Lara Gut «Ich küsse nur Männer!»

«Geil ists. Einfach geil!» Lara Gut ist erst 17. Erstmals an einer WM. Und poliert bereits ihre zweite Medaille.
Ski-Prinzessin  Lara Gut verblüfft mit lockeren Sprüchen, frechem Lachen und hochprofessioneller Leistung.
Ski-Prinzessin Lara Gut verblüfft mit lockeren Sprüchen, frechem Lachen und hochprofessioneller Leistung.

Unaufhaltsam stürmt Lara Gut in Val d'Isère von Medaille zu Medaille. In der Kombi-Abfahrt donnert sie über die Strecke, stürzt sich (nach ein paar lockeren Scherzchen mit dem Startrichter) konzentriert in den (noch) ungeliebten Slalom-Stangenwald. In der Abfahrt rast sie, trotz Bauchschmerzen und Durchfallerkrankung, auf den zweiten Rang.

Dann der nächste Slalom: zur Medaillen-Zeremonie. Zu den TV-Studios. Ins von Wallis Tourismus gemanagte «House of Switzerland». Doch alles macht der blonde Wildfang mit den tiefblauen Augen und dem nicht eben leisen Lachen nicht mit. «Küss mal deine Medaille», bittet der Fotograf. «Vergiss es», kontert Lara, «ich küsse nur Männer.»

Mama Gabriella ist etwas besorgt: «Lara hatte heute ganze zwanzig Minuten für sich allein. Sonst hetzte man sie von Termin zu Termin.» Wenigstens im Mannschaftshotel La Savoyarde, nahe der Abfahrtspiste gelegen, ist Lara allein.

«Cool – ich hab ein Einzelzimmer.» Sagts und greift zur Gute-Nacht-Lektüre: «Die Geisha» heisst das Buch. «Auf Italienisch hab ich es schon gelesen. Jetzt versuche ich es auf Französisch.»

Geishas sind klug, schön, anmutig, geheimnisvoll. Geisha Lara? Ein wenig schon. Keine im Zirkus fährt mit so viel Gefühl. Keine wählt so instinktiv die schnellste Linie. Keine beantwortet schon mit 17 in fünf Sprachen ohne Dolmetscher die unmöglichsten Fragen.

Und das Geheimnis ihres Erfolgs ist schwer zu knacken. Videostudium? Bringt nichts: Wer Lara kopieren will, endet im roten Fangnetz. Das Studium der Biografie hilft eher weiter: Papa Pauli Gut trainiert seine schöne Tochter, seit sie laufen kann.

Nicht militant und nervtötend zwischen den Stangen, sondern spielerisch, im freien Gelände, bei jeder Witterung, stundenlang. Mama Gabriella, ausgebildete Sportlehrerin, arbeitet an Roh- und Schnellkraft. So viel Power bringen Frauen sonst nicht auf die Ski.

Der jahrelange Aufbau, erst im Kreis des Clans, dann im selbst finanzierten Privatteam, zahlt sich jetzt aus: Lara fühlt sich auf schwierigen Pisten besonders wohl, blüht auf, wenn wilde Flocken und diffuses Licht die Sicht einschränken. Privattrainer Mauro Pini: «Lara ist mental extrem stark, hat ein riesiges Selbstvertrauen, bleibt immer cool.» Eine Athletin von einem anderen Stern!

Ein Geheimnis versucht sie krampfhaft zu wahren. Wer ist der Mann, der ihr Herz erobert hat. Lara winkt ab: «Privatsache.» Tatsächlich ein Hockeystar vom SC Bern? «Beim SCB habe ich einen guten Kollegen. Mehr gibts da nicht zu sagen.»

Kein Geheimnis dafür, wem sie ihre erste WM-Medaille widmet: «Sie gehört Dani Albrecht. Ich denke viel an ihn. Er war immer für mich da, wenn ich eine Frage hatte.»

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