Boris Becker und Lilly Kerssenberg Hochzeitstrubel in St. Moritz

Ausnahmezustand im Engadiner Bergdorf! Die Trauung von Boris Becker und Lilly Kerssenberg schrammt haarscharf am Eklat vorbei. Prügelnde Bodyguards, entnervte Paparazzi; und mittendrin zwei, die sich ewige Liebe schwören.

Sieht so eine Traumhochzeit aus? Als Ex-Tennisidol Boris Becker, 41, am Samstagmittag mit seiner frisch Angetrauten Sharlely «Lilly» Becker, 32, nach der Zivilstandstrauung in St. Moritz an die strahlende Sonne tritt, gellen ihnen auf dem Vorplatz des Segantini-Museums Pfiffe und Buhrufe entgegen.

Im Kuppelsaal des Museums hatten Boris (grauer Nadelstreifen-Dreiteiler, silbergraue Krawatte) und seine Lilly (cremefarbener Ralph-Lauren-Hosen­anzug, bauchnabelfreies Gilet) kurz zuvor ihre standesamtliche Trauung vollzogen – im engeren Familienkreis. Unter anderem dabei: Beckers Söhne aus erster Ehe, Noah Gabriel, 15, Elias Balthasar, 9, Beckers Mutter Elvira, 73, seine Schwester Sabine sowie Lillys Grossmutter Esseline, 80, und Lillys Schwester Melissa.

«Schämt euch», schreit einer aus der Meute von rund 150 Fotografen und Schaulustigen. Der Grund für den Unmut ist blau und schützt normalerweise vor Regen. An dieser Hochzeit ist alles ein wenig anders. Die Schirme beim beckerschen Hochzeitsspektakel dienen den rund zwei Dutzend Security-Männern einzig und allein dazu, die Braut und ihren Bräutigam vor neugierigen Blicken zu verbergen. Schliesslich hat sich Bum-Bum-Becker «den schönsten Tag im Leben» vom deutschen Privat-TV-Sender RTL «vergolden» lassen. Von einer Million Euro ist die Rede.

Mitten im Getümmel kämpft Abi ­Atici, 44, mit seiner Digicam um einen guten Platz. Der Türke sieht mit seiner Sonnenbrille auf der Nase dem Argen­tinier Diego Armando Maradona verdammt ähnlich. Abi verdient sich mit Auftritten als Double des ehemaligen Weltklassefussballers etwas dazu. Sogar bei RTL ist er schon aufgetreten. «Ich habe mit Boris zweimal gekickt – an Promi-Fussballturnieren», erzählt er stolz.

Für das Hochzeitsspektakel ist der Becker-Fan eigens aus Stuttgart angereist. Er hat Glück. Die Buhrufe zeigen Wirkung. «Runter mit den Schirmen», ruft Becker. Als das frisch vermählte Paar in der weissen Maybach-Limousine (geschmückt mit einem Gesteck aus weissen Rosen und einer roten in der Mitte) davonrauscht, hat Abi doch noch ein Bild seines Tennisidols ergattert.

Die Hochzeitsgesellschaft speist im noblen «Badrutt’s Palace» zu Mittag. Draussen vor dem hermetisch mit Gittern und Stellwänden abgesperrten Luxus­hotel schwitzen Fans und Zaungäste unter der brütenden Sonne. «Palace»-Chef Hans Wiedemann lässt sein Personal Wasser und Schoggi verteilen.

Franz Beckenbauer ist unterdessen im Nachbarort Samedan im Privatjet eingeflogen. Der «Kaiser» ist einer der promi­nenten Gäste an der kirchlichen Trauung am Abend. Die findet in der kleinen, roman­tischen Bergkapelle Regina Pacis (Königin des Friedens!) am Suvretta-Hang statt.

Einheimische dürfen hier gratis heiraten. Gäste, und Herr Becker zählt zu denen, zahlen eine Pauschale von 500 Franken. Hinzu kommen weitere Kosten – je nach Aufwand, um das Kirchlein herzurichten. Immerhin schmücken rund 10?000 Rosen (überwiegend weisse, dazwischen einzelne rote) die Kapelle. Sie kommen von einem italienischen Blumenhändler, der sie noch am Abend wieder zurückkarrt.

Ganz so friedlich, wie der Name der Kapelle verheisst, gehts dann rund um die kirchliche Zeremonie nicht zu. Schon als die ersten der 200 Gäste (darunter Ex-Formel-1-Rennfahrer Mika Häkkinen, Profiboxer Vitali Klitschko, Ex-Radrennprofi Jan Ullrich, Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick, Skirennläuferin Maria Riesch, Box-Promoter Wilfried Sauerland und BVB-Fussballprofi Patrick Owomoyela) eintreffen, kommt es immer wieder zu Rangeleien zwischen Fotografen, Bodyguards und Security-Leuten.

Der Ton unter ihnen wird aggressiver, die Stimmung heizt sich auf. Boris, im blauen Oldtimer-Mercedes 280 SE, lässt sich noch fotografieren, doch die Braut donnert im Maybach mit 50 bis 60 km/h mitten durch die Menge und sorgt zusätzlich für Ärger.

Der entlädt sich im Anschluss an die kirchliche Zeremonie, als Becker am Steuer des Mercedes-Oldtimers – seine Braut auf dem Beifahrersitz – zurück ins «Badrutt’s Palace» will. Die Fotografen hoffen auf ein Bild von Lilly im Hochzeitskleid, doch die «Schirmherren» der beckerschen Festspiele gehen dazwischen. Es kommt zu einer wüsten Rangelei und Fusstritten. Ein Albtraum!

Übrigens: Die wirkliche Traumhochzeit des Jahres gabs vor acht Wochen: Als Tennis-King Roger Federer seine Mirka heiratete. Leise. Bescheiden. Ohne den Hauch einer peinlichen Selbst­inszenierung. Das eben ist der feine Unter­schied zwischen einem Superstar und einem Boris Becker.

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