Michelle Hunziker «Ich wurde schon betrogen»

Sie kommt aus Ostermundigen, verzaubert heute ganz Europa. Show-Star Michelle Hunziker über Tochter Aurora und ihren grossen Wunsch: «Noch drei Kinder!» Jetzt zeigt sie sich offen, frech, intim und verletzlich.

Samstagmittag, Punkt zwölf Uhr. In der Lobby des «Dorint Novotel» in Freiburg im Breisgau machen sich italienische Journalisten der Berlusconi-Sendergruppe Mediaset breit. Endlich. Die Lifttür öffnet sich. Mit einem urbernerischen «Grüessech» tritt Michelle Hunziker, 32, aus dem Lift und steuert auf die Reporter der Schweizer Illustrierten zu. «Erst die Schweizer – dann ihr!», scherzt «La Hunziker».

Und wer könnte ihr böse sein – bei diesem «one Million Dollar Smile»! Ihr schönstes Lachen von Europa ist legendär, ihre sonnengebleichte Mähne, die sexy Stimme, der Engelsblick und – dieser Venus­körper! Belle Michelle soll ZDF-Moderator Thomas Gottschalk heute Abend und in Zukunft ein paar zusätzliche Millionen Zuschauer bringen.

Für ihre Co-Moderation bei «Wetten, dass?..?» unterbricht die gebürtige Schweizerin ihre Dreh­arbeiten in Hollywood. Dort steht sie für die italienische Kult-Weihnachts­sendung «Natale a Beverly Hills» vor der Kamera. Zusammen mit ihrem Lebenspartner, dem Filmproduzenten Luigi De Laurentiis, 31, und Teenager-Tochter Aurora, 12, hat sie in den Hügeln von Los Angeles eigens eine Villa gemietet.

Frau Hunziker, sind Sie nicht beunruhigt? Ihre Tochter Aurora hat sturmfrei in Beverly Hills.
(Lacht.) Per niente sturmfrei! Meine Nanny passt auf sie auf. Ausserdem ist Aurora beschäftigt. Sie besucht dort die Berkeley Hall School.

Ihre Tochter steckt mitten in der Pubertät. Wie gehen Sie damit um?
Da ich nur 19 Jahre älter bin als meine Tochter, habe ich für vieles Verständnis. Natürlich testet Aurora als Teenager auch ihre Grenzen aus. Dann kann ich schon mal streng sein.

Wie streng?
Die Sonntagnachmittags-Disco in Mailand habe ich ihr verboten.

Dabei haben Sie Ihre grosse Liebe,
Eros Ramazzotti, beim Abtanzen in Rimini kennengelernt!
(Lacht.) Stopp, stopp, stopp! Ich war damals schon 18. Auri ist ja erst 12. Ausserdem verlangt sie gar nicht danach. Ich habe grosses Glück mit ihr. Sie ist gerne zu Hause, liest viel, schaut Filme und ist Youtube-Fan!

Wie war denn der Teenager Hunziker aus Ostermundigen?
Ich war sehr rebellisch. Wenn mich Aurora mal wieder herausfordert, rufe ich meine Mami an und klage ihr mein Leid. Sie lacht dann und sagt: «Das geschieht dir recht. Darauf habe ich gewartet.»

Aurora eifert mir nach und will mich ab und zu kopieren»

In der italienischen «Vanity Fair» verrieten Sie kürzlich, dass Sie jahrelang kein Wort mit Ihrer Mutter gewechselt haben.
Ja, und ich werde auch hier nicht über meine Gründe sprechen. Nur so viel: Es ging mir miserabel dabei. Ich habe daraus gelernt. Heute liebe ich meine Mutter, wie sie ist – das musste ich erst lernen. Als Kind sind die Eltern Götter – doch mit der Zeit werden sie zu Menschen. Auch ich bin als Mutter nicht unfehlbar.

Sieht Aurora in Ihnen schon eine Konkurrentin?
Sie eifert mir nach und will mich ab und zu auch kopieren. Ich denke, das ist normal.

Also durchwühlt Aurora zu Hause in Mailand auch mal Ihren Kleiderschrank?
Eh, sì! Sie zieht sogar meine Schuhe an – wir haben beide
Schuhgrösse 40.

Wie siehts bei Ihnen zu Hause aus?
Wir leben in einer Vierzimmerwohnung – ein richtiger Weiberhaushalt: die Nanny, unsere gute Seele Norma, Aurora und ich. Abends schauen wir dann alle oft gemeinsam Auroras Lieblingsserie «Ugly Betty».

Kochen Sie auch?
Certo! Sehr gerne sogar! Spaghetti al pomodoro con basilico ist übrigens Auroras Lieblingsmenü. Oft kommt auch Eros zum Essen vorbei – er lebt nur 200 Meter von uns entfernt.

