Blerim Dzemaili und Barbara Megert Die Schönen und das Biest

Das Seuchenjahr ist vorbei. Beim FC Torino dreht Blerim Dzemaili wieder voll auf. Damit gibt sich der Mittelfeld-Kämpfer aber nicht zufrieden: «Ich möchte auch in der Nati einen Stammplatz.» Für GOAL posierte er zum ersten Mal mit Freundin Barbara Megert - umwerfend.

Es gibt nicht viele Fussballer, die schon mit 23 Jahren alle Höhen und Tiefen des Fussball-Business kennengelernt haben. Blerim Dzemaili schon. Anfangs kennt die Karriere des in Mazedonien geborenen Mittelfeld-Kämpfers nur eine Richtung: vorwärts. Mit 21 Jahren ist er bereits Cupsieger und zweifacher Schweizer Meister mit dem FCZ, Captain seines Klubs sowie Nati-Spieler. «Eine unvergesslich schöne Zeit», sagt Dzemaili.

Den Lockrufen aus dem Ausland kann Dzemaili nicht lange widerstehen: Im Februar 2007 unterschreibt er einen Vertrag bei den Bolton Wanderers in England. Aber noch vor dem Wechsel kommt der Karriere-Knick: Im April des gleichen Jahres erleidet Dzemaili im Training einen Kreuzbandriss am rechten Knie.

Es folgten zwei Operationen und ein langwieriger Aufbau. Als Dzemaili wieder gesund ist, setzt in Bolton niemand mehr auf ihn. Die Premier League erlebt er nur als Zaungast, er macht kein einziges Spiel. «Eine Zeit zum Vergessen», sagt er.

Nun ist Blerim Dzemaili zurück im Geschäft. Bei seinem neuen Klub, dem FC Torino, ist er der Aggressiv-Leader, der ­«Puncher». Und obwohl sein Team in der Serie A gegen den Abstieg kämpft, erhält der 23-Jährige beste Kritiken: Von «altissima qualità» oder «molto temperamento» sprechen die italienischen Reporter. «Da ist Vorsicht geboten», sagt Blerim. «Das kann einem zu Kopf steigen.»

Dafür, dass er am Boden bleibt, sorgt Dzemailis Freundin Barbara Megert, 24. Auch sie ist keine Unbekannte: Die Bernerin war 2003 Vize-Miss-Schweiz, im Schweizer Fernsehen verleiht sie der Sendung «Benissimo» als Glücksfee wenigstens ein bisschen Sex-Appeal. Barbara wohnt in Neuenburg.

Für GOAL posierte das Paar zum ersten Mal gemeinsam in einem Fotostudio. Noch bevor das Shooting in Turin losgeht, sagt Star-Fotograf Maki Galimberti begeistert: «Die zwei sehen so toll aus, da muss ich ja kaum noch was machen!» Nach fünf Stunden sind die Bilder im Kasten – und Blerim geschafft: «Ein Fussballspiel ist die reinste Erholung gegen so ein Shooting!»

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Blerim Dzemaili, Fussballer stehen bei den Frauen hoch im Kurs. Nun sieht Ihre Freundin Barbara Megert aber auch nicht gerade schlecht aus. Wer ist nun auf wen eifersüchtig?
(Lacht.) Es ist nicht immer ganz einfach. Wenn man so wie wir eine Fernbeziehung führt, braucht es viel Vertrauen. Aber wir sind inzwischen seit zweieinhalb Jahren ein Paar. Wir haben ein gesundes Mass zwischen Vertrauen und menschlichem Kontroll­bedürfnis entwickelt.

Und wie widerstehen Sie selber den Verlockungen?
Ich habe das Single-Leben genossen, als ich 18, 19 oder 20 Jahre alt war. Ich war, wie man so schön sagt, kein Kind von Traurigkeit. Seit ich Barbara kenne, habe ich mich diesbezüglich sehr verändert. Diese sogenannten Verlockungen machen mir keine Mühe.

Wie haben Sie Barbara eigentlich kennengelernt?
Kurz vor der WM 2006, an einem Anlass. Sie war als Radioreporterin für Radio Pilatus ­unterwegs und hat mich interviewt.

Und da hats gleich gefunkt?
Kann man so sagen. Ich habe sie dann nach ihrer Nummer gefragt, aber sie wollte sie mir nicht geben! (Barbara hat im Hintergrund zugehört und ruft: «Klar! Wer möchte schon einen Fussballer als Freund?» Beide lachen herzlich.) Immerhin durfte ich ihr meine Nummer geben. Und irgendwann hat sie mich angerufen, und so kam die Sache ins Rollen.

