Ana Die neue Miss «Tagesschau»!

Kleines Mädchen, grosse Aufgabe: Sie ist die jüngste «Tagesschau»-Moderatorin der Welt. Die elfjährige Ana präsentiert für eine Woche das Flaggschiff des Schweizer Fernsehens.

An der Wand ihres Kinderzimmers hängen Poster von Tierwelpen und Teenie-Idolen, auf dem Bett liegt ihre Stoffpuppe Elif, daneben die Diddl-Schultasche. An diesem Frei­tag­abend darf Ana an einen Fez – mit ihren Klassenkameraden. «Wir tanzen und so …» Ana ist elf Jahre alt, soeben in die sechste Klasse gekommen – und bald schon Fernseh-Moderatorin! Ab dem 7. September präsentiert sie eine Woche lang die 18-Uhr-«Tagesschau».

Ganz allein sitzt die Primarschülerin am Steuer des SF-Flaggschiffs, die lila Wäscheklammer, die ihren ersten aus­gefallenen Milchzahn umfasst, als Glücksbringer in der Tasche und ein Podest unter den Füssen, das sie einen Kopf grösser macht. Nervös? Ana lächelt und schüttelt den Kopf. «Ich war Anfang der Woche im Studio. Man kann ja den Text von einem Bildschirm ablesen. Und ich dachte immer, man müsse alles auswendig können.»

Ana tanzt gern, schwimmt gern, spielt leidenschaftlich Tennis und liest viel. «No Jungs!» lautet der Titel ihrer aktuellen Lektüre. «Handarbeiten», sagt sie, könne sie «nicht so gut». Lieber bewegt sie sich – sie kann sogar mit ihren Zehenspitzen den Kopf berühren. «Ein kleiner Gummiball», sagt ihre Lehrerin Linda Bärtschi.

Kurz vor den Sommerferien trifft die gute Nachricht ein, Ana hüpft noch ein bisschen mehr als sonst: Ihre Primarschulklasse aus Dübendorf ZH wurde aus mehreren Bewerbern aus­gewählt. Für ein SF-Projekt, bei dem Kinder eine Woche lang Fernseh machen. Und Ana, ja, Ana darf moderieren!

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Beim Schultheater stach sie den SF-Produzenten ins Auge, weil sie so aufging in ihrer Rolle. «Sie war schon immer ein Show-Talent. Ana kann sich gut präsentieren», sagt auch Vater Beat, ein Bauunternehmer mit Wurzeln im Wallis. Und ihre türkischstämmige Mutter Pakize schwärmt: «Kaum konnte sie auf ihren Beinen stehen, hat sie allen etwas vorgetanzt.»

Die Eltern sind stolz auf ihre Tochter, betonen aber, dass das Ganze ein Klassenprojekt sei: «Ana ist einfach die, die man am Bildschirm sieht – sie verdient deshalb keine Sonderbehandlung.» Ana nickt. «Vielleicht», sagt sie, «sind einige ein bisschen neidisch. Aber das wäre ich ja auch …»

Moderatorin werden: Das wollte Ana schon immer. «Oder Theaterspielerin», sagt sie, «oder Apothekerin». Im elterlichen Wohnzimmer zieht sie eine Fernseh-Zeitschrift aus dem Stapel und tippt mit dem Finger auf Katja Stauber, die ihr vom Titelbild entgegenlächelt. «So wie sie, so will ichs machen», sagt Ana. Damit das auch klappt, übt sie fleissig vor dem Spiegel in ihrem Kinderzimmer. «Sie macht dann immer die Tür zu. Niemand darf zuschauen», verrät Anas Zwillingsschwester Denis.

«Ein Spongebob-T-Shirt werde ich nicht tragen in der ‹Tagesschau›», sagt Ana. «Ein Deuxpièces aber auch nicht», sagt die Mutter. Kindlich soll es sein. Und trotzdem elegant. «Wir haben da was im Auge», erklären Mutter und Tochter verschwörerisch. Bis es so weit ist, liest die ganze Familie fleissig Zeitung, befasst sich mit aktuellen Nachrichtenthemen. Eine Hausaufgabe von Lehrerin Bärtschi. Ana wird gut auf ihren grossen Auftritt vorbereitet – so gut, wie das bei einer Nachrichten­sendung eben möglich ist.

«Ich hoffe, dass kein Bombenattentat oder sonst etwas ganz Schlimmes passiert», sagt die Elfjährige. «Kinder müssen lernen, auch mit schlechten Nachrichten umzugehen», ergänzt ihr Vater. Und die Verantwortlichen von SF erklären: «Den Kindern stehen die erwachsenen Redaktoren jederzeit zur Seite. So können sie im Ernstfall übernehmen.»

Ana selbst hofft auf Good News. «Ich hätte gern verkündet, dass Roger Federer Zwillinge bekommt – aber das passiert wohl nicht so schnell wieder.» Stattdessen setzt sie jetzt auf eine Traumhochzeit. Von ihrem Idol, der amerikanischen Schauspielerin und Sängerin Miley Cyrus. «Sie ist zwar erst 16, ein bisschen jung zum Heiraten. Aber man weiss ja nie …»


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