Abschied von Hugo Loetscher Eine Trauerfeier mit Humor

Hommage an Hugo Loetscher im Zürcher Grossmünster.

In seinem Buch «Lesen statt klettern» spöttelt Hugo Loetscher über Max Frisch, der sich 1991 eine Trauer­feier im Zürcher Grossmünster wünschte – seine Bitte aber blieb unerfüllt. Loetscher, dem Katholiken, wurde diese Ehre in der Protestanten-Hochburg nun zuteil. Am letzten Freitag nehmen Hunderte Abschied vom 79-Jährigen. Autor Urs Widmer ehrt den Verstorbenen als «sozial ungeheuer begabten Mann», der mehr gereist sei als alle Schweizer Schriftsteller zusammen. Melancholische, brasilianische Lieder, die im Münster erklingen, bringen Loetschers Reiselust herrlich zum Ausdruck.

Für Bundesrat Moritz Leuenberger sind heute darum so viele Menschen gekommen, weil Loetscher «unsere Schwächen nicht verlachte, sondern sich mit ihnen humorvoll solidarisierte». Beim Apéro nach der Feier fragt eine US-Touristengruppe, was hier auf dem Platz los sei. Schliesslich nehmen sich die Amerikaner ein Glas Wein und stossen auf den ihnen unbekannten «great Swiss man» an. Loetscher hätte sich darüber köstlich amüsiert.


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