Diego Benaglio Es läuft und läuft und läuft ...

Wie der gute alte Käfer! In der VW-Stadt Wolfsburg ist Meister-Goalie Diego Benaglio Inbegriff der Verlässlichkeit - getreu dem legendären Werbeslogan für das Kultmobil. Auch privat läufts mit seiner Verlobten Nadin rundum perfekt.

Irgendwann überkommts Nadin doch noch. Geduldig hat die 26-jährige Aargauerin beim Interview ihres Verlobten zugehört. Nun gähnt sie herzhaft. «Was ist los?! Rede ich so langweilig?», fragt Diego Benaglio, 25, seinen Schatz mit gespielter Empörung. Sie lachen. Man spürt: Dieses Paar ist schwer verliebt, nach neun Jahren immer noch.

Aber auch schwer normal! Ihr Zuhause in der VW-Stadt Wolfsburg: eine Doppelhaushälfte im bürgerlichen Stadtteil Kästorf. Ihr Lieblingsrestaurant: das «Casa Antigua» um die Ecke. Ihre Hobbys: Kino, Essen gehen, Freunde treffen. Im Sommer sitzen sie gern gemütlich im Strandcafé am Allersee. Oft trifft man sich mit dem zweiten Schweizer Goalie beim VfL, dem 21-jährigen Marwin Hitz, und dessen Freundin Cayetana.

Und wenn Diego mal länger als einen Tag trainingsfrei hat, dann bucht das Paar spontan im Internet ein Hotelzimmer («Praktisch gelegen muss es sein») und fährt mit dem ICE in 50 Minuten nach Berlin, um die Hauptstadt zu erkunden. Der Dienstwagen – ein silberner VW Touareg – bleibt dann in der Garage. Im Designer-Outlet in Wolfsburg war Diego erst einmal: «In meiner Grösse hat es da ohnehin kaum etwas Brauchbares», sagt der 1,94-Meter-Hüne.

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Generell liebts Benaglio sowieso bescheiden. Daran hat sich nichts geändert, seit er im Januar 2008 von Madeira nach Norddeutschland wechselte und einen Monat später Pascal Zuberbühler als Nummer 1 in der Fussball-Nati abgelöst hat. Vor rund drei Monaten wurde er sensationell deutscher Meister mit dem VW-Verein. «Die Feier war gigantisch, aber schnell abgehakt», sagt Diego pragmatisch. Denn es läuft und läuft und läuft – wie im legendären Werbeslogan für das VW-Kultmobil.

Am vergangenen Freitag starteten die Wolfsburger nun als Gejagte in die neue Bundesliga-Saison. Das x:x im Startspiel in der Volkswagen-Arena gegen den VfB Stuttgart wirft den Goalie nicht aus der Bahn. Er ist überzeugt: «Von der Titelverteidigung zu sprechen, wäre sowieso vermessen. ­Favorit sind die Bayern – wie jedes Jahr!» Wie ein Kind freut sich Benaglio indessen auf das Abenteuer Champions League, das Mitte September beginnt.

Die zweite grosse Herausforderung in diesem Herbst für den gebürtigen Aargauer: die Qualifikation für die Fussball-WM 2010 in Südafrika. Mit dem Freundschaftsspiel gegen Italien am Mittwoch in Basel wird die entscheidende Phase eingeläutet. Wegweisend wird die EM-Qualifikationspartie am 5. September gegen Tabellenführer Griechenland sein: «Als Gruppenzweite haben wir eine gute Ausgangslage. Ich bin überzeugt, dass wir uns für die Endrunde qualifizieren», sagt Diego.

«Auf meiner neusten Tätowierung ist noch Platz für die Namen unserer Kinder»

Die Kehrseite des Erfolgs: Nadin sieht ihren Verlobten immer seltener. Zum Glück sei sie jedoch eine Frau, die sich sehr gut selber beschäftigen könne, freut sich der Torhüter. Wenn er weg ist, lernt Nadin für ihr Fernstudium. Nachdem sie ein BWL-Studium aufgegeben hatte («Es war einfach zu schwierig, mir das selber beizubringen»), hat sie nun einen Lehrgang als Ernährungsberaterin an einer Fern-Uni begonnen. Sie macht dies «in erster Linie für mich und Diego: Als Spitzensportler muss man auf die Ernährung achten, weil sich das auf die Leistung auswirkt.»

Seit einiger Zeit arbeitet Nadin, die ihren Freund seit sieben Jahren im Ausland (Stuttgart, Madeira, Wolfsburg) begleitet, auch wieder: Sie unterstützt die Inhaberin eines Wolfsburger Fitness-Studios, in dem sie auch selber ihre perfekte Figur in Schuss hält. «Ich kann mir gut vorstellen, dass ich später als Ernährungsberaterin arbeite», sagt Nadin. Sie ist überzeugt, dass es diesen Beruf braucht: «Man muss sich nur die Jugend in Deutschland anschauen …»

Apropos Nachwuchs: Der ist bei Diego und Nadin natürlich auch geplant. Irgendwann. Wie genau Diego vorauskalkuliert, davon zeugt seit letztem Winter sein «Glücks-Tattoo» auf dem linken Unterarm: «Auf den zwei Bannern ist noch Platz für die Namen unserer Kinder.»

Zur geplanten Hochzeit lässt sich das schöne Paar aber nicht viel entlocken. Einen Termin gebe es nicht, beteuern sie. Warum nicht am 23. Oktober 2010? Genau zehn Jahre, nachdem sich Diego und Nadin auf der Geburtstagsfeier einer gemeinsamen Freundin ineinander verliebt hatten. Diego Benaglio schmunzelt. «Wir werden es mitteilen – wenn es dann passiert ist.»

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