Martina Hingis Die Pferdeflüsterin

«Jetzt will ich beim Reiten meine Grenzen ausloten», sagt Martina Hingis, 28. Die beste Tennisspielerin der Welt startet gut gelaunt und ziemlich verliebt in ein neues Leben. Der Zürcher Anwalt Andi Bieri, 38, ist der 1,90 Meter grosse Mann an ihrer Seite.

Martina, sind Sie glücklich?
Das bin ich. Ich kann jetzt Dinge geniessen, die während meiner Karriere zu kurz gekommen sind. Mein Haus am Zürichsee, das ich nach meinen Ideen eingerichtet und umgebaut habe. Meine Pferde, die mir viel bedeuten. Zürich, die Stadt, in der ich früher zu wenig unterwegs war. Ja, und frisch verliebt bin ich auch.

Wo verliebt sich ein Weltstar wie Sie? An coolen Partys? In Clubs? Bei Facebook?
Im «Sprüngli». Ich liebe Schoggi und bin häufig dort. Dort habe ich Andi wieder getroffen. Wir kennen uns von früher, aber diesmal hats gefunkt. Seit drei Monaten sind wir zusammen.

Andi? Erzählen Sie uns mehr von ihm.
Er heisst Andreas Bieri, ist 38 Jahre alt und 1,90 Meter gross. Er ist Anwalt und hat zusammen mit seinem Partner eine eigene Kanzlei in Zürich. Er hat Humor, ist schlagfertig, hat ein gesundes Selbstbewusstsein und ein grosses Herz. Sein Sternzeichen? Stier. Das merkt man hie und da (lacht)!

Ich sehe trotzdem schwarz: Der Mann kann nicht reiten!
Das ist tatsächlich ein Schwachpunkt (lacht)! Letzte Woche ist er aus lauter Liebe zu mir mal auf eines meiner Pferde gestiegen, aber er hatte fürchterlich Schiss. Das kann ich kaum verstehen. Aber sonst ist Andi sehr sportlich: Er spielt Tennis für GC, war mal die Nummer 15 der Schweiz. Und er fährt sehr gut Ski.

Und er zieht demnächst bei Ihnen ein?
Noch haben wir zwei Wohnungen. Aber wir versuchen, uns so oft wie möglich zu sehen. In letzter Zeit eigentlich täglich, was ich sehr geniesse. Wir waren auch gemeinsam in Florida in den Ferien. Ihm zuliebe reite ich nicht mehr an sieben Tagen pro Woche, sondern nur noch an fünf oder sechs …

«Andi ist schlagfertig, selbstbewusst. Er spielt gut Tennis, hat Humor und ein grosses Herz»

Was brauchts für eine gute Beziehung?
Vertrauen, Selbstständigkeit. Jeder muss dem anderen einen gewissen Freiraum gewähren. Und: An einer guten Beziehung muss man arbeiten.

Ich vermisse das Wort «Treue».
Das ist im Wort Vertrauen inbegriffen. Ist man zufrieden mit seinem Partner, sucht man nichts anderes.

Haben Sie ihm schon mal einen richtigen Liebesbrief geschrieben? Oder sind Sie eher ein SMS-Kid?
Liebesbrief …? Eher SMS. Oder noch besser: telefonieren! Das ist einfacher. Und jetzt, wo ich meinen Freund in der Schweiz habe, ist die Rechnung auch nicht mehr so horrend wie früher.

Den «Eltern-Test» hat Andi ja auch schon bestanden. Sie haben ihn zu Hause vor­gestellt.
Klar. An Mamis Geburtstag, bei unse­rem Lieblings-Chinesen «Min Kang Yuan» in Küssnacht am Rigi. Und er hat mich seiner Mutter vorgestellt. Ging alles prima.

