Starbugs Drei lustige Käfer

Das Berner Trio Starbugs bringt dieses Jahr im Circus Knie das Publikum zum Lachen. Hinter den Kulissen stiehlt aber einer Silu, Fäbu und Tinu die Show: Fäbus Sohn Timo.

Die Mütze rutscht ihm über die Augen, das T-Shirt reicht bis zu den Fussknöcheln. Doch kaum steht der zweieinhalbjährige Timo in der Manege, weiss er genau, was zu tun ist: verbeugen, lächeln und winken. Timo wurde sein Showtalent in die Wiege gelegt. Mami Tanja Mikhail, 36, ist Tanzlehrerin und Mitinhaberin einer Tanzschule in Bern. Und Papi Fabian «Fäbu» Berger, 34, gehört zum Komiker-Trio Starbugs, den diesjährigen Stargästen des Circus Knie.

«Rhythmische Sportkomik» nennen Fabian Berger, Martin «Tinu» Burtscher, 30, und Wassilis «Silu» Reigel, 27, ihr Genre. Die drei sind gemeinsam in Seedorf im Berner Seeland auf­gewachsen, waren zusammen im Turnverein. Daraus entstanden vor gut zwölf Jahren Starbugs – ursprünglich eine Breakdance-Truppe.

«Wir merkten bald, dass wir nicht wirklich gut waren, dafür ziemlich lustig», erzählt Tinu Burtscher. «Und dass es nichts Schöneres gibt, als die Leute zum Lachen zu bringen.» So entstand ein Programm zwischen Tanz, Pantomime und Komik. Seit drei Jahren leben die drei Berner von ihrer Kunst, sind erfolgreich im In- und Ausland unterwegs.

Bei einem Zirkusfestival in Paris wurden sie von Knie-Patron Fredy Knie entdeckt. «Es ist nicht einfach, jedes Jahr jemanden zu finden, der ein Pub­likum zwischen vier und achtzig anspricht. Starbugs sind dynamisch und experimentierfreudig und kommen bei Jung und Alt gleichermassen an», sagt Fredy.

Für das Komiker-Trio sei die Anfrage des Schweizer National-Circus natürlich eine grosse Ehre gewesen, so Tinu. «Anfangs fürchteten wir zwar, das sei vielleicht eine Nummer zu gross für uns. Aber wir waren uns schnell einig: Diese Chance müssen wir packen!»

Für ihre Lebenspartnerinnen bedeutet die Zirkus-Tour nicht unbedingt, dass sie ihre Männer weniger sehen als vorher. «Im Gegenteil», meint Fäbus Freundin Tanja Mikhail. «Sie sind zwar alle paar Tage an einem anderen Ort. Aber die Schweiz ist ja nicht so gross, dass man da nicht für ein Wochenende hinfahren könnte. Und ihr Alltag ist viel geregelter als sonst.»

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Für Klein Timo ist das Zirkusleben ein Paradies. «Er hat sich mit Knie-Spross Chris angefreundet, ist den ganzen Tag von Tieren umgeben und isst Popcorn», sagt sein Mami lachend. «Wenn wir uns am Montag­abend auf den Heimweg nach Bern machen, weint er jeweils bittere Tränen.»

Für SI-Journalistin Sylvie Kempa, 27, seit fünfeinhalb Jahren die Frau an Tinu Burtschers Seite, ist der vierwöchige Knie-Aufenthalt in Zürich praktisch: Die Bernerin wohnt während dieser Zeit bei ihrem Liebsten im Wohnwagen und spart sich das tägliche Pendeln im Zug. Dass sie dabei um fünf Uhr morgens vom Pfeifen der Vögel geweckt wird und «zwei Haare in der Dusche reichen, um den Abfluss zu verstopfen», nimmt sie gelassen.

Dafür gibts Wohnwagen-Romantik pur: gemeinsame Grillabende, gemütli­che Plauder-Nachmittage - und natürlich immer wieder mal einen Ehrenplatz im Zirkuszelt. Zehnmal hat Sylvie das Knie-Programm inzwischen gesehen.

Bereits fünfzehnmal im Publikum sass Silu Reigels Freundin Franca Wenk, 19. Die Fotofachfrau ist erst seit gut einem halben Jahr mit dem Halb-Griechen zusammen. «Es ist schon nicht einfach für eine junge Liebe, wenn man sich nur am Wochenende sieht», gesteht sie. «Jeden Samstag nach der Arbeit ­setze ich mich in den Zug und fahre in irgendeine Ecke der Schweiz. Das kann anstrengend sein.»

Trotzdem möchte auch Franca die Zirkus-Erfahrung nicht missen: «Die Atmosphäre hier ist sensationell, und man lernt so viele freundliche, offene Menschen kennen.»

Viel gelernt haben auch die drei Starbugs in ihrem Zirkusleben. So fahren sie ihre Wohnwagen selbst mit dem eigenen Auto von Ort zu Ort. Dabei ging auch schon mal einiges an Geschirr in die Brüche. «Ich weiss jetzt, dass man alle Kästen und Schubladen vor der Abfahrt immer sichert», meint Tinu grinsend. Auch in der Manege bewegen sich die drei mittlerweile wie alte Profis. Silu: «Nach der Elefantennummer muss man acht­geben auf die Schlaglöcher im Boden?…»

Seit Fäbu, Tinu und Silu mit dem Knie unterwegs sind, werden sie auf der Strasse erkannt und um Autogramme gebeten. «Die Tour steigert unseren Bekanntheitsgrad in der Schweiz um ein Vielfaches», sagt Fäbu Berger, der Starbugs auch managt. «Schön daran ist, dass wir ein geregeltes Einkommen für regelmässige Auftritte haben. Würden wir ausserhalb des Zirkus jeden Tag woanders auftreten, blieben irgendwann das Privatleben und die Gesundheit auf der Strecke.»

Da spricht wohl noch der Physiotherapeut, was Fäbu ursprünglich gelernt hat. Silu schloss ein Betriebswirtschaftsstudium ab, Tinu ist Elektriker «mit zwei erfolgreich abgebrochenen Studien». Ob er sich vorstellen könnte, je wieder in seinen angestammten Beruf zurückzukehren? «Vielleicht – aber nur beim Zirkus. Wenn einen dieses Virus einmal gepackt hat, lässt es einen nicht so schnell wieder los!»


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