Fredy Bickel Hahn im Korb macht Meister

Was für ein süsses Doppelleben! Als Manager führt er den FC Zürich in die ­Champions League – zu Hause ist Fredy Bickel, 44, der Liebling fünf reizender Ladys und eines Lausbuben.

«Bickel & Co.» steht an der Tür­glocke. «Das stellt die Machtverhältnisse treffend dar», sagt Marlene Mollet Korbel, 44. «Fredy ist klar der Chef im Haus.» Sagts lachend, und schmiegt sich an ihren schmunzelnden Partner, während die Girls vielsagend ihre Augen verdrehen. Fredy der Chef? Hier regiert wohl eher weiblicher Charme denn männlicher Tatendrang.

Gelacht wird gerne und oft in der Patchwork-Familie Bickel / Mollet Korbel. Ein richtig fröhlicher Clan, der auf Anhieb zu verstehen gibt: Man mag sich. «Wir habens wunderbar getroffen, als wir vor zweieinhalb Jahren zusammengekommen sind», sagt der Fussball­manager.

Mit dem Champions-League-Start seines FCZ diese Woche gegen das grosse Real Madrid erlebt der Zürcher auch sportlich höchste Glücks­gefühle. Bickel & Co. verbringen zusammen ­Familienferien, spielen gemeinsam Eile mit Weile («und de Fredy bschiisst, wenn er am verlüüre isch», verrät ­Tonya), geniessen das Lümmeln auf dem Sofa.

Zwar sei er auch zu Hause irgendwie immer an der Arbeit. Und dass im TV ­jeder verfügbare Match laufe, sei schon eher nervig. Doch fragt man in die ­Runde, was denn den Privatmenschen Fredy auszeichne, so sprudelts aus den Mündern der jungen Frauen: «Er ist überhaupt nicht streng! Er kann lustig und ernst gleichzeitig sein! Er kann mit uns auch mal ein bisschen Kindskopf sein!» Alles sei cool an «Fredy», an «Papi», lautet das Urteil, das dem Erfolgsmanager die Rührung ins Gesicht treibt.

Sechstklässler Louis findet, ­Fredy sei der wahre Hahn im Korb. Und auch wenn die Girls protestieren und das Nesthäkchen sofort mit einer Knuddel-Attacke eindecken, glaubt mans gerne. Andererseits setzt sich Fredy Bickel nach Kräften dafür ein, dass die ­Mädchen und Louis möglichst oft mit Marlene und ihm zusammen sein können. Seine beiden Töchter begannen eben die Ausbildung als Fachfrau Gesundheit in Unterägeri und am Triemlispital, Tonya besucht das Gymi in Schwyz, und Leslie ist in Ausbildung als Köchin – im Spa und Panorama-Resort Feusisberg, wo auch die Fussballnati oft ihr Quartier hat. Dass Fredy Bickel den eher mühsamen Arbeitsweg von Sattel durch die Stadt an den Letzigraben auf sich nimmt, tut er auch, damit die Familie eine zentrale ­Basis hat.

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Dieses Gespür für die Menschen und ihr Zusammenleben ist in Bickels Beruf als Geschäftsführer des FCZ seine grösste Stärke. Seit er vor sechs Jahren angeheuert hat, gehts stetig aufwärts. Zwei Meistertitel und nun die Cham­pions League sind auch die Früchte ­seiner Arbeit. «Ich bin eine Art Brückenbauer, der die richtigen Leute in verschiedenen Teams zusammenwirken lässt.»

Fredy Bickels Arbeit beim FC Zürich ist so toll, dass sogar schon Bundesligist Hannover ernsthaft um seine Dienste warb. «Doch das war zu früh letzten Sommer. Ich wollte erst den ange­fangenen Weg zu Ende gehen. Wie es in einem Jahr aussieht, kann ich jetzt noch nicht sagen.» Ein logischer Karriereschritt als Abenteuer fern seiner geliebten Familie? Tochter Valeria kommen nur schon beim Gedanken die Tränen, und Fredy nimmt sie in den Arm. «Noch ist es ja nicht so weit!»

Fehlen würde im Hause Bickel & Co. sicherlich auch Fredys Gesang. «Er trällert ständig, am Morgen, im Auto und vor allem wenn sein FCZ gewonnen hat», verrät Lara. Kann ers denn? «Na ja, ­sagen wir so, er kann zumindest unglaublich viele Texte auswendig», sagt Marlene und lacht, «momoll, er singt je lauter, desto schöner.»

«Das Angebot von Hannover kam zu früh. Ich will erst den Weg beim FCZ zu Ende gehen»

Bickel ist ein Schlagerfan. In jungen Jahren half er dem späteren Schlagerstar Leonard, eine Tournee durch die damalige DDR auf die Beine zu stellen. Heute ist Leonard Valerias Götti. Doch aus der alten Jukebox in der Wohnung tönen noch öfter als Schlagermusik die Chansons von Edith Piaf. «Sie hab ich als Teenager in der Romandie erstmals gehört und bin seither fasziniert.» So fasziniert, dass Fredy zur Association des Amis d’Edith Piaf gehört und sicherlich schon zehn Mal an ihrem Grab in Paris war.

Sich Ziele setzen und geduldig bleiben – das kann Bickel auch privat wie kaum ein Zweiter! Als Achtjähriger machte Fredy Marlene einen Antrag, die wie er in Mettmenstetten ZH lebte. – «Doch ich wollte keinen Blonden mit blauen Augen.» Dann aber blieben sie immer in losem Kontakt, hatten praktisch gleichzeitig Kinder, trennten sich etwa zur gleichen Zeit von ihren Ehepartnern und fanden vor zweieinhalb Jahren endlich zusammen.

«Irgendwie schloss sich ein Kreis», sagt Marlene. «Wir haben sogar unsere ersten Kinder nach dem Film ‹Doktor Schiwago› benannt, ohne dass das der eine vom anderen wusste.» Marlene, zu 50 Prozent bei der Gemeinde Sattel angestellt, liebt an Fredy «die Ausgeglichenheit und Zuverlässigkeit».

Und sollte das FCZ-Fussballmärchen mit Punkten gegen Real, Milan und Marseille weitergehen, darf der Meistermacher zu Hause ruhig aus voller Kehle singen: «Non, je ne regrette rien!»


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