Sie waren nicht immer so glücklich. Schon gar nicht am 3. Dezember 2005. Da traten Sie in Glattbrugg vor die Presse und erklärten in einer siebenminütigen Rede Ihren Rücktritt. Weil man Ihnen vorwarf, in Wimbledon Kokain als Doping konsumiert zu haben, und beide Proben einen positiven Befund ergaben.
Es war ein schlimmer Tag. Wir haben die Pressekonferenz zwar gut vor­bereitet. Aber wenn man dann vor die Mikrofone tritt, ist es nicht einfach.

Sie bleiben dabei: Sie haben nicht gedopt. Punkt.
Ich bin nicht der Typ, der nicht zu seinen Fehlern steht. Habe ich
Mist gebaut, stehe ich hin, erkläre den Sachverhalt und entschuldige mich. Aber ich kann mich nicht für etwas entschuldigen, das ich nicht getan habe. Ich konsumiere nun mal kein Koks.

Die Folgen waren brutal. Der Internationale Tennisverband (ITF) hat Sie trotz gravierenden Mängeln im Verfahren für zwei Jahre gesperrt. Und ziemlich lausig behandelt.
Kann man sagen. Wimbledon beispielsweise lädt jedes Jahr seine «past champions» zum Turnier ein. Auch ich habe wieder meine Tickets gekriegt. Aber dann wurde mir vom ITF unmissverständlich klargemacht, dass ich während meiner Sperre bei Wettkämpfen die Stadien nicht betreten darf. Das hat mich sehr getroffen.

Es gab Tränen.
Nein. Aber ich habe innerlich gekocht. Ich hatte in Wimbledon bereits ein
Haus gemietet und mich darauf gefreut, als Fan bei diesem Turnier dabei zu sein. Dass ich darum den Superfinal Federer gegen Nadal verpasst habe, reut mich noch heute!

Sie haben das Urteil akzeptiert, nicht dagegen angekämpft.
Wir haben lange darüber diskutiert, aber Mario (Mario Widmer, Manager und Lebenspartner von Martinas Mutter Melanie Molitor) hat mir abgeraten. Ich hätte jahrelang durch die Instanzen und durch die Gerichte ziehen müssen. Das kann und will ich nicht.

Im Herbst läuft die Sperre ab.
Ja, an meinem 29. Geburtstag. Am Tag danach, am 1. Oktober, bin ich wieder frei. Dann darf ich in den olympischen Disziplinen wieder Wettkämpfe bestreiten. Dann kann ich mein Leben neu ordnen und zusammen mit der Agentur und meinen Sponsoren neue Pläne schmieden.

Aufs grosse Tennis-Comeback dürfen wir uns nicht freuen?
Für ein Comeback auf der Tour reichts nicht mehr. Ich spiele zwar an gewissen Tagen immer noch richtig gut, allerdings nicht zwei Sätze lang. Nochmals konditionell quälen mag ich mich nicht. Aber für Exhibitions bin ich immer zu haben: Da beisst man auf die Zähne, macht zwei, drei Spiele und kann sich anschliessend wieder erholen.

Verfolgen Sie Tennis noch am Bildschirm?
Frauenturniere ehrlich gesagt weniger. Männerturniere eher, wenn ich dafür nicht mitten in der Nacht aufstehen muss, weil sie in Australien stattfinden …

Roger Federers Karriere interessiert Sie bestimmt. Auch Sie waren 209 Wochen lang die Nummer 1 auf der Welt. Auch Sie mussten akzeptieren, dass man das nicht ewig sein kann.
Ich kenne den Weg, den Roger jetzt geht. Aber für mich ist er noch immer der beste Tennisspieler der Welt. Er spielt besser als alle anderen, auch wenn man zugestehen muss, dass Nadal physisch unglaublich stark ist. Trotzdem: Ich «fäne» immer mit Roger.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren früheren Gegnerinnen?
Tennisfreundschaften pflegt man an den Turnieren. Ist man weg, wirds auch schwieriger mit den Freundschaften. Aber wenn ich beispielsweise in Miami bin, treffe ich Anna Kurnikova oder Monica Seles. Monica ist super – die hat ganz cool bei einer riesigen TV-Show mitgemacht.