Am 13. August 1995 lernt Michelle in einer Disco in Milano Marittima ihren zukünftigen Ehemann kennen – Schmusebarde Eros Ramazzotti sticht «Italiens schönster Po» sofort ins Auge. Der Popstar und das Dessousmodel werden zum Traumpaar erklärt. Ein Jahr später kommt Aurora zur Welt. 1998 wird mit Pomp auf einem Schloss bei Rom geheiratet. Dann, im verflixten siebten Beziehungsjahr – die Trennung. Eros: «Mit einer Italienerin wäre mir das nie passiert.» Darauf folgt ein Rosenkrieg. Am 25. März 2009 wird die Ehe geschieden. Heute ist Michelle mit Luigi De Laurentiis liiert.

Ab welchem Zeitpunkt stellen Sie Ihrer Tochter einen neuen Mann vor?
Bevor ich mir nicht sicher bin, kommt kein Mann in mein Haus. Das heisst, ich muss raus, wenn ich einen treffen will.

Welche Ausrede bringen Sie dann?
Keine. Aurora erfährt die Wahrheit. Ich will nicht, dass sie etwas über ihre Mutter aus der Presse erfahren muss.

Verraten Sie uns den Unterschied zwischen Schweizer und italienischen Männern?
(Jetzt lacht sie laut.) Wenn ich das bloss wüsste! Ausser meinem ersten Freund, Patrick aus Oster­mundigen, war ich nie mehr in einen Schweizer verliebt. Damals war ich 14.

Bis 16 lebten Sie in Ostermundigen. Danach zogen Sie mit Ihrer Mutter nach Bologna. Welchen Bezug haben Sie heute zur Schweiz?
Sagen wir es so: Mir sind viele schweizerische Eigenschaften geblieben – Disziplin, Pünktlichkeit und keine Angst vor Überstunden. Zum Skilaufen fahre ich übrigens noch regelmässig ins Berner Oberland.

Also: Was heisst auf Berndeutsch Zwiebel?
«Zibele» natürlich. «Chum eze. Ich bin immer no e Bernere!» Weil ich regelmässig mit meiner guten Freundin Ursula Andress telefoniere.

Im Gegensatz zu Ursi National sind Sie trotz blonder Mähne und super Body der Kumpeltyp.
Stimmt. In Italien sagen meine TV-Kolleginnen: «Michelle ist eine, mit der man im Stehen pinkeln kann.» In Italien habe ich mir ja auch mit satirischen, humoristischen Sendungen einen Namen gemacht. Sobald ich mit Kärtchen und Teleprompter moderieren muss, fehlt mir die Spontaneität, und alles konzentriert sich nur noch auf mein Abendkleid?…

Dann wird Ihr Décolleté mehr wahr­genommen als das, was Sie sagen.
Das ist mir total egal! Ich bin 32, weiss, wer ich bin und was ich sonst noch kann.

Wie reagiert Luigi darauf?
Für ihn ist es schwieriger, damit umzugehen, dass ich überhaupt arbeite. Damit muss sich ein Mann halt abfinden.

«Ich bin schon betrogen worden. Aber ich habe ver­zeihen gelernt»

Und Sie wollen noch Kinder!
Ja! Vier am liebsten! Ich bin eine echte Mamma! Ich hätte mit 19 eines nach dem anderen machen müssen. Denn Eros war damals der Mann meines Lebens.

Sie stehen dazu, dass Sie in der Vergangenheit betrogen worden sind.
Ja! Das passiert doch vielen Frauen! Mit zwanzig träumt man vom Prinzen, doch wenn ein Paar länger zusammen ist, macht halt einer mal einen Fehler. Ich habe aber verzeihen gelernt. Was nicht heissen soll, dass bei mir ein Mann einfach fremdgehen darf. Denn ich betrüge nicht. Wenn ich mich für einen anderen Mann interessieren würde, wäre es sowieso vorbei.

Kennen Sie Eifersucht?
Oh ja. Und ich muss mich sogar bremsen.

Luigi trifft als Filmproduzent auf viele schöne Frauen. Beunruhigt Sie das?
Nein. Ich habe beschlossen, ihm zu vertrauen. Sonst wäre mein Leben die Hölle. Wenn wir zusammen sind und er einer Frau zu lange hinter­herschaut, kann ich richtig böse werden (lacht.)

Und Sie schauen weg, wenn ein attraktiver Mann vorbeigeht?
(Lacht verschmitzt.) Aber sicher nicht. Es geht ja auch diskret.

Haben Sie eigentlich nie Angst zu versagen – beruflich oder privat?
Im Beruf nicht. Privat schon. Da ist es leider auch schon passiert.

Wann?
Ich hätte gerne mit meinem Mann mein Leben verbracht. Doch da haben Eros und ich leider versagt.

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