Kinder, Küche, Karriere «Frauen wollen ganzes Repertoire»

People-Expertin Eva Kohlrusch ist «Bunte»-Kolumnistin und eine der profiliertesten Society-Journalistinnen. Ihr Kommentar zu den Wahlmöglichkeiten, die Frauen für ihren Lebensentwurf tatsächlich offenstehen.
Society-Journalistin Eva Kohlrusch.
Society-Journalistin Eva Kohlrusch.

Das gibt es immer noch: Die grenzenlose Verschiedenheit von Männer- und Frauenleben. Und wie wir in den letzten Wochen erlebten, schrillen Verwünschungen durchs Land, wenn eine Top-Managerin es wagt, beide Lebenswelten in Anspruch zu nehmen. Welche Art Verunsicherung macht sich da breit, wenn plötzlich wieder die «gottgewollte» Rolle der Mutter eingeklagt wird, beileibe nicht aber der «gottgewollte» Vater? Aus welchen Tiefen stammt die Angriffswut des «Weltwoche»-Chefredaktors Roger Koppel, der ABB-Chefm Jasmin Staiblin bezichtigte, erst ihren Betrieb im Stich zu lassen, dann ihr Baby, weil sie «mitten in der grossen Rezession» in Mutterschaftsurlaub gehe. Eine doppelte Rabenmutter? So lächerlich es klingt, einem Konzern nicht zuzutrauen, Brsatzpersonal zu haben - Koppels Diffamierungen sind grundsätzlicher: Frauen wären «dazu übergegangen, ihre Kinder so schnell wie möglich abzuschieben».

Da haben wirs: Wir müssen bei null anfangen mit der Diskussion. Immer noch und immer wieder. Beginnen wir mit dem, was in dieser Reportage über sehr verschiedene Lebensentwürfe deutlich wird: Frauen können etwas, was Männer noch gar nicht erproben - zwischen verschiedenen Rollen switchen und sie gleichrangig vermengen. Das heisst, Frauen wollen das ganze Repertoire. Sich als Mütter so wichtig nehmen wie als Berufsfrauen. Alle Talente ausschöpfen, alle Erfahrungswelten. Damit tun sie etwas, das Männern lästig, wenn nicht bedrohlich erscheint: Sie trachten danach, die Spaltung von Berufs- und Familienleben zu überwinden; endlich gleicher Rang fürs «Drinnen» und «Draussen».

Das ist zwar absolut folgerichtig: Wir hatten ja gleiche Rechte für Männer und Frauen proklamiert. Aber es bringt mit sich, dass Männer nicht mehr an ihre Frauen delegieren können, was sie selbst nicht tun wollen oder können - vom Gefühlsleben bis zur Hausarbeit. Irritiert sehen Männer ihr wichtigstes gewohntes Gefüge zusammenbrechen, müssten sie fifty-fifty Vater und Berufsmensch sein. Haben ja eingeübt, sich ganz auf den Beruf zu konzentrieren. Alltagswelt ausgeblendet. Volle Konzentration auf die Regeln der Hierarchien und Produktionsabläufe. Sachlich, sachlich! Kaum vorstellbar, dass Männer während ihrer Sitzungen darüber nachdenken, ob noch genug Brot im Haus ist oder die Kinder anzurufen seien.

Männerfurcht ist es, die Umwälzungen bremst. Darum ist auch «Vater» Staat so schwerfällig: Er ordnet nicht stringent, was zu ordnen wäre, wenn Frauen am Bruttosozialprodukt mitwirken, und der Mangel an väterlichen wie an staatlichen Kinderbetreuungsideen lässt Frauen mit schlechtem Gewissen zurück. Vieles ist noch zu regeln; u. a. wäre unaufgeregt darzulegen, dass es dem Kind nicht schadet, wenn jemand anderes als die Mutter Zeiten der Obhut übernimmt. Dem Baby ist die Fähigkeit zur Trennung angeboren; es braucht nicht die persönliche Mutter, sondern den Archetyp des Behütetseins. Das können auch Oma, Opa oder die Nanny sein. Oder - wie wunderbar und mit Sicherheit «gottgewollt» - auch die Väter.

 

Formen der Kinderbetreuung:

  • Krippe Vorteil: Professionelle Betreuung, Lernen und Spielen in der Gruppe. Nachteil: Betreuung an Randzeiten (vor 8 Uhr, nach 18 Uhr) oft nicht garantiert, je nachdem recht teuer (kantonale Krippen nach Einkommen; in der Regel CHF 80.- bis 120.-/Tag). Geeignet für: Babys ab 4 Monaten bis 5-Jährige, deren Eltern einen Teilzeit- und/oder flexiblen Job ausüben.
     
  • Tageseltern Vorteil: Flexibel, auch Betreuung zu Hause möglich (Kosten ca. CHF 6.-/Std. plus CHF 5.- pro Essen), Nachteil: in der Regel keine ausgebildeten Betreuer. Geeignet für: Eltern, die auf Flexibilität angewiesen sind.
      
  • Au-Pair Vorteil: (Fast) immer verfügbare Betreuung, Nachteil: meist sehr jung (18 bis 25 Jahre, Kosten: ab ca. CHF 1200.-/Monat). Geeignet für: Beruflich engagierte Eltern - mit einem freien Zimmer zu Hause.

Alle Infos über Kinderbetreuung auf www.liliput.ch

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