Manuela Pesko «Ich sehne mich nach einem Mann»

«Über Geld, Sex und Religion redet man nicht.» Meint Manuela Pesko. Wir haben es trotzdem getan. Seit ihrem Rücktritt vom Profisport geniesst es die Snowboarderin, endlich mehr Frau sein zu können.
Offen und ohne Hemmungen spricht Manuela über ihre Sehnsüchte.
Offen und ohne Hemmungen spricht Manuela über ihre Sehnsüchte.

Manuela Laura Pesko, 30, hat ihr Snowboard noch längst nicht in die Ecke geschmissen. Auch wenn die Bündnerin zu Beginn der Saison ihre aktive Karriere als Spitzensportlerin beendet hat, über unberührte Schneehänge fräst sie noch immer.

Auch waghalsige Sprünge in der Halfpipe machen sie nach wie vor happy. Nur boardet sie jetzt statt unter den Augen gestrenger Punkterichter vor der Kamera von Filmregisseur und Modedesigner Willy Bogner.

Frau Pesko, jetzt, wo Sie nicht mehr auf Wettkampftour sind – was möchten Sie unbedingt einmal tun?
Mein Traum ist eine Weltreise, mindestens vier Monate unterwegs.

Und wohin?
Die Regionen, wo es Schnee hat, kenne ich alle, also ziehts mich dorthin, wo ich Sommer, Sonne und Wasser geniessen kann. Australien und Südamerika reizen mich besonders.

Irgendwann ist die Weltreise vorbei – und dann?
Sport wird ein Teil meines Lebens bleiben, allein schon deshalb, weil ich ein absoluter Bewegungsmensch bin. Aber ich würde gerne eine Ausbildung im Bereich Kommunikation beginnen.

Sie haben Ihre Matur mit Schwerpunkt Mathe und Physik absolviert. Keine Ambitionen, da anzuknüpfen?
Vor meiner Snowboardkarriere wäre das eine Option gewesen – aber jetzt? Dafür pulsiert das Leben um mich herum zu sehr. Und mir haben sich Türen aufgetan, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt.

Ihr Traumjob?
Ich interessiere mich für vieles. Das macht es wohl auch so schwierig, mich auf einen Job festzulegen. Ich glaube, das ergibt sich einfach.

Sind Sie der Typ, der die Dinge auf sich zukommen lässt, oder planen Sie alles?
Einen gewissen Grundplan habe ich schon. Den Wechsel vom Spitzensport hin zur Actionfilm-Branche bei Willy Bogner habe ich mir gut überlegt. Aber gewisse Sachen lasse ich offen.

Mit wem haben Sie vorab über Ihren Rücktritt gesprochen?
Mit niemandem! Nicht mal mit meinen Eltern oder meinem Bruder. Mir war klar, dass das eine Entscheidung ist, die ich allein treffen muss. Und ich wollte vermeiden, dass irgendwer versucht, mich zu überreden.

Hätte es denn jemand geschafft?
(Überlegt lange.) Hm, ich glaube nicht. Meiner Familie hab ich es erst kurz vor der offiziellen Mitteilung gesagt.

Und wie reagierten sie?
Mein Vater sagte spontan: Ich gratuliere dir zu deinem Mut.

Zu wem haben Sie ein engeres Verhältnis – zu Ihrem Vater oder zu Ihrer Mutter?
Zu beiden gleich gut. Besonders eng ist es aber zu meinem Bruder.

Wie kommt das?
Vielleicht weil ich mit ihm zusammen in einer WG wohne.

Spielten finanzielle Überlegungen bei Ihrem Rücktritt eine Rolle?
Daran habe ich nicht gedacht. Natürlich muss ich mir Gedanken machen, was ich in Zukunft beruflich tun will. Aber ich kann noch ganz gut leben vom Snowboardfahren.

Haben Sie so gut verdient, dass Sie sich zur Ruhe setzen könnten?
Das kommt immer auf den Standard an, den man will. Ausserdem: Über Geld redet man doch nicht.

Wir schon.
Okay. Wenngleich ich nicht so viel verdiene wie andere Schweizer Sportstars.

Was bedeutet Ihnen persönlich Geld?
Ich brauche es zum Leben. Ich will ein Dach überm Kopf, Essen auf dem Teller, gehe auch mal gern ins Restaurant und in die Ferien. Aber Geld ist für mich nicht mehr als ein Beruhigungsmittel.

