Entdeckt Adrian Merz - Der Wortakrobat aus Bern

Poetry Slam ist eine bekannte und beliebte Künstlerform. Für Schnelldenker und Sprachgeniesser ist sie eine wahre Freude. Das hat auch Kabarettist Adrian Merz erkannt und schöpft dabei aus den Vollen. Doch wer ist dieser junge Mann eigentlich? SI online stellt den Berner vor.
Adrian Merz, Poetry Slam - Entdeckt
© zvg

Er überrascht und begeistert mit viel Komik und Wortwitz: Poetry-Slam-Künstler Adrian Merz.

Adrian Merz ist ein bunter Hund. Jahrelang war er als Kabarettist auf zahlreichen Bühnen in der Schweiz und in Deutschland unterwegs. Vielen ist er auch als humorvoller Moderator auf Radio Emme in Erinnerung. Daneben schrieb unter dem Titel ‹Merzwürdig› satirische Kolumnen in der Berner Zeitung BZ.

 Seit einigen Jahren misst er sich an Poetry Slams mit anderen Dichtern. 
Er gewann beispielsweise den Capital Slam in Bern oder performte sich bei der 
ersten Poetry-Slam-Schweizermeisterschaft im Herbst 2010 in den Final. 


Ende August erreichte er ein breites Publikum bei seinem Auftritt in der SRF-Sendung «Comedy aus dem Labor». Mit seinem Berndeutsch zelebrierte er den Schweizer Dialekt und sorgte mit guten Reimen für Erstaunen und mit Humor für Lachanfälle.

SI online: Herr Merz, Sie vermitteln in ihrer Show, dass die Schweizer Dialekte ein wertvolles Gut sind, die man bewahren sollte. Sind sie konservativ oder lieben Sie einfach unsere Sprache?
Adrian Merz: Beides! Ich bin grosser Mundart-Fan, mache aber auch hochdeutsche Programme. Sonst wäre es vielleicht ja doch irgendwann langweilig. Konservativ bin ich in dem Sinne, dass ich die alten Berner Ausdrücke sehr schön finde, und es schade fände, wenn sie verloren gingen.

Geht das ein wenig in die Richtung «Totemügerli» von Franz Hohler?
Eher weniger. Franz Hohler verwendete zwar einige sehr schöne alte Berner Ausdrücke, aber er hatte sie aus einem berndeutschen Wörterbuch. Viele Worte hat er aber selbst erfunden. Das Wort «Aaschnäggele» beispielsweise ist eine Erfindung von ihm - heute hat es sich im berndeutschen Sprachgebrauch eingebürgert. Ich erfinde keine Wörter, ich versuche viel mehr, durch eine interessante Wortwahl etwas zu erzählen.

Beim Auftritt bei «Comedy aus dem Labor» greifen Sie die Deutschen ein wenig an. Wie sind die Reaktionen?
Grösstenteils sehr positiv. Teilweise finden es sogar die Deutschen besonders lustig. Ein deutscher Kabarett-Kollege von mir beispielsweise - Fabian Lau - ist begeistert von diesem Programm.

Woher nehmen Sie die Inspiration für ihre Texte?
Gewisse entstehen wie von alleine. Das ist natürlich besonders «gäbig». Es kann sein, dass mir irgendwas Kleines auffällt, und daraus innerhalb einer Stunde ein fertiger Text entsteht. Beispielsweise der Besuch bei der Dentalhygienikerin ist innerhalb eines halben Tages entstanden.

Improvisieren Sie denn manchmal auch?
Ich bewundere Leute wie Knackeboul, die das können. Ich traue mich nicht, bei den Texten zu improvisieren. Was ich aber mache, ist, zwischen den Beiträgen kabarettmässig aufs Publikum einzugehen. So wird auch bei mir jeder Auftritt wieder anders.

Sind Sie denn auch Kabarettist?
Ja, ich habe früher Kabaretts gespielt. So hat alles bei mir angefangen. Irgendwann hat aber mein damaliger Partner aufgehört, und so funktionierte unser Konzept nicht mehr. Ich hab dann ein Solo-Programm geschrieben, das hat mir aber nicht gefallen.

Wie kamen Sie auf die Idee, mit Poetry Slam anzufangen?
Ich besuchte einen Anlass. Da bin ich dann aufgetreten, und es hat mir super gefallen. Ich spürte sofort, dass dies das Richtige ist. Poerty Slam und Kabarett lässt sich problemlos miteinander verbinden.

Haben Sie noch nie danebengegriffen?
Doch, damals beim Kabarett-Duo ist das wirklich mal passiert, in Paderborn in Deutschland. Wir gaben Vollgas, und das Publikum blieb einfach stumm. Danach hat uns auch die Presse komplett verrissen.

Dann haben Sie das Programm geändert?
Nein, denn an anderen Orten funktioierte es gut. Manchmal passt es einfach nicht, da kann man nicht viel machen.

Haben Sie noch Angst vor solchen Reaktionen? Nun stehen Sie ja alleine auf der Bühne...
Nein, ich denke, ich habe noch mehr dazugelernt. Zudem hat mein aktuelles Programm «Dichtschädel» viel gute Kritik eingeheimst.

Sie sind zweifelsohne ein guter Wortakrobat. Ist Diskutieren mit Ihnen schwierig? Können Sie dank Ihrer Fähigkeit sprachlich andere zu Boden argumentieren?
Ich könnte das, wenn ich wollen würde. (lacht) Besonders als ich noch jünger war - also zu Gymi-Zeiten - nutzte ich das manchmal aus.

Weitere Artikel der Rubrik «Entdeckt» finden Sie im SI-online-Dossier.

Auch interessant