Daniel Albrecht Hoffnung

Daniel Albrecht hat auch die erste Nacht nach dem Einleiten der Aufwachphase stabil und ruhig verbracht. Zuletzt ist es aber als Begleiterscheinung der Lungenentzündung zu einer Ansammlung von Flüssigkeit im Brustbereich gekommen.
Enge Bande Beatrice und Martin Albrecht herzen ihren Dani 2007 an der Ski-WM in Åre.
Enge Bande Beatrice und Martin Albrecht herzen ihren Dani 2007 an der Ski-WM in Åre.

Ein Team von Spezialisten der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Thomas Schmid hat mittels schonenden, minimal-invasiven Eingriffs diese Flüssigkeit abgesaugt und der Lunge damit weiteren Raum zur Entfaltung gegeben.

Dank des minimal-invasiven Eingriffs zur Absaugung der freien Flüssigkeit in der Lunge hat das Organ jetzt mehr Platz um sich weiter zu entfalten. Die entzündliche Flüssigkeit hatte sich als Begleiterscheinung der Lungenentzündung angesammelt.

Die Lungenentzündung selbst klingt hingegen weiter ab, das Schädel-Hirn-Trauma verläuft ohne Komplikationen. Der langsame Aufwachprozess wird weiter fortgesetzt, wird sich aber wegen des Zustands der Lunge etwas verzögern.

Donnerstag, 22. Januar. Im Training zur Abfahrt von Kitzbühel ist Dani Albrecht ganz stark unterwegs. Sein Vorsprung kurz vor dem Ziel beträgt eineinhalb Sekunden. «Er fuhr wie auf Schienen», sagt sein Vater, der sich das Training zu Hause in Fiesch im Fernsehen anschaut. In Kitzbühel schreit der Speaker im Zielraum bereits euphorisch «Eine Traumfahrt!» ins Mikrofon.

Dann gerät Albrecht beim Zielsprung in Rücklage. Mit 138,2 km/h hebt er unkontrolliert ab. Hilflos mit den Armen rudernd fliegt er 70 Meter weit, prallt mit dem Rücken auf die pickelharte Piste. Ein Ski löst sich in seine Bestandteile auf, der andere bricht in der Mitte entzwei. Dani rutscht bewusstlos den Hang hinunter. «Das mit ansehen zu müssen», sagt der Vater, «war unglaublich hart.»

In der Uniklinik von Innsbruck werden ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Lungenquetschung und Prellungen diagnostiziert. Die Ärzte sagen, auf den jungen Skistar kämen Tage in der Intensivstation, Wochen im Krankenhaus und Monate in der Rehabilitation zu.

«Es grenzt an ein Wunder, dass er keine Schäden an der Wirbelsäule hat», sagt die zuständige Unfallchirurgin Renate Larndorfer.«Es ist überhaupt erstaunlich, wie gering die Verletzungen am restlichen Körper sind.» Das Ärzte-Team, das sich um Dani kümmert, überwacht im Moment vor allem die lebenswichtigen Körperfunktionen.

Wann «Albright» in die Schweiz überführt werden kann, steht noch nicht fest. «Er ist hier auf jeden Fall in sehr guten Händen. Hauptsache, er kommt gesund zurück», sagen Danis Eltern. Danis Bruder Fabian kümmert sich derweil in Fiesch um das Hotel des Alpes.

Für Manager Giusep Fry, der mit Dani eine sehr enge Beziehung pflegt, ist der Horrorsturz ein bitteres Déjà-vu: Vor sieben Jahren krachte sein Schützling Silvano Beltrametti in Val d’Isère durch die Sicherheitsnetze und ist seither querschnittgelähmt. «Unerklärlicherweise hatte ich bei Dani aber gleich das Gefühl, dass es irgendwie gut kommen wird. Und auch wenn er mich im Spital nicht hören kann: Ich habe an seinem Bett seine Hand gehalten und ihm gesagt, dass ich fest an seine Genesung glaube.»

Die Familie kann vorläufig nichts anderes tun, als Dani zweimal täglich auf der Intensivstation zu besuchen. Und bange zu warten auf gute Neuigkeiten bei der täglichen Besprechung mit den Ärzten. Bis jetzt war Dani immer der Starke und Souveräne, der mit viel Beharrlichkeit und Intelligenz seine Projekte auf und neben der Piste vorangetrieben hat.

Nun müssen seine Liebsten mit ansehen, wie er auf der Intensivstation liegt. Die Ärzte geben sich vorsichtig optimistisch. Sein Zustand sei stabil, eine vollständige Rehabilitation möglich. Allerdings: Beim Ge­hirn seien Prognosen schwierig … «So wie ich Dani kenne, wird er nach dem Aufwachen als Erstes fragen, ob seine Karriere gefährdet sei», sagt Manager Fry.

Für alle, die dem jungen Skistar nahestehen, ist klar: Ein Ende seiner sportlichen Laufbahn wäre für ihn ein Welt­untergang. «Er hat zwanzig Jahre seines Lebens dafür investiert», sagt Vater Martin, der 1977 selber Skibob-Weltmeister war. «Ich habe Dani von klein auf an alle Rennen begleitet. Ich habe sogar mein Restaurant, die ‹Walliser-Kanne›, vermietet, um Zeit für ihn zu haben.»

Martin Albrecht schiessen die Tränen in die Augen, wenn er spricht. Er versteht nicht, warum der Unfall ausgerechnet in einem Training geschehen ist. «Dabei war er in den Trainings doch immer vorsichtig, hat erst im Rennen aufgedreht. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mit so einem Unfall nicht gerechnet, auch wenn ich die Risiken seines Berufes kenne.»


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