Erich Vock und Ehemann Hubert Eine hübsche Familie

Olé, viva España! Er ist der Star des Schweizer Volkstheaters. Erich Vock und Ehemann Hubert zeigen ihr Fe­rienhaus in Andalusien. Und verraten das Geheimnis ihrer grossen Liebe.

Der Tag, an dem ich Erich Vock, 47, und Hubert Spiess, 45, in ­Andalusien besuche, startet mit schottischem Wetter. Schwere Regentropfen klatschen am Morgen vom schiefergrauen Himmel aufs Autodach, als ich die Bergstrasse des Weilers La Paratá in der Provinz Almería hinauffahre. Postkartenwetter sieht anders aus!

Ich bin neugierig auf den Spassvogel der Nation, den «Wer häts erfundä»-Mann aus der Ricola-Werbung. Der Volkstheater-Star, der die «Niederdorf­oper» mit Gastauftritten von Prominenten wie Sven Epiney in wenigen ­Wochen auf die Bühne des Bernhard-Theaters bringt und darin gleich die Hauptrolle des Bauern Heiri spielt.

Der Komödiant und sein Ehemann Hubert Spiess, (er mimt in der «Niederdorfoper» den Röbeli Meier, das Hausfaktotum, und ist Mit-Produzent) stehen vor ihrem schneeweiss getünchten Haus. Sie tragen Partnerlook: mokka­farbene Leinenhosen und weite weisse Hemden. «In einer Stunde scheint die Sonne», beruhigt mich Erich Vock.

Und siehe da: Nach dreissig Minuten reisst die Wolkendecke tatsächlich auf. Eine Bergamasker-Appenzeller-Hundedame tollt um die beiden Männer herum. Dann stubst sie mich mit ihrer feuchten Schnauze. «Darf ich vorstellen: das ist Urmel. Mitglied Nummer drei in unserer Kleinfamilie. Sie ist die einzige Dame im Haus und ein wenig zickig», sagt Erich. Feiner Humor. Wenig später servieren die beiden Latte macchiato auf dem Balkon der Villa Rocas Rojas (rote Felsen), die sie vor sechs Jahren einem Engländer abgekauft haben.

Wenn Erich und Hubert in der grossen Küche Tomaten für Gazpacho pürieren und aus den Fenstern schauen, breitet sich unter ihnen ein Postkarten-Pan­orama aus: pittoreske Küstenlandschaft, tiefblaues Meer, mediterranes Buschwerk – wenns nicht brennt, doch davon später. Vor allem im Sommer tauscht das berühmteste Männerpaar des Schweizer Showbusiness ihr Zürcher Quartier am hippen Idaplatz im Kreis 3 mit der spanischen Oase an der Südküste von Spanien.

«Wir fahren mit unserem Subaru in zwei Tagen hierher. Das gefällt auch Urmel.» Doch diesmal gabs auf der Hinfahrt ein paar Adrenalinstösse. Nahe von Barcelona erhält der Volkstheater-Star einen Panikanruf der deutschen Hausverwalterin: das Städtchen Mojacar stehe in Flammen! «Ich sah unser Haus schon als verkohlten Ruine vor mir», erzählt Erich. Doch dem grossen Feuer geht zwanzig Meter vor dem Haus der Atem aus.

Auf der Weiterfahrt folgt Adrenalinstoss Nummer zwei. Beim Kaffeehalt an einer Autoraststätte unweit von Alicante knacken Diebe die Autotüre und stehlen Laptop, Handys und Reisetaschen. «Das Beste am Ganzen ist», meint Hubert ­lakonisch, «Urmel sass im Auto. Wahrscheinlich wedelte sie noch mit dem Schwanz. Sie ist wie wir sehr gastfreundlich», meint er augenzwinkernd.

Das Telefon klingelt. Erich antwortet auf Spanisch. «Bueno, das war der Elektriker», sagt er. In Zürich büffeln er und Hubert einmal pro Woche spanische Vokabeln. Auf dem Wochenmarkt in Mojacar feilschen sie dann mit der Fleischhändlerin und der Blumenverkäuferin in Kastilisch. «Allerdings macht uns jedes Mal der andalusische Dialekt einen Strich durch die Rechnung. Die Südspanier verschlucken die Konsonanten, sodass ein Satz fast ausschliesslich aus Vokalen besteht. Manchmal verstehe ich nur noch Bahnhof», so der Komödiant.

«Älter werden? Ich bin entspannter als früher. Und ich geniesse das Hier und Jetzt»

Umso mehr versteht dieser Mann etwas vom Schweizer Dialekt-Theaterklassiker «Die kleine Niederdorfoper»! Vocks Schlüsselerlebnis geht zurück auf den Silvesterabend 1968. «An einer Feier des Aargauer Turnvereins trat ich mit meinem Vater und den Schwestern Vreny und Margot in einer kleinen Akrobatiknummer auf. Als wir nach Hause kamen, warteten meine Mutter und mein Bruder auf uns. Sie hatten die ‹Niederdorfoper› im Fernsehen gesehen und erzählten begeistert davon. Ich war, obwohl ich das Stück nicht gesehen hatte, fasziniert», erinnert sich Vock.

Warum? «Wir wohnten in Baden, und Zürich war damals weit weg. Die grosse Stadt nährte meine Bubenfantasien. Zürich bedeutete Verlockung.» Verlockungen, die in der «Niederdorfoper», einem Sittengemälde aus den 50er-Jahren, den Bauern Heiri – früher gespielt vom legendären Ruedi Walter – in Form von Wein, Weib und Gesang ereilen.

Wir spazieren durch den Garten. Vorbei an Oleanderstauden mit fuchsia-farbenen Blüten, Rosmarinbüschen und Palmen, deren Zweige sanft im Wind wiegen. Mittagszeit. Es ist heiss, man hört das laute Zirpen der Zikaden. ­Hubert bringt Erich ein grosses Glas Wasser. Eine kleine, unspektakuläre Geste. Doch so sieht Liebe aus.

Erich Vock, Sie sind seit 16 Jahren mit ­Hubert zusammen. Haben Sie Ihren Seelenverwandten getroffen?
Ich denke schon. Zumindest hat es in all den Jahren des Zusammenseins das Ich-verstehe-nicht-was-du-tust nie gegeben.

Homosexuelle tendieren zu einem ­genussorientierten Leben. Wie habt Ihr den Verlockungen bis jetzt widerstehen können?
Klar gibts andere hübsche Männer. Aber wir lassen uns nicht nur von Hormonen treiben. Es geht im Leben auch um ­Entscheidungen. Ich habe die eine getroffen, dass ich mit Hubert zusammenbleiben will.

Keine Angst vor dem Älterwerden?
Ich bin entspannter als früher. Wie es dann in zehn Jahre ist? Ich weiss es nicht. Viel mehr interessiert mich das Hier und Jetzt.

In der Gegenwart leben – Erich und Hubert beherrschen diese Kunst. Abends am Strand stecken sie Fackeln in den Sand. «Der Sonnenuntergang macht so doppelt Spass», meint Vock. Zwischen den Männern herrscht wortloses Einvernehmen. Nur Wellen und Wind. Irgendwie kitschig. Aber so sieht Genuss im Hier und Jetzt aus.

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