Didier Burkhalter Es lebe der neue Magistrat!

Neuenburg feiert seinen neuen Bundesrat. Didier Burkhalter beschert den Kindern schulfrei und sorgt in der Stadt für einen Massenauflauf.

Das Winken haben die beiden bereits bestens drauf. Majestätisch, mit kleinen Bewegungen, gegen alle Seiten hin lächelnd. Sie strahlt, er gibt sich staatsmännisch - zusammen sind sie der Mittelpunkt des glamourösesten Volksfests, das Neuenburg seit Langem gesehen hat. Didier Burkhalter, 49, und seine Frau Friedrun Sabine, 42, werden in ihrer Heimatstadt empfangen wie ein Königspaar. ­Begleitet von Bravo-Rufen und Applaus, marschieren sie in einem Umzug die Avenue du 1er Mars hinauf bis zur Eis­halle Littoral.

Der neue FDP-Innenminister schüttelt Hände, lässt sich umarmen und meint ausgelassen: «Heute würde ich am liebsten mit jedem Winzer aus dem Kanton ein Gläschen trinken.»

Was ist das ideale Geschenk für einen neuen Bundesrat? Mit dieser Frage beschäftigten sich die kommunalen und kantonalen Behörden von Neuenburg - schliesslich soll Didier Burkhalter etwas Anständiges aus seiner Heimat auf den politischen Weg nach Bern mit­nehmen. Der Gabentisch ist bis am Ende des Abends reich gedeckt: Wein, eine Flasche Absinth, Wein, ein Gemälde, Wein - und einer wagt sich gar, mit leeren Händen zu kommen.

Noch-Bundesrat Pascal Couchepin meint augenzwinkernd: «Von mir bekommst du, lieber Didier, schliesslich Ende Oktober ein ganzes Departement.» Der Walliser gibt sich nicht mit Kleinkram ab. Und auch von der Grösse der Neuenburger Weinberge zeigt er sich kaum beeindruckt: «Ihr habt 1700 Hektar Reben? Wir im Wallis haben 5000!»

Die Familie weicht nicht von der Seite des neuen Bundesrats.
Mit seiner Frau hält Burkhalter Händchen, küsst sie innig beim Apéro, führt sie am Arm durch die 1200 Festgäste. Friedrun Sabine trägt ein klassisch schönes schwarzes Kleid, dazu eine rote Sonnenbrille von Dior. Auch die drei Söhne Loïc, 21, Nathaniel, 19, und Adrien, 17, haben sich in Schale geworfen und scheinen sich mittlerweile bereits an den Wirbel gewöhnt zu haben.

Neuenburg ist stolz auf seinen neunten Bundesrat in der Geschichte. Andere sehen diese Fülle an Magistraten aus dem Westschweizer Kanton als Mysterium: «Die Neuenburger machen nur 2,2 Prozent der Schweizer Bevöl­kerung aus, stellten bisher aber über 8 Prozent der Bundesräte - das lässt sich kaum erklären», witzelt Couchepin. So wird die Wahl denn auch allseits als ­«historischer Moment» festgehalten.

Das magistrale Fest hat alles, was eine gute Feier ausmacht. Ein VIP-Zug aus Bern mit Polit-Prominenz, eine Schifffahrt mit der «Fribourg» auf dem Neuenburgersee, eine Parade durch die Stadt, Apéros und Häppchen, Ansprachen - und natürlich ein Buffet mit lokalen Spezialitäten: Risotto mit Eierschwämmli und Mauler-Schaumwein (aus der Region), Wurstspezia­li­täten mit Lauch an Rahmsauce, Fisch aus dem Neuenburgersee mit haus­gemachter Zitronen-Tartarsauce. Dazu edle Tropfen aus dem Staatskeller - von Champréveyres (2008) über Œil-de-Perdrix (2008) bis hin zu Pinot Noir (2005).

Bundesrat Didier Burkhalter kommt allerdings kaum zu Speis und Trank. Ihm steht an diesem Tag nämlich eine ganz besondere Ehre zu. Der Fussball-Fan darf den Match Neuenburg Xamax gegen Bellinzona im Stadion La Maladière eröffnen. Von seinem Heimteam schwärmt er: «Die Mannschaft hat Herz und Potenzial.» Die bundesrätliche Unterstützung scheint zu nützen - die Neuenburger gewinnen 4:1 und versetzen die Stadt zum zweiten Mal an diesem Tag in einen Siegesrausch.

Auch interessant