maggiore, wo sie mit Ehemann Hanspeter relaxt.

Ursula Knecht empfängt den Reporter an einem Spätsommertag in Ronco sopra Ascona. Die 51-jährige Inhaberin der Modelagentur Option in Zürich sitzt auf einem schmiedeeisernen Stuhl im Garten ihres Ferienhauses aus den Fünfzigern. Die attraktive Blonde hat wie keine andere den Blick für einheimische Schönheiten. Heute trägt die Modelmacherin eine Seidenbluse, echsengrüne Caprihosen und Designer-Sandaletten. Glamour auch in der Freizeit. In der Ferne: die Isole di Brissago, zwei smaragdgrüne Teppiche auf dem Lago Maggiore.

Die Zürcherin – sie wirkt taff und fürsorglich zugleich – erinnert sich. Es war 1981. «Ich stand damals als Model im Treppenhaus der Modelagentur Ford in New York und betrachtete ein Porträt der Gründerin Eileen Ford: Das willst du auch, dachte ich! Eine eigene Agentur und Top-Models entdecken!»

Die praktizierende Buddhistin hat ihren Traum wahr gemacht. Von Sarina Arnold bis Patricia Schmid, die besten Schweizer Models wurden und werden von ihr entdeckt und aufgebaut. Talent-Quelle war oft der Elite Model Look Swiss Final, den Ursula Knecht in den Neunzigern zusammen mit der renommierten Agentur Elite New York initiierte.

Wow, Sie haben ein wunderschönes Ferienhaus mit wunderschönem Swimmingpool! Frau Knecht, wird man als Agenturchefin reich?
(Lacht.) Das Haus gehört der Familie meines Mannes. Und Millionen habe ich bis heute nicht angehäuft.

Obwohl Sie Top-Models wie Patricia Schmid oder Nadine Strittmatter entdeckt haben?
Es werden oft hanebüchene Summen genannt. Die Tarife sind transparent! Für Modemagazin-Shootings kriegt das Model zwischen 300 und 600 Franken pro Tag. Für Katalog-Shootings zwischen 2000 bis 6000 Franken. Die Agentur erhält 30 bis 40 Prozent Provision. Das grosse Geld verdient ein Model und seine Agentur mit einer internationalen Mode- oder Kosmetik-Kampagne. Das ist wie ein Sechser im Lotto!

Zum Beispiel die Shiseido-Kampagne mit Patricia Schmid.
Ja, für diese Kampagne war allerdings meine Pariser Partneragentur Nathalie Models zuständig.

War das nicht frustrierend?
Wenn eines meiner Models einen Erfolg verbucht, bin ich einfach mal nur zufrieden – auch wenn dies durch eine Partneragentur geschieht. Seit ich mich mit dem Buddhismus befasse, weiss ich, dass es im Leben nicht nur um Cash geht.

Lässt sich Ihr Job mit dem Buddhismus überhaupt vereinbaren?
Ich war mal an einem Hearing des Dalai Lama in Nordindien. Ich fragte ihn, ob es für mich nicht sinnvoller wäre, als Buddhistin im Kloster zu leben?

Und?
Er lachte und sagte nur: «Mach weiter. Und was immer du tust, tus mit guter Absicht.»

Ursula Knechts Französische Bulldogge tollt mit Balu, dem Labrador und Yorkshire-Terrier Pepper herum. Mit einer kaum sichtbaren Handbewegung bringt die Agenturchefin ihre Hunde zum Sitzen. Es scheint, als würde die «Mutter aller Schweizer Topmodels» nichts dem Zufall überlassen. Weder die Erziehung ihrer Vierbeiner (Hundeschule!) noch der gezielte Karriereaufbau ihrer Schützlinge.

Welche wichtigste Charakter-Eigenschaft muss eine junge Frau mitbringen, damit sie international reüssiert?
Eiserne Disziplin. Wer zu spät an Shootings erscheint, den Flieger verpasst, Party macht oder sich den Fotografen oder Stylisten gegenüber zickig verhält, wird nicht mehr gebucht.

Aber es gibt ja auch eine Kate Moss, die trotz Koks-Skandal immer noch gefragt ist?
Ja, und es gibt eine prügelnde Naomi Campbell. Beide sind keine Klosterschülerinnen, aber im Job sind sie gut.

Ihr Mann ist Jurist, hat mit dem Modelbusiness nichts zu tun. Gibt er Ihnen Bodenhaftung?
Hanspeter ist mein Seelenverwandter. Bodenhaftung brauche ich keine. Ich bin eine sehr geerdete Person.

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