«Missen Massaker» Ein «Mordsspass» mit den Schönsten

Auf der Piazza Grande in Locarno feiert der Zürcher Regisseur Michael Steiner mit seinem Film «Das Missen Massaker» Premiere. Auf der Piazza sind natürlich die jungen Schönheiten des Films dabei – und ein gespaltenes Publikum.

Eines vorweg: Auch der neuste Streich von Erfolgsregisseur Michael Steiner, 42, polarisiert. Doch dass seine Filme zu reden geben, ist für ihn, wie auch die Schweizer Filmbranche, nichts Neues.

Als «Wonderboy» des Schweizer Kinos wird er angekündigt: Regisseur Michael Steiner. Bereits als der Zürcher gemeinsam mit seinen hübschen Schauspiel-Ladys über den roten Teppich des Filmfestivals Locarno schreitet und dieser Einmarsch auf der grossen Leinwand zu sehen ist, klatscht das Publikum. Ja, Wonderboy oder auch Wundertüte, das ist Michael Steiner. Immer wieder überraschte er mit neuartigen Filmen und brannte sich mit «Mein Name ist Eugen», «Grounding» und «Sennentuntschi» äusserst erfolgreich in die Köpfe der Kinobesucher. Und was wäre eine Wundertüte ohne Überraschungseffekt? Deshalb wagt sich Steiner mit seinem aktuellen Film einmal mehr auf neues Terrain - zumindest in der Schweizer Filmbranche. Ein Genre-Film, eine Horrorkomödie – eben «Das Missen Massaker».

«Einen solchen Film haben sie in der Schweiz noch nie gesehen», verspricht Festival-Direktor Olivier Père und schürt die Erwartungen der 8000 Premiere-Besucher auf der Piazza Grande. Dabei sind die Erwartungen ohnehin gross. Was für ein Meisterwerk ist Michael Steiner diesmal gelungen? Und ist auch diese Wundertüte überraschend?

An kleinen Überraschungen fehlt es dem Film nicht. Diverse Gastauftritte, wie derjenige von Kult-Fussballexperte Gilbert Gress, sorgen für Highlights. In jungem Mundart - Secondosprache ist genauso vertreten, wie klischierter Ostschweizerdialekt - zicken sich die Missen an. Immerhin will «Miss Röschti» genauso die Miss-Schweiz-Krone ergattern wie «Miss Aargau» oder «Miss Bikini». Und dann wäre da ja auch noch die «Miss Bildung», die das Matterhorn mitsamt dessen Geschichte kennt.

Ehemalige Missen wie Nadine Vinzens oder Miss Earth Liza Andrea Kuster gehören zum Ensemble. Sie überraschen mit ihren Darstellungen und einer grossen Prise Selbstironie. «Für mich ist der Film aber ‘once in a lifetime’», sagt Laien-Schauspielerin Kuster. «Ich versuche deshalb, die Premiere in dieser einmaligen Kulisse zu geniessen.»

Der Auftritt auf der Kinoleinwand ist für manche der Darstellerinnen nur kurz. Auf der Insel Gopa Guapo im Tanga-Atoll geht ein Killer um, der mit Vorliebe junge Mädchen erschlägt, vergiftet oder ersticht - wie man eben so mordet. Der Film zitiert mit viel Genuss amerikanische Horrorfilme, Liebhaber dieses Genres kommen immer wieder auf ihre Kosten. So ernten Steiner und seine Crew an der Premiere auch Szenenapplaus.

Dafür ist das Klatschen am Ende des Films - soviel sei verraten, da leben nicht mehr alle Missen - äusserst verhalten. Vereinzelt sind Buh-Rufe und Pfiffe zu hören. Liegt es an der Mundart im Tessin? Immerhin kommen manche Witze in den englischen Untertiteln nicht gleich zur Geltung. Oder an den enormen Erwartungen? Oder muss sich das Schweizer Publikum erst an heimische Horror-Komödien gewöhnen?

Regisseur Steiner äussert sich zufrieden. «Wir hatten Szenenapplaus und eine Sternschnuppe am Himmel. Was will ich mehr?!» Auch Seraina Rohrer, Direktorin der Solothurner Filmtage, empfindet die Premiere als gelungen. «Der Film ist wirklich eine Neuheit, unterhaltsam und sehr professionell gemacht. Das Publikum hat sich amüsiert.»

Doch ob der Mordsspass mit den Missen auch an den Kinokassen ankommt, wird sich erst zeigen. Ab dem 23. August läuft er in den Deutschschweizer Kinos. Für Mike Müller, der im Film den Manager mimt, ist nach der Premiere klar: «Wir wollten einen lustigen Film machen und haben einen lustigen Film gemacht.»

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