Was für eine Show?
«Dancing with the Stars», ein Tanz-Wettbewerb mit prominenten
Teilnehmern. Also so etwas würd ich jederzeit auch gerne machen! Ich müsste allerdings ein paar Stunden nehmen. So gut tanze ich auch
wieder nicht …

Ich sehe Sie eigentlich eher als Spring­reiterin denn als Turniertänzerin.
Nun, ich freue mich auf meine nächsten Starts bei Springkonkurrenzen. Aber man muss das richtig einordnen: Ich will bei nationalen Prüfungen starten, gewissermassen vor der Haustür. Vielleicht mal mit meinen Kollegen vom Reitstall bei Turnieren im nahen Ausland. Eine wirklich gute Reiterin werde ich nie.

Das tönt aber sehr bescheiden.
Tolle Reiter wie Guerdat oder Pessoa sind mit Pferden aufgewachsen. Wie ich mit dem Racket. Oder Sergio García mit dem Golfball. Diesen Rückstand kann ich nie wettmachen. Aber ich will beim Reiten meine Grenzen ausloten, das schon.

Wie gross ist denn der «Stall Hingis»?
Mein bestes und teuerstes Pferd, Kolibri’s Perle, steht in einem deutschen Stall und wird von Profi-Reiter Hansi Dreher für einen GP-Start vor­bereitet. Ich selber reite zwei Pferde: Catch the Wind, eine Holsteiner Schimmelstute. Und Darconi, ein Wallach. Ein weiteres Pferd ist in der Zucht.

Dann stehen Sie also um sechs Uhr morgens auf und misten den Stall aus?
Das dann doch nicht. Früh aufstehen ist nicht mein Ding! Ich geniesse
den Luxus, dass das Pferd bereitsteht, wenn ich in den Stall komme. Aber abspritzen – das mach ich selber. Einmal pro Woche reite ich mit meiner Mutter aus. Dann sprechen wir über alles im Leben – wie früher auf dem Tennisplatz. Wir verstehen uns nach wie vor sehr gut, ich bin auch froh, dass sie in der Nähe wohnt. So weiss ich, wo ich hin kann, wenn mein Kühlschrank leer ist … Ich bin auch sehr dankbar, was Mario für mich macht. Wir sind ein gutes Trio.

Wie verbringen Sie Ihren Tag?
Ich geniesse meine neuen Freiheiten. Ich schlafe aus, stehe um neun im Stall, geniesse den Nachmittag im Garten, treffe Freunde. Und lerne für die Motorbootprüfung. Ich habe zwar ein Boot, aber noch keinen Führerschein …

… und Sie gehen shoppen. Welche ­Designer füllen Ihre Schränke?
Ich mag Dior sehr, aber auch Cavalli, Dolce & Gabbana, Versace. Ich habe auch schon heftiger eingekauft. Jetzt sind mir meine Pferde wichtiger.

Keinen Schuh-Tick?
Einen kleinen schon. Aber wenn ich in der «Gala» sehe, was Beyoncé oder Rihanna da so im Schwank haben, bin ich ganz bescheiden.

Wo trifft man Sie in Zürich? Auf der Welt?
In Zürich hat mir mein Freund Restaurants gezeigt, die ich zuvor nicht
gekannt habe: «La Côte», «Lasalle», «Jdaburg», «Madonna» zum Beispiel. Hie und da bin ich an der Bar vom «Helvetia» oder vom «Widder». Meine Lieblingsstädte sind London, Paris. Und nach New York möchte ich auch mal wieder.

Sie haben nach monatelanger Pause diese Woche zum ersten Mal wieder drei Interviews gegeben, was Ihnen sicher nicht leichtgefallen ist. Ich bin fast sicher: Dafür werden Sie sich selber «belohnen».
Hab ich schon. Ich habe bei Grieder ein neues Kleid gekauft, genauer
zwei – eines von Dolce & Gabbana und eines von Patrizia Pepe. Es war
«2 für 1»-Aktion. Ich bin jetzt Schnäppchenjägerin.

Schauen Sie das VIP-Profil von Martina Hingis an.

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