Gölä Gölä fägt immer mehr!

Er singt wieder Mundart! Klopft bald Sprüche bei «MusicStar». Ansonsten mags Gölä ruhiger als auch schon. Bei Bandproben im Toggenburg kann er sein, wer er ist: einfach der Marco Pfeuti.
Der Chef hat den kleinsten Schlag gewählt: Gölä in seinem neun Quadratmeter kleinen Zimmer in den Balik-Studios in Ebersol SG.
Der Chef hat den kleinsten Schlag gewählt: Gölä in seinem neun Quadratmeter kleinen Zimmer in den Balik-Studios in Ebersol SG.

Liebesbriefe kriege er heute keine mehr, sagt Gölä. «So doof sind meine Fans dann doch wieder nicht.» Dass sie den «Büezer der Nation» aber auch nach sieben Jahren Mundartrock-Abstinenz doch noch lieben, zeigt die Charts-Platzierung seiner aktuellen Single: «I ha di gärn» ist zurzeit auf Platz zwei der Hitparade.

Die dazugehörige CD «Z’ Läbe fägt» erscheint am 31. Oktober – un d gilt dank ellenlanger Vorbestellungsliste bereits als sicherer Anwärter für eine Platin-Auszeichnung.

Es war der Sommer 1998, der Marco Pfeutis Leben veränderte. Seine erste Platte «Uf u dervo» landete direkt in den Top Ten der Hitlisten. Die Schweiz sang den «Schwan», grölte den «Büetzer», summte «Keini Träne meh». Vier Jahre und noch zwei erfolgreiche Alben später entschied Gölä: «Ich singe künftig nur noch Englisch.» Und: Die ersten beiden Alben lagen in den Verkaufsregalen wie Blei.

Das dritte wurde zwar ein Hit – aber nur weil Gölä die Scheibe mit einem Best-of-Album seiner Mundartsongs koppelte. Den Impuls dazu gab sein Auftritt beim TV-Strassenfeger «Die grössten Schweizer Hits» im Dezember 2007. «Die Leute hatten so Freude, da hats mir wieder Spass gemacht, Mundart zu singen.»

«E Spange im Mu, e Brüue im Gsicht.» Gölä war auch ohne Zahnspange und Brille kein graues Entlein. Aber ein strahlend weisser Schwan wird aus dem Tattoo-übersäten Berner Oberländer wohl auch nie. Trotzdem hat sich seit dem letzten Mundart-Album «Gölä III» vor sieben Jahren eine Wandlung vollzogen.

Marco Pfeuti ist ruhiger geworden, fast ein bisschen philosophisch. Im abgelegensten Toggenburg probt er mit seiner Band für die beiden Konzerte im Dezember im Hallenstadion. Er wirkt nachdenklich, als er mit einem Glas Rotwein am Tisch sitzt. Sagt Sätze wie: «Der Zustand vom Jetzt ist die Summe vom Gestern.»

Göläs Gestern: kometenhafter Aufstieg zum nationalen Superstar, ein fast schon verkrampftes Sich-nicht-verbiegen-Wollen. Im Dauer-Clinch mit den Medien. Schmerzhafte Scheidung, Flucht nach Australien mit Sohn Mike.

Göläs Jetzt: Einem kühlen Bier noch immer nicht abgeneigt, dafür raucht er nicht mehr («fast nicht!»). Mit seiner Lebenspartnerin Sibylle Marti, 36, Redaktionsleiterin bei SF DRS, dem gemeinsamen Sohn Lenny, 5, und Mike, 12, aus erster Ehe lebt er im selbst umgebauten Bauernhaus am Thunersee. Wenn Sibylle arbeitet, sind die Buben beim Papi oder bei den Grosseltern.

Er sei ein strenger Vater, sagt Gölä. «Mit ‹drüber rede› kann ich nicht viel anfangen.» Und dass Kinder «anstrengend» seien, könne er nicht mehr hören: «Klar gehen sie mir auch ab und zu auf den Sack. Aber meine Söhne machen mich glücklich.» Den Haushalt macht er auch.

