Urs Schwaller «Ich muss mir nichts beweisen»

Er kocht gern Risotto, liebt Opern - und gibt im Bundeshaus den Ton an: Nun will Urs Schwaller für die CVP den zweiten Bundesratssitz zurückerobern.
Grandfey-Viadukt: FR Einen Stock höher rasen die Züge Richtung Bern. Urs Schwaller gefällt die Architektur der Brücke.
Grandfey-Viadukt: FR Einen Stock höher rasen die Züge Richtung Bern. Urs Schwaller gefällt die Architektur der Brücke.

Er besitzt Disziplin. Jeden Morgen um halb sechs Uhr schnürt Urs Schwaller seine Joggingschuhe und macht sich mit Labrador Mistral auf seine halbstündige Runde. «365 Mal pro Jahr», sagt der 56-Jährige nicht ohne Stolz. Das ist Training für den Körper – aber auch für den Kopf.

Der Ständerat aus Tafers FR ist fit. Auch politisch. Für die CVP will er den zweiten Sitz in der Landesregierung zurück­erobern. Der selbstständige Rechtsanwalt galt bei früheren Bundesratswahlen mehrmals als Favorit, ohne je kandidiert zu haben.

«Diesmal musste ich mit mir ins Reine kommen.» Er traue sich das Amt zu, selbst wenn er das schwierige Innen­departement übernehmen müsste: «Ich will beweisen, dass hier Reformen möglich sind und ich alle Akteure wieder an einen Tisch bringen kann.»

Schwaller will die Chance jetzt packen, Bundesrat zu werden. Auch wenn das Risiko zu scheitern dazugehöre: «Ich muss niemandem etwas beweisen – am wenigsten mir selber.» Die Unterstützung seiner Frau Barbara und der drei Kinder ist ihm sicher. So oder so. «Meine Familie liess mir die Freiheit, mich selber zu entscheiden.» Offene Fragen seien dann in den ge­meinsamen Ferien südlich von Neapel beantwortet worden.

Urs Schwaller ist ein Mann der leisen Töne. Er verliert nie die Beherrschung, sondern bewahrt in jeder Lage die Contenance. Er selber sagt: «Ich bin nicht bekannt dafür, hektisch zu sein. Aber stressresistent.» Seine Sporen hat sich der Politiker als Oberamtmann und Regierungsrat abverdient – er besitzt 19 Jahre Erfahrung in Exekutivämtern. Als CVP-Fraktionschef ist er einer der Denker und Lenker der Partei im Bundeshaus.

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Daheim werkelt er gern in der Küche, kocht am liebsten Polenta oder Risotto, dazu einen Braten. «Oft schlendere ich samstags über den Markt, schaue beim Metzger und in der Käserei vorbei, lasse mich inspirieren und kaufe dann ein.»

Ein Hochgenuss ist für Urs Schwaller auch Musik – opulente Opern von Puccini und Verdi ebenso wie die geschulten Stimmen von Solojodlern. «Kürzlich besuchte ich sogar ein Konzert von Pop-Ikone Prince.» Selber spielt er eher selten Klavier und singt dazu. «Aber das mache ich dann nur im ganz kleinen Kreis – nur für mich.»

Wieso wären Sie ein guter Bundesrat?
«Mich reizt es, die Zukunft unseres Landes mitzugestalten. Ich kenne die Dossiers. Und ich würde gerne beweisen, dass Gesundheitspolitik anders gestaltet werden kann.» 

Hier finden Sie den Bericht über den neuen Bundesrat Didier Burkhalter.

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