Seit Ihrem Wechsel nach England vor eineinhalb Jahren führen Sie eine Fernbeziehung. Ist das nicht mühsam?
Doch, ab und zu sogar sehr. Aber Barbara möchte nicht bloss ein Anhängsel an meiner Seite sein und zuerst ihr Jus-Studium abschliessen (Interview mit Barbara Megert auf der nächsten Seite). Auch eine Fernbeziehung hat ihre Vorteile: Die Zeit, die wir miteinander haben, ist umso intensiver. Und liebestötende Routine kommt auch keine auf.

In Ihrer Profi-Karrerie kommt auch keine Routine auf. Die vergangenen zwei Jahre waren für Sie alles andere als ruhig.
(Lacht ironisch.) Na ja, in Bolton habe ich eine ruhige Kugel geschoben.

Etwas unfreiwillig. Weshalb konnten Sie sich nach Ihrer schweren Verletzung dort nie durchsetzen?
Weil der neue Trainer, Gary Megson, weder Zeit noch Lust hatte, mitten im Abstiegskampf einen neuen Spieler in die Mannschaft einzubauen. Im Nachhinein habe ich ein gewisses Verständnis dafür. Aber natürlich war das eine schwere Zeit.

Eine Phase, in welcher Sie Barbara gern in Ihrer Nähe gehabt hätten, oder?
Barbara hat mich auch so toll unterstützt. Sie besuchte mich in Bolton, sooft es ging, und war immer für mich da. Aber ich bin sowieso nicht der Typ, der seine Gefühle nach aussen trägt und permanent Trost sucht. Man muss eine solche Phase durchstehen können, mit oder ohne Freundin.

Nur trainieren, keine Chance auf einen Einsatz – war das nicht sehr
frustrierend?

Spannend wars jedenfalls nicht. Ich bin nach den Trainings jeweils zu Hause rumgehängt, habe mit Kollegen im Internet gechattet, so ziemlich jeden DVD-Film geschaut, den es gibt, und die Tage bis zu den Ferien gezählt. Mit der Zeit habe ich dann auch die positiven Aspekte der ganzen Geschichte erkannt: Ich konnte meine Verletzung perfekt ­auskurieren und hatte ein halbes Jahr ­Ferien, die erst noch gut bezahlt waren.

Kein bitterer Nachgeschmack?
Doch, denn ich bin in Bolton gescheitert, Verletzung und Trainerwechsel hin oder her. Dafür bin ich umso stolzer, dass es mir jetzt in Turin so gut läuft.

Wie sind Sie als «kleiner» Schweizer im Land des Weltmeisters empfangen worden?
Kleiner Schweizer? Die Italiener wissen sehr wohl, was sie an uns haben. Gökhan Inler, Lichtsteiner, Padalino, Senderos, Ziegler, sie alle liefern starke Leistungen ab.

«Viele Fussballer zeigen ihren Reichtum fast demonstrativ. Mir tut jeder Rappen weh, den ich zu viel ausgebe»

Obwohl Sie mit dem FC Torino gegen den Abstieg kämpfen, erhalten auch Sie Woche für Woche ausgezeichnete Kritiken.
Was mich sehr freut. Ich darf mir darauf aber nichts einbilden. Zu viel Applaus kann einem schnell zu Kopf steigen. Beim FCZ verlor ich eine Zeit lang die Bodenhaftung, weil ich dermassen gelobt wurde. Inzwischen habe ich dazugelernt und weiss damit umzu­gehen. Hoffentlich jedenfalls (lacht)!

Auf dem Fussballplatz schuften Sie jedenfalls wie eh und je. Was treibt Sie an?
Ich war schon immer ein Kämpfer auf dem Spielfeld, auch als Junior. Ich denke, dass meine Herkunft mich geprägt hat. Ich war erst vier Jahre alt, als unsere Familie von ­Mazedonien in die Schweiz gezogen ist. Aber ich habe früh begriffen, dass das Leben nicht für alle einen Platz an der Sonne vorsieht. Immigranten sind sich dessen vielleicht etwas mehr bewusst als die Schweizer.

Abseits des Spielfelds wirken Sie hingegen sanftmütig und ruhig.
Ich sehe da keinen Widerspruch. Ich bin weder auf noch neben dem Platz ein aggressiver Mensch. Klar, ich arbeite hart und konsequent für meinen Erfolg. Aber insgesamt bin ich ein friedfertiger und sehr fröhlicher Typ.

