Castingshows Eine faszinierende Welt mit Folgen

Sie erleben Hochs und Tiefs und teilen sie mit der ganzen Nation. Die Folge: Die jungen Kandidaten von «Deutschland sucht den Superstar», «Germany's Next Topmodel» und neu auch noch «The Voice Kids» leiden häufiger an Depressionen. Für die Zuschauer sind Castingshows hingegen wichtiger Bestandteil des Erwachsenwerdens.
Beatrice Egli aus der aktuellen Staffel von «Deutschland sucht den Superstar» posiert mit Fans - wird der Ruhm bleiben, wenn die Scheinwerfer ausgehen?
© Adrian Bretscher/SI Beatrice Egli aus der aktuellen Staffel von «Deutschland sucht den Superstar» posiert mit Fans - wird der Ruhm bleiben, wenn die Scheinwerfer ausgehen?

Manchmal weiss man gar nicht mehr, wer gerade wo mitmacht: Seit Dieter Bohlen 2002 zum ersten Mal Deutschlands Superstar gesucht hat, suchen jährlich neue Prominente nach immer neuen Talenten. «Germany's Next Topmodel», «X Factor», «The Voice», «Popstars», «Die grössten Schweizer Talente», «Das Supertalent» - die Liste ist endlos. Mit «The Voice Kids» ist jetzt ein Format dazugekommen, das für Aufregung sorgt. Kinder zwischen 8 und 14 Jahren stellen ihr Talent unter Beweis und kämpfen um eine Siegesprämie von 15'000 Euro sowie einen optionalen Plattenvertrag. Können die Kleinen mit diesem Instant-Ruhm überhaupt umgehen? Scheinbar nicht, wie das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) jetzt in einer Studie untersucht hat. Junge Teilnehmer könnten schwer abschätzen, was es bedeute, bei einer Castingshow mitzumachen. Der Deutsche Professor für Medienpädagogoik, Bernd Schorb, ist sich sicher: «Der Grossteil der Kinder wird eine Enttäuschung erleben.» Und vielleicht sogar psychologische Betreuung in Anspruch nehmen müssen. 

Ganz anders sieht es hingegen bei den Jungendlichen aus, die passiv am ganzen Rummel teilnehmen: den Zuschauern. Wie eine Umfrage des IZI vor drei Jahren ergeben hat, geben Castingshows den jungen Menschen das Gefühl, «etwas für ihren Lebensweg und ihre Entwicklung mitzunehmen». Befragte gaben an, dass beispielsweise «GNTM» ihnen zeige, wie man sein müsse, um erfolgreich zu sein. Zudem sei es wichtig, auf dem Pausenhof à jour zu sein und über die Shows des Vorabends mitreden und -lästern zu können. 

Die Kritik spürt derzeit «DSDS»-Kandidatin Beatrice Egli am eigenen Leib. Die Schweizerin meistert die Auftritte auf der grossen Bühne mit Bravour, abseits des Rampenlichts muss sie hingegen einstecken. Sie habe Affären mit anderen Kandidaten, schrieben die Medien. Die Folge: Das Lächeln verging der sonst so fröhlichen Beatrice. «Das andauernde Mobbing von allen Seiten setzt mir zu» sagte sie zu SI online. Trotzdem kämpft sie jetzt unter den letzten 4 Kandidaten um den Titel Superstar.  

Der Vorteil einer derartigen Identifizierung mit einem TV-Format liege darin, dass sie zeigten, «dass es gelingen kann das zu erreichen, was man will, wenn man die notwendige Begabung mitbringt, sich an Regeln hält und sich genügend anstrengt». Und obwohl viele der Teenager plötzlich den Berufswunsch Sänger oder Model hegen - die klassischen Berufsbilder gehören immer noch zu den Favoriten: Die Mädchen möchten gerne Tierärztin oder Lehrerin werden, die Buben Profi-Fussballer oder Polizist. Die Chancen stehen also nicht allzu schlecht, dass Dieter Bohlen und Heidi Klum doch noch irgendwann in Rente gehen können. Und dafür vielleicht «Deutschland sucht die Superlehrerin» oder «Police Academy Switzerland» über den Bildschirm flimmern. 

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