«Tatort» Fahri Yardim: Der heimliche Star neben Schweiger

Das Debüt von Til Schweiger als «Tatort»-Kommissar war für viele Krimifans ein echtes Highlight. Zwölfeinhalb Millionen Zuschauer liessen sich am Sonntagabend den Einstand von Ermittler Nick Tschiller nicht entgehen. Doch während dieser mehrheitlich mit der Waffe rumballerte, ermittelte sein Teamkollege Yalcin Gümer auf subtilere Art und Weise: mit Nachthemd, Knopf im Ohr und Schalk in den Augen.

Das erste Wort von Til Schweiger, 49, alias «Tatort»-Kommissar Nick Tschiller ist «Fuck». Es folgen unmittelbar drei Leichen und zwei weitere F-Wörter in der ersten halben Stunde. Während es der neue Kommissar bei seinem Einstand mächtig krachen lässt, liegt sein Kollege Yalcin Gümer (gespielt von Fahri Yardim) mit zerschossener Kniescheibe im Krankenhaus. Doch das hindert ihn nicht daran, seinen Partner tatkräftig zu unterstützen. Und dabei macht dieser sogar im Krankenhaushemd eine fast bessere Figur als der eigentliche Star, der mit etwas gar viel Selbstinszenierung ans Werk geht. Mit viel Witz, Pfiff und einem Laptop lotst der Technik-Freak Nick Tschiller durch den Kiez und erweist ihm damit einen grossen Dienst an der Verbrecherfront. Selbst für einen Flirt mit der Krankenschwester findet der Multitasking-Ermittler noch genügend Zeit.

Fahri Yardim, 32, ist in der deutschen Filmlandschaft kein Unbekannter. Der in Hamburg geborene Türke spielte vor dem «Tatort» schon in «Männerherzen», «Keinohrhasen» und «Kokowääh» an der Seite von Frauenschwarm Til Schweiger. Seitdem und vor allem seit seinem Schauspiel-Debüt in «Kebab Connection» gilt er als Lach-Garant in deutschen Filmkomödien. Mit seinem Lausbubengrinsen und seinem ungekünstelten Charme spielt er sich mühelos in die Herzen der Zuschauer. Erste Schauspielerfahrungen sammelt er während seiner Schulzeit, einen bleibenden Eindruck hinterlässt er sowohl beim weiblichen Geschlecht als auch bei seinen Lehrern. Die fördern den Deutsch-Türken und suchen ihm sogar eine Schauspielschule. Er absolviert seinen Ausbildung beim Hamburger Bühnenstudio der darstellenden Künste und folgt vor zwei Jahren dem Ruf nach Berlin. «Um herauszubekommen, wer ich noch bin, wenn ich raus bin aus den vertrauten Gefilden», sagt er gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Dass ihm seine Rolle an der Seite von Til Schweiger in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine noch grössere Bekanntheit verschafft, ist ihm bewusst. Schon zuvor wurde er auf der Strasse erkannt, wie er im «Promiflash»-Interview zugibt: «Ich hatte aber das Glück, sehr absurde und bunte Rollen zu spielen mit Perücken und besondere Kostüme zu tragen, die entfernt von mir waren. Dadurch habe ich nicht so einen klaren Wiedererkennungswert. Das sind Vorzüge, aber das wird sich mit dem ‹Tatort› sicher ändern.» 

Seine Berufung zum Kommissar empfindet Fahri Yardim als grosse Ehre: «Ich habe nicht eine Sekunde gezögert, sondern sofort den Luftsprung angesetzt», erzählt er gegenüber News.de. Dass die Neubesetzung des Hamburger «Tatort»-Teams einen solchen Rummel auslöse, habe er allerdings nicht erwartet. «Da musste ich dabei sein, um zu verstehen, dass das jede Verhältnismässigkeit verlässt. Es gibt Momente, da lacht man darüber und denkt sich: ‹Was ist denn hier los?› Dann gibt es wieder Tage, da frage ich mich, ob es denn nichts Wichtigeres zu besprechen gibt als Tils Rollenname.» Der sorgte nämlich im Vorfeld - wie auch sein Plan, den Kult-Vorspann abzuschaffen - für grosse Aufregung. 

Mit seiner Rolle in der erfolgreichsten Krimi-Reihe des deutschen Fernsehens steigt Fahri Yardim endgültig in die Topliga der deutschen Schauspieler auf. Ende des Jahres ist er in der Verfilmung von «Der Medicus» an der Seite von Ben Kingsley zu sehen. Ausserdem ist eine Fortsetzung der Kinokomödie «Mann tut, was Mann kann» geplant. Natürlich wieder mit ihm in einer Hauptrolle, diesmal aber ohne Nachthemd.

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