Der auch die schönen Seiten des Profi-­Lebens geniesst?
Ja, aber anders als früher. Mit 17 ging ich gern auf Partys, war häufig mal im «Kaufleuten» anzutreffen. Wenn ich in Zürich bin, mache ich das auch heute noch gern. Hier in Turin setze ich mich lieber an eine Piazza oder schlendere durch die Stadt. Im Ausgang war ich hier ein einziges Mal – und um ein Uhr war ich bereits wieder im Bett.

Kam es für Sie jemals infrage, für die mazedonische National-mannschaft zu spielen?
Nein. Ich bin meinen Eltern extrem dankbar, dass wir damals nach Zürich gezogen sind. Deshalb war es für mich immer klar, dass ich für die Schweiz spielen möchte. Das ist meine Art, Danke zu sagen.

Vermissen Sie die Schweiz?
Als wir im Februar hier in Turin bereits über 20 Grad hatten, bestimmt nicht (lacht). Aber im Ernst: Erst wenn man von zu Hause weg ist, merkt man, wie schön es war. Wenn ich an einem Sonntagabend allein zu Hause sitze, packt mich ab und zu das Heimweh, dann fehlt mir meine Familie.

Was bedeutet Ihnen die Familie?
Vielleich hat das auch wieder mit meiner Herkunft zu tun. Für mich ist klar: Die Familie steht an oberster Stelle. Alles andere muss hintanstehen.

Ihre Familie gehört einer albanischen Minderheit in Mazedonien an und ist muslimisch. In der Schweiz sind das nicht unbedingt die beliebtesten Bevölkerungsgruppen. Hatten Sie je darunter zu leiden?
Nein, ich wurde damit nie konfrontiert, geschweige denn deswegen diskriminiert. Zum Glück nicht. Die Menschen in der Schweiz haben mich immer so akzeptiert, wie ich bin.

In der Schweiz wird man über das Verbot von Minaretten abstimmen. Haben Sie dazu eine Meinung?
Wenn die Schweizer das so wollen, ist es ihr gutes Recht. Ich persönlich kann an einem Verbot von Minaretten nichts Positives erkennen. Aber ehrlich gesagt ist es mir lieber, wenn wir die politischen Themen beiseite lassen.

Dann lassen Sie uns, ganz unschweizerisch, über Geld reden. Was gönnen Sie sich mit dem Geld, das Sie verdienen?
Ich bin froh, nicht auf jedes Preisschild achten zu müssen. Das ist ein Luxus, den ich mir verdient habe. Ich gehe gern auswärts essen oder kaufe mir schöne Kleider.

Haben Sie ein bestimmtes Label, das ­Ihnen besonders gut gefällt?
Nein. Es muss auch nicht das Teuerste vom Teuren sein. Und allzu auffällige Kleidung mag ich sowieso nicht. Viele Fussballer zeigen ihren Reichtum fast demonstrativ und geben ihr Geld ziemlich sorglos aus. Mir tut jeder Rappen weh, den ich unnötig ausgebe. Vor allem wenn ich verdorbenes Essen entsorgen muss, ärgert mich das.

Im Gegensatz zu anderen Fussballern ist Ihr Körper auch nicht mit Tätowierungen übersät – oder noch nicht?
Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Tattoos. Ich habe immer wieder Motive gesehen, die mir gefallen haben. Aber spätestens ein Jahr später bin ich jeweils froh, dass ich mir jenes Motiv damals nicht habe stechen lassen.

Dann lassen Sie uns ein Jahr nach vorne schauen: Wissen Sie, was am 11. Juni 2010 stattfindet?
Klar, das Eröffnungsspiel der Fussball-WM in Südafrika.

Werden Sie dabei sein?
Die Schweiz bestimmt, da bin ich mir sicher. Und ich möchte auch mit von der Partie sein. Das wäre die Erfüllung eines Lebens­traums.

Derzeit sind Sie in der Nati für Ottmar Hitzfeld zweite Wahl hinter Gökhan Inler und Beni Huggel.
Konkurrenz gehört zum Geschäft, damit kann ich leben. Ich sehe es so: Im Moment sind die beiden vor mir. Vor meiner Ver­letzung war es umgekehrt – und das soll spätestens auch in Südafrika wieder so sein. Nur zu den 23 nominierten Nati-Spielern zu gehören, reicht mir nicht. Ich will spielen, und zwar immer.

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