Entdeckt Tobey Lucas - mit seinen Songs erzählt er Geschichten

Er sang schon im Ovomaltine-Werbespot und eröffnete eine Show der britischen Sängerin Amy Macdonald. Zu seinem 30. Geburtstag schenkte sich Tobey Lucas nun sein erstes Soloalbum - eine Countryplatte. Der Zürcher Musiker übers Geschichten erzählen, unfaire Gagen und gescheiterte Beziehungen.  
Tobey Lucas
© Raja Läubli

Tobey Lucas daheim in seiner Stadtwohnung in Zürich. In diesem Zimmer schreibt der Single auch seine Songs.

Tobey Lucas ist Vollblutmusiker und studierter Psychologe. Mit seiner Indie-Rock Band «Jesh» tourte er schon durch Kanada. Pünktlich zu seinem 30. Geburtstag brachte der Zürcher Musiker nun sein erstes Soloalbum heraus: eine Countryplatte mit dem Namen «83». Auf die Idee für das kreative Geburtstagsgeschenk kam Lucas ein Jahr zuvor - wie es sich für einen Musiker gehört - bei einer feuchtfröhlichen Party. Das Jahr ist nun Geschichte und das Album auf dem Markt. Im Januar folgt der Video Dreh für seinen Song «Travellin' Thru» sowie Konzerte im In- und Ausland.

SI online: Sie haben sich zu Ihrem 30. Geburtstag ein eigenes Album geschenkt. Ist das nicht übertrieben?
Tobey Lucas: (lacht) Doch natürlich. Es ist komplett übertrieben. Ich setze mich damit ja auch selber ziemlich in Szene. Früher habe ich das nie gemacht. Da war ich einfach nur in einer Band, die einen Namen hatte, aber nicht meinen...

Ihr Album «83» ist eine Countryplatte. Wie identifizieren Sie sich mit diesem Genre?
Jeder Countrysong erzählt eine Geschichte. Da gibt es immer einen Anfang, dann irgendeine Handlung, einen unerwarteten Dreh und ein Ende. Countrysongs sind Geschichten. Und ich habe einfach ernorm gerne Geschichten.

Erzählt nicht jeder Song eine Geschichte?
Nein. Viele Songs versuchen dir eine Meinung aufzudrängen. Oder Ratschläge zu geben. Von denen gibt es wahnsinnig viele. Mach dein Ding und so. Und dann gibt es eben die Songs, die Geschichten erzählen.

Sie haben mal gesagt, dass Sie keine Lust mehr habe, in schmuddeligen Bars zu spielen. Sind Sie sich zu gut dafür?
Nein, gar nicht. Ich spiele ja noch immer in kleinen, schmuddeligen Bars. Erstens, weil mir gar nichts anderes übrig bleibt. Und zweitens, weil es Spass macht. Es hat viele verschiedene Faktoren, die es zu beachten gilt. Wird es ein toller Abend? Ist die Hütte eh schon voll? Gibt es eine gute Gage? Gutes Catering? Ich finde es eher arrogant, wenn die andere Seite glaubt, sie biete dem Musiker eine Plattform. Das stimmt nicht und ist unfair. Genau solche Dinge mache ich nicht mehr. Es muss eine ordentliche Gage her, die meinem Aufwand gerecht wird.

Haben Sie ein konkretes Beispiel für die angesprochene Arroganz?
Stellen Sie sich einen Barbesitzer vor, der mir seine Bar als Bühne anbeitet. «Schau, ich hab da eine freie Ecke, spiel doch mal da. Dann sehen dich mal ein paar Leute.» Dann frage ich zuerst, wie lange ich denn spielen soll. Für eine Stunde brauche ich schon einen gewissen Betrag. Ich habe ja auch Vorbereitungszeit.

Warum haben Sie eigentlich keine Freundin?
Keine Ahnung.

Angst vor Ablenkung?
Schon möglich. Ich brauche immer viel Platz in meinem Kopf. Ich habe noch nie eine Frau kennengelernt, die mir diesen Platz geben konnte. Aber vielleicht liegt es auch an mir, weil ich ja die einzige Konstante in der sich immer wiederholenden Situation bin. (Lacht.) Ich bin wohl zu sehr mit mir selbst beschäftigt.

Sind Sie für Frauen attraktiver, weil Sie Musiker sind?
Ja, sicher.

Das heisst, Sie haben unzählige kreischende Groupies und erhalten unmoralische Angebote?
Nein, nicht wirklich. Aber es ist halt so: Frauen stehen auf Musiker. Es ist wohl faszinierend für sie, weil es nicht gerade was Alltägliches ist. Frauen merken, dass man voll in der Musik aufgeht, und finden das inspirierend. Aber das liegt ja nicht an mir selbst, sondern an der Sache.

Aber es ist schon gut fürs Ego.
Ja. Aber wenn ich bei meiner bescheidenen Musikkarriere Bilanz ziehen würde, was alles gut und schlecht ist fürs Ego, dann ist es mindestens halbe-halbe. Man muss ziemlich viel einstecken.

Zum Beispiel?
Wenn an einem Konzert nur 50 Leute auftauchen, ist das sicher schlecht fürs Ego. Es gibt immer zwei Seiten.

Gab es schon Momente, in denen Sie alles hinschmeissen wollten?
Nein, noch nie.

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