Stefan Meierhans Hüter der Preise

Papa und Preisüberwacher. In nur einem Jahr ist Stefan Meierhans gleich beides geworden. «Monsieur Prix» über das erste Amtsjahr, sein eigenes Preisbewusstsein und schlaflose Nächte mit Töchterchen Lena.
Christian Meierhans mit Frau Beatrice Wertli
Christian Meierhans mit Frau Beatrice Wertli

Herr Meierhans, wer hat Ihnen seit ihrem Amtsantritt mehr schlaflose Nächte bereitet: Die kleine Lena oder die rund zweieinhalbtausend Bürgerbeschwerden, die bei Ihnen eingegangen sind?
Die Beschwerden bereiten mir keine schlaflosen Nächte – im Gegenteil, ich bin positiv überrascht dass sich die Anzahl quasi verdoppelt hat und sehe das als Vertrauensbeweis. Natürlich ist die Krise mit ein Grund für die vielen Anfragen. Offenbar spreche ich aber auch eine neue Generation an: Trafen früher viele handgeschriebene Briefe ein, erhalte ich heute ebenso viele Mails. Beruflich läuft also alles glatt. Und privat, naja, Lena hat schon etwas auf den Schlaf geschlagen – aber ihr Lächeln lässt vieles vergessen!

Ab und zu ein Nickerchen im Büro?
Sie meinen um das Klischee vom Beamten zu erfüllen (lacht)? Nein. Aber ich plane meine Tage schon anders. Früher konnte ich spontan bis spätabends im Büro bleiben. Jetzt bin ich öfters Zuhause, arbeite ab Januar einen halben Tag im «Home Office» und schaue dann gemeinsam mit meiner Frau zu Lena.

Wieviel hat denn Ihr Anzug gekostet?
Gut 200 Euro. Den habe ich Online gekauft, in einem italienischen Outlet.

Sündigen Sie nie beim einkaufen?
Ich muss gestehen: Kürzlich bin ich schwach geworden und habe in Wien einen herzigen Burberry-Body für meine Tochter gekauft. Viel zu teuer – total unvernünftig! Sonst vergleiche ich immer die Preise und schaue, wo mir das Beste geboten wird.

Bei Ihrem Amtsantritt erhielten Sie wenig Vorschusslorbeeren: Man hielt sie für zu jung und unerfahren, sprach von CVP-Filz. Ein frustrierender Start?
Ich habe leidenschaftlich und intensiv gearbeitet im letzten Jahr. Das Resultat, hoffe ich, spricht für sich: Wir haben dazu beigetragen, dass Preise in der Höhe von mindestens dreihundert Millionen gesenkt wurden. Ich kann die Frage aber auch mit einer Anekdote beantworten: Als ich in der Sekundarschule die Anmeldung fürs Gymi ausfüllen wollte, gab mir der Lehrer mit den Worten «du schaffst die Prüfung ja sowieso nicht» auch gleich das Formular für die 3. Sek. Das hat mich enorm motiviert – ich hab bestanden.

«Monsieur Prix» – seine Bundesratsambitionen, seine Frisur und seine Meinung zu überhöhten Krankenkassenprämien. Das grosse Interview in der neuen Schweizer Illustrierten.


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