Twitter Experte erklärt das Zwitschern der Vögelchen

Seit sechs Jahren verführt die Social-Media-Plattform Politiker, Musiker, Schauspieler oder Normalos dazu, ihr Leben zu offenbaren. Werbung, Urlaubfotos, Nachrichten oder Familienfeden - auf Twitter landet so einiges. In den USA konnte sich der Trend um die 140 Zeichen längst etablieren, in der Schweiz ist das Twittern noch nicht ganz angekommen. Im Interview mit Social-Media-Experte Thomas Brühwiler erfahren Sie mehr über die Vor- und Nachteile von Twitter.

Das Schweizer «Urgestein» der Blogging-Szene, Thomas Brühwiler (@bloggingtom), ist seit 1950 Tagen aktives Mitglied der Twitter-Community. Als Kommunikations-Leiter beschäftigt er sich tagtäglich mit Social-Media-Plattformen. Was Twitter so besonders macht, erzählt er im Interview mit SI online.

SI online: Was kann Twitter, was Facebook nicht kann?
Tom Brühwiler: Twitter ist meist schneller und aktueller. Eine Nachricht kann sich in Windeseile verbreiten. Als der Batman-Amoklauf losging, kamen bereits erste Meldungen via Twitter rein. Erst später war es in den Nachrichten.

Für wen ist Twitter gedacht?
Für jeden, der einen Internetzugang hat! Leute mit einem hohen Mitteilungsbedürfnis lieben Twitter. Doch im Grunde ist es wie ihm wahren Leben. Man trifft sich auf ein Bier. Über Twitter geht das so: Bild von einem Bier hochladen und dazu etwas schreiben. Man kann ja virtuell kommunizieren.

Warum ist Twitter bei Schweizern weit weniger beliebt als Facebook?
Bei der Allgemeinheit ist Twitter noch nicht angekommen. Aber ich denke, die Schweiz braucht meistens zwei bis drei Jahre länger. Vielleicht können sich die Schweizer auch nicht in 140 Zeichen ausdrücken. Obwohl, es gibt viele aktive Schweizer Twitterer.

Wie wirkt sich das Twittern auf den persönlichen Ruf aus?
Das hängt natürlich davon ab, was man schreibt. Aber es ist durchaus möglich, dass man sich mithilfe von Twitter einen Namen als Experte aufbauen kann. Aber auch das Gegenteil ist möglich: Mit schlecht überlegten Tweets leidet der Ruf.

Worauf muss man achten, wenn man als Privatperson twittert? Stichwort Datenschutz.
Man sollte sich jeden Tweet zweimal überlegen. Auf Twitter kann man zwar Tweets löschen, aber über Google sind sie oftmals wieder auffindbar. Selbst ein geschütztes Profil ist nicht sicher vor Datenraub.

Ist es sinnvoll Twitter als Werbefläche zu nutzen?
Auf jeden Fall. Stars können so ihre Fans abholen. Nur ist es nicht immer ersichtlich, ob eine PR-Agentur dahinter steckt, oder der Prominente selber.

Sollten Zeitungen und andere Medien auf Twitter aktiv sein?
Heutzutage ist das sehr wichtig. Zeitungen zählen oftmals auf die Einwegkommunikation. Das heisst, sie lassen Informationen raus, eben über Twitter, aber antworten ihren Lesern nicht. Das finde ich schlimm. Das wäre genau die Plattform, auf der Zeitungen mit ihren Lesern in Kontakt treten könnten.

Wie hat sich Ihr Verhalten verändert, seit Sie Twitter nutzen?
Bewusst hat sich mein Verhalten nicht verändert. Klar, ich twittere Fotos, die ich früher in mein privates Fotoalbum geklebt hätte. Mittlerweile bin ich ziemlich süchtig danach, mein Handy halte ich definitiv öfters in den Händen als früher.

Das Beste, das Ihnen auf Twitter passiert ist?
Als ich für «10vor10» mit Abt Martin vor der Kamera stand, um ihm Twitter zu erklären, gab das Anlass zur Diskussion. Nicht wegen des Beitrags an und für sich, vielmehr ging es auf Twitter um meinen eher unglücklich gewählten Pullover. Ich beschloss, den «Kultpulli» auf eBay zu versteigern. Und fand tatsächlich einen Käufer. Währenddessen starteten meine Twitter-Freunde einen Spenden-Aufruf, damit ich zu einem neuen Pullover kam. Es hat geklappt.

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