Bandleader Pepe Lienhard Im Glück mit seiner «Swiss Lady»

Seit 40 Jahren steht Pepe Lienhard auf der Bühne. Jetzt ist er wieder mit seinem Orchester unterwegs. Privat sucht er die Ruhe mit seiner Christine.

Welche drei Dinge fallen Ihnen spontan zum Namen Pepe ­Lienhard ein? Vermutlich Big Band, Udo Jürgens, Saxofon. Die Big Band ist Pepes Beruf, seine Berufung, seine Leidenschaft. Mit Star-Entertainer Jürgens verbinden den Band-Leader eine dreissigjährige Freundschaft und vierzehn gemeinsame Tourneen.

Und das Saxofon? Ein schwieriges Thema – schwieriger, als man meinen würde. «Es gibt in der Schweiz Hunderte, die besser Sax spielen als ich», sagt Pepe, 63, bescheiden. «Ich bin kein begnadeter Solist, eher ein Trainer. Ich muss achtzehn Musiker und drei Sänger dazu bringen, miteinander zu harmonieren.» So lässt er sich abseits der Bühne denn auch gar nicht gern mit seinem Sax fotografieren.

Viel lieber nimmt er seine Christine in den Arm. Seit knapp vier Jahren ist die selbstständige PR-Beraterin die Frau an Pepe Lienhards Seite. Vor eineinhalb Jahren zog sie in seine grosszügige Wohnung mitten in Zürich. «Mitgenommen habe ich fast nichts. Die Möbel gehören zum grössten Teil Pepe. Aber ich bin keine Sammlerin. Und zum Glück gefällt mir sein Stil», sagt Christine Köhli, 39. Hohe Räume und grosse Fenster sorgen für viel Licht.

Stuckaturen und eine Deckenmalerei im Esszimmer erzeugen einen Hauch Antike. Der Lieblingsplatz von Christine und Pepe aber ist die Dachterrasse, die einen imposanten Ausblick über die Stadt und den Zürichsee bis zu den verschneiten Glarner Bergen bietet.

Was für ein Unterschied zu dem Landleben, das Pepe vorher führte. Vor drei Jahren verliess er seinen Bauernhof in Mettmenstetten ZH und zog in die Stadt. «Ballast abwerfen», nennt er den Umzug. «Es ist toll, in die Ferien fahren zu können, ohne daran denken zu müssen, wer in der Zeit zum Haus und zu den Tieren schaut.» Die exotischen Vögel, die er in grossen Volieren hielt, leben mittlerweile in verschiedenen Zoos.

Von seiner Leidenschaft für Federvieh zeugen noch unzählige Vogel-Bücher, die fein säuberlich im Bürogestell eingeräumt sind. Woher seine Vorliebe kommt, weiss