DJ Antoine Ein Traum in der Wüste

Zwei Männer fahren im Lamborghini durch Marokko. In einer Oase warten sexy Bauchtänzerinnen. Darunter Whitney Toyloy, die küssen will. Im neuen Musikvideo von DJ Antoine gehts kitschig zu und her. Egal - ein junger Russe bezahlt den Spass.

Kikeriki! Der Hahn im Hof der Villa «Dar Abesque» in Marrakesch kräht um 6 Uhr früh. Miss Schweiz Whitney Toyloy sitzt mit verschlafenen Augen am Frühstückstisch und löffelt ein Pistache-Joghurt.

«Was soll ich für den Dreh anziehen?», fragt sie Antoine Konrad, 33, alias DJ Antoine, der gerade ein Stück Fladenbrot mit Ziegenbutter bestreicht. «Etwas, das sexy ist», antwortet an seiner Stelle der russische Sänger und Gastro-Erbe Mikhail «Mish» Tyurin, 21. Und Antoine fügt nach einem Schluck Kaffee hinzu: «Aber das heisst nicht, dass du halb nackt sein musst!» Gelächter. Die drei haben sich bereits angefreundet. Seit zwei Tagen weilen sie für den Dreh des Musikvideos «One Day, One Night» in Marrakesch.

«Auf Knopfdruck sexy zu sein, ist schwierig» Whitney Toyloy, Miss Schweiz

«Sie könnte Miss Marokko sein», flüstert eine einheimische Bauchtänzerin ihrer Freundin zu, als Whitney am Filmset eintrifft: einer künstlichen Zeltstadt mitten im Palmenwald. Im goldenen Fransenkleid, mit Riemchen-Sandalen und Zehn-Zentimeter-Absätzen stiehlt die 18-Jährige allen die Show. Sogar DJ Antoine, obwohl der in Marokko ein Superstar ist. «Seine Musik wird in den Clubs in Casablanca auf und ab gespielt», schwärmen die Tänzerinnen. Sie sind erstaunt, dass ihr Held ein echter Eidgenosse ist - und nicht Amerikaner.

In der Schweiz entstand auch die Idee zum Musikvideo. Letzten Dezember im Genfer In-Club Platinum: Mish drängt sich zum DJ-Pult vor. «Ich möchte einen Song mit dir aufnehmen», schreit er Antoine ins Ohr. Das Finanzielle werde er schon regeln. Mishs schwerreiche Familie betreibt in Russland mehrere Clubs und Restaurants, während er in Leysin VD Wirtschaft studiert.

«Langsamer gehen, mehr mit den Hüften wackeln!» Whitney folgt konzentriert den Regieanweisungen. Versucht, trotz Mückenschwärmen nicht zu blinzeln und mit ihren Absätzen nicht über Steine zu stolpern. «Dabei auch noch sexy zu wirken, ist echt eine Kunst», sagt sie.

Erst kurz vor Mitternacht gibts Abendessen. Couscous-Töpfe mit Gemüse, Lamm und Poulet. Zum Dessert kündigt Gastgeber Youssef «die beste Pastilla der Stadt» an. Whitney probiert die klebrige Masse als Erste, verzieht den Mund: «Ist da Fleisch drin?» - «Bestes Taubenfleisch», bejaht Youssef stolz. Ein paar Bissen wandern heimlich zur Katze unter den Tisch.

Später, bei einer gemütlichen Runde um die Shisha, eine Wasserpfeife, mit Erdbeergeschmack, gerät Youssef in Erzähllaune: «Brigitte Bardot verbrachte in meinem Riad ihre Ferien. Und Yves Saint Laurent feierte hier schon Geburtstag.»

Nächster Tag, Drehort Wüste: Zwischen Geröll, Staub und Steinen steht ein silberner Lamborghini Gallardo. Um Kratzer zu vermeiden, wird der 300 000 Franken teure Mietwagen per Sattelschlepper hergebracht. Antoine setzt sich ans Lenkrad, Sänger Mish auf den Beifahrersitz. Klappe, Film ab!

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Ein Kameramann lehnt sich aus der offenen Schiebetür eines nebenherfahrenden Kleinbusses. Mish bewegt stumm die Lippen zur Musik. Nach fünf Anläufen ist die Szene im Kasten.
Eine Horde Dorfkinder beobachtet das Geschehen. Antoine, Papa des neunjährigen Sebastian, hat sichtlich Spass mit den Kleinen. Später schreibt er seiner Mutter ein SMS: «Ich will unbedingt noch mehr Kinder.»

Beim Drehort-Wechsel darf Antoine den Lamborghini selber fahren. Er drückt aufs Gaspedal, 90 anstatt der erlaubten 60 Stundenkilometer. Aus dem Autoradio tönt «Habibi, Habibi» der marokkanischen Popsängerin Samira Said. Prompt nimmt ein Polizeiwagen die Verfolgung auf. Antoine sieht ihn im Rückspiegel und bremst langsam ab. Die Beamten überholen ihn, lachen und gestikulieren, machen Handy-Fotos und brausen davon. Wann werden sie wohl zum nächsten Mal zwischen all den Töffli, Esel-Gespannen und Kamelen einen silbernen Lamborghini entdecken?

Am letzten Tag holt sich Antoine noch schnell Babouche-Finken in seiner Lieblingsfarbe Knallrot auf dem Markt. Whitney kauft Hamam-Seife und Honignüsse für ihren Freund Karim und die Familie. Nur Mish investiert seine Dirham nicht. «Ich habe für Dreh und Reise 150 000 Franken ausgegeben, das ist sogar für mich viel Geld», sagt er. «Aber nicht so viel, dass es wehtut.»


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