«Waschen, staubsaugen – aber das muss ja nicht die halbe Welt wissen. Und ich machs auch nur, wenn man mir nicht sagt, ich müsse!» Da blitzt er doch wieder hervor, der «alte» Gölä. «Mini» – wie Gölä die Frau an seiner Seite nennt – sei da ganz cool. «Die lässt sich von mir nicht einschüchtern.» Gut so.

Denn ein harmonisches Familienleben hat den ehemaligen «Elefanten im Porzellan- laden», wie Gölä über sich selbst sagt, ausgeglichener werden lassen. Nur heiraten, das will er nie mehr. «Einisch längt», findet er. Es gehe auch ohne.
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«Ha gäng mau chli Stoub uf dr Lunge, chli Dräck uf dr Zunge.» Ein Büezer ist er geblieben, der Pfeuti. Kaum war sein Bauernhof umgebaut, kaufte er sich ein zweites Haus in der Nähe. Das saniert er nun, und danach vermietet er es. «Ich muss wärche. Ohne das kann ich keine Musik machen.»

Wie viel «Dräck» er noch «uf dr Zunge» hat, zeigt sich spätestens ab Februar. Dann sitzt Gölä in der Jury der vierten Staffel von «MusicStar», wo er die Spreu vom Weizen trennen soll.

Für Ex-Jury- Rocker Chris von Rohr die richtige Wahl: «Gölä und ich haben drei Dinge gemeinsam: Wir lieben den rauchigen Rock?’n’?Roll. Wir sagen ungeschminkt, was Sache ist. Und bei uns gibts keinen Ich-wills-allen-recht-machen-Talk.

Nach der flauen letzten Staffel braucht ‹MusicStar› dringend frisches Blut.» Gölä selbst schiebt sein Engagement bei der Castingshow scherzhaft auf eine Midlife-Crisis. «Ich bin jetzt vierzig, und möchte mir später nicht vorwerfen, etwas nicht ausprobiert zu haben.»

Fürs Fernsehen war Gölä schon lange der Wunschkandidat. Der ehemalige «MusicStar»-Chef Toni Wachter «kam zu mir nach Hause und ging nicht eher weg, bis ich zugesagt hatte. Das dauerte so drei, vier Bier …»

Für den aktuellen «MusicStar»-Produzenten Sven Sarbach ist Gölä ein Glücksfall: «Er hat viel Erfahrung und ein Bauchgefühl, das ihm schnell sagt, wer das Rüstzeug hat, um später erfolgreich zu werden.

Wir sind überzeugt, dass Gölä die MusicStar-Jury ideal ergänzen wird.» Er habe sich aber nicht nur dazu entschlossen, jeden Sonntag ein paar Sprüche zu klopfen, sagt Gölä. «Ich war auch mal jung und wollte berühmt werden. Nach zehn Jahren im Showbusiness will ich den Kandidaten vermitteln, dass das knochenharte Büez ist. ‹MusicStar› ist eine Chance – nicht mehr und nicht weniger!» Eine, die Gölä mit 16 auch ergriffen hätte. «Inzwischen bin ich huere froh, hat mir mein Père damals verboten, die Stifti zu schmeissen.»

«Hetti Flügu zum Flüge, flug i mit de Vögu furt.» Das Fernweh ist geblieben. Was nach den beiden Hallenstadion-Konzerten kommt, weiss Gölä noch nicht. «So weit plane ich nicht voraus.»

Einen Traum hat er allerdings: «Eine Weltumsegelung.» «Uf u dervo» passt auch heute noch zu Gölä – genau wie der «Schwan» und der «Büetzer». Hinzu kommt jedoch eine Erkenntnis, die aus dem «alten» Gölä den «neuen» gemacht hat: «Z’ Läbe fägt!»


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