Sind Sie sparsam?
(Lacht.) Nein, sicher nicht! Ich gebe das Geld der Wirtschaft zurück, was ja in diesen kritischen Zeiten wichtig ist.

Und wofür geben Sie Ihr Geld aus?
Vor allem für Essen. Ab und zu gehe ich auch shoppen. Und einmal im Jahr mache ich richtig Ferien. Heuer habe ich allerdings Ferien von meinem Sponsor TUI geschenkt bekommen, was mich riesig freut.

Sie tauchen an Events in Kleidern des Luxuslabels Talbot Runhof auf, tragen ein Cartier-Armband …
… wenn mir etwas wirklich gefällt, kaufe ich es – wobei ich schon auf den Preis schaue. Es gibt auch für mich eine Schmerzgrenze.

Die liegt wo – beispielsweise bei einem Abendkleid?
Bei 2000 Franken.

Und wie viele Abendkleider hängen in Ihrem Schrank?
Lange Abendkleider habe ich gar nicht so viele – vielleicht drei oder vier.

Und kurze?
Sicher einige mehr.

Schreiten Sie gern über rote Teppiche?
Das kommt auf den Event an. Man trifft ja teilweise auch ganz lustige Leute bei solchen Anlässen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Erfolgreiche Geschäftsfrau, etabliert im Job. Vielleicht mit einer Familie.

Was heisst vielleicht?
Ich würde schon gern eine Familie haben, aber dafür brauche ich erst mal den richtigen Partner.

«Grundsätzlich bin ich harmonie-bedürftig, aber wenn mir was nicht passt, kann ich sehr deutlich werden»

Womit wir beim Thema wären.
(Grinst.) Schlau eingefädelt! Ernsthaft: Im Spitzensport ist es kaum möglich, eine Beziehung zu führen. Ich glaubte das früher nie, wenn mir das jemand erzählte. Aber ich habe es selbst erlebt, war zehn Monate im Jahr rund um die Welt unterwegs. Da kann man nicht von einem Partner verlangen, zu warten und für einen da zu sein, wenn man mal wieder nach Hause kommt.

Würden Sie sich nicht manchmal eine Schulter zum Anlehnen wünschen?
Natürlich sehne ich mich auch nach einem Mann. Es wäre schön, wenn ich abends nach Hause kommen und sagen könnte: «O, massierst du mich bitte!»

Welche Ansprüche stellen Sie an einen Mann?

Er muss ein Herz aus Gold besitzen, eine gute Ausstrahlung haben, ehrlich sein, ein bisschen sportlich – und er muss mit mir umgehen können.

Was heisst das denn?
(Lacht lauthals.) Ich habe sehr viel Energie. Es kann vorkommen, dass ich sage, wir machen jetzt dies und jenes, und zwei Minuten später fällt mir was völlig anderes ein.

Muss er snowboarden können?
Nicht unbedingt. Das kann ich ihm ja beibringen. Aber mir fällt gerade noch was ein, was er unbedingt haben muss.

Was denn?
Ich muss mit ihm gut reden können, und er sollte mir auch mal einen Tipp als Freund und nicht nur als Partner geben.

Und wie soll er aussehen?
Ich hab gern dunkle Haare.

Könnten in einer Beziehung bei Ihnen auch mal die Fetzen fliegen?
Grundsätzlich bin ich eher harmoniebedürftig, aber wenn mir was nicht passt, kann ich sehr deutlich werden.

Würden Sie einen Seitensprung ­verzeihen?
Schwer zu sagen. Vertrauen ist in einer Beziehung für mich das A und O. Ich wünsche mir, dass man sich in die Augen schauen kann und jeder genau weiss, woran er beim anderen ist.

Wollen Sie irgendwann heiraten?
Sicher. Das gehört für mich dazu.

Und erst danach Kinder bekommen?
Das ist mir eigentlich egal.

Aber Kinder wollen Sie?
Klar! Ich habe immer gesagt, dass ich drei Kinder möchte, aber vielleicht sind es dann doch nur zwei.

Wie denken Sie über One-Night-Stands?
Das ist nichts für mich. Der Gedanke, mit jemandem im Bett zu landen, den ich nicht kenne, behagt mir überhaupt nicht.

Und welche Rolle spielt für Sie Sex in einer Beziehung?
(Lacht verschämt.) Wie beim Geld gilt: Über Sex und Religion rede ich nicht.

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