Entdeckt Jung-Autorin Linda Solanki: «Ich lebe im Hier und Jetzt»

Es geht um Sex, Drogen, Geld und Zürichs gelangweilte Jeunesse dorée. Dabei zeichnet Linda Solanki in ihrem Debüt-Roman «Dem See entlang Richtung verlorene Jugend» ein authentisches Bild vier junger Menschen, die alles und doch nichts haben. Mit uns spricht die 23-Jährige über ihren kometenhaften Start als Autorin, ihr misslungenes Date mit einem Schnösel der unangenehmeren Sorte und ihre Zukunft - vielleicht als «Uni-Oma».

Dass Linda Solanki in den betuchteren Kreisen ein gern gesehener Gast ist, leuchtet beim Anblick der 23-Jährigen ein. Ihre Gesichtszüge wirken aristokratisch, ihre Haut ist so rein wie ihr Blick. Mit ihrer schlanken, gross gewachsenen Figur passt sie sowohl in Haute-Couture als auch auf jedes gesellschaftliche Parkett. Genau dort hat sich die Zürcherin auch die Idee für ihr Buch geholt. In «Dem See entlang Richtung verlorene Jugend» geht es um Goldküsten-Kids, die mit vollen Händen das Geld ihrer schwerreichen Eltern ausgeben. Natürlich ohne Rücksicht auf Verluste.

«Die Idee für mein Buch ist mir vor einem Jahr gekommen. Damals war ich grad auf dem Weg nach New York, um eine Freundin besuchen», erzählt die Jung-Autorin im Interview mit SI online. Da sie zu den Menschen gehöre, die alles immer sofort machen wollen und von einer gewissen Ungeduld getrieben werden, schmeisst sie nach der Rückkehr ihr Studium - setzt alles auf eine Karte. Volles Risiko. «Lieber versuche ich etwas und falle dabei auf die Nase anstatt irgendwann zu bereuen, diesen Schritt nicht gewagt zu haben. Auch wenn ich ganz genau wusste, Autorin zu sein ist unvernünftig», sagt Linda. Es gibt schliesslich viel mehr Schriftsteller als Bücher, weiss sie. Ihr Jus-Studium sei sowie eine reine Vernunftsentscheidung gewesen. «Ich war gelangweilt und habe während der Vorlesung immer nebenbei irgendwelche Texte geschrieben.» 

VON DER IDEE ZUM BUCH IN SECHS WOCHEN
Lindas Eltern sind betreffend dem Entschluss, das Studium aufzugeben, geteilter Meinung. «Meine Mutter hat mich zwar unterstützt, mir aber gleichzeitig klar gemacht, dass ich von dem Moment an mein Geld selbst verdienen müsse. Sie fand es jedoch gut, dass ich das tue, was ich will.» Ihr Vater, Astrophysiker von Berufhätte sich da eher schwer getan. «Er ist in dieser Hinsicht viel traditioneller. Auch weil er weiss, wie schwierig es ist, als Schriftstellerin Fuss zu fassen.» Dass Lindas Buch innert sechs Wochen geschrieben ist und Anklang findet, freut nebst der Autorin natürlich auch deren Vater. «Ich habe etwa 15 Manuskripte verschickt und bei ‹Schwarzkopf & Schwarzkopf› das Buch online eingereicht.» Der Berliner Verlag, der bewusst die Nähe zur Jugendszene sucht, hat ihr sofort zugesagt. In der Schweiz ist der Roman seit drei Wochen auf dem Markt, in Zürich war das Buch sogar kurzzeitig vergriffen. «Letzte Woche war es noch auf Platz 15. Damit hätte ich doch im Leben nie gerechnet.» 

Irgendwann kennt man den Türsteher oder steht auf der Gästeliste

Ihre Geschichte um eine Goldküsten-Clique sei in zwei Punkten autobiografisch. Linda verkehrt in denselben Kreisen wie Protagonistin Micha und hat wie die Zuzüglerin die Uni geschmissen. Die will dazu gehören, ein Stück vom grossen Kuchen abhaben. Auch Linda umgibt sich seit ihrem 17. Lebensjahr immer mal wieder mit den Kindern der Schönen und Reichen. Doch dürfe man nicht alle in eine Schublade stecken: «Es gibt viele, die trotz des Luxus' normal aufgewachsen sind.» Da sie dem Mittelstand entspringt, spielt sie finanziell in einer ganz anderen Liga. Und profitiert dennoch seit ihrem 17. Lebensjahr vom Netzwerk der obereren Zehntausend. «Ich bin in Zürich so oft an Partys, da ist es schwer, solche Leute nicht zu treffen.» Ausserdem kenne man irgendwann den Türsteher oder stehe auf einer Gästeliste. Getrunken würde dann einfach vor dem Clubbesuch, das komme billiger, sagt die junge Schriftstellerin und lacht. 

UNDERSTATEMENT? JA! DEKADENZ? NEIN!
Linda Solankis Einstellung zum Leben ist - trotz des Einflusses ihrer Freunde - gesund geblieben. Mit gewissen dekadenten Zügen kann und will sie sich bis heute nicht arrangieren. «Ich war mal mit einem Jungen aus, der mich in ein Restaurant eingeladen hat. Als ich Spaghetti Napoli bestellte, fragte er empört: ‹Gehts noch?›. Seiner Meinung nach hätte ich was Teures nehmen sollen.» Das, und seine mit dicken Scheinen gefüllte Geldklammer, hätten ihr abgelöscht. Zu einem weiteren Treffen sei es deshalb auch nicht gekommen. 

Die ehemalige Sex-Kolumnistin von «Westnetzt» weiss, was sie in Bezug auf Männer will und was eben nicht. Nur, wenn es um die Zukunft geht, ist sie noch unschlüssig. Natürlich möchte sie an ihren Erfolg anknüpfen, ein weiteres Buch schreiben und irgendwann sogar davon leben. «Aber der Druck ist nun sehr gross.» Sie könne sich irgendwann auch vorstellen, wieder zu studieren. «Englisch, Geschichte oder Philosophie wäre was», schwärmt die Bloggerin. Bis sie sich festlegt, könnte es aber noch dauern. Linda lebt im Hier und Jetzt. Momentan ist sie ganz glücklich mit ihrer 60-Prozent-Stelle als People-Redaktorin bei Bluewin sowie ihrem Job als freie Journalistin und Autorin. Und wer weiss, «vielleicht werde ich irgendwann zur Uni-Oma, die den Jungen den Studienplatz klaut», sagt sie lachend. Und ist dabei so herrlich normal, wie es Mädchen in dem Alter einfach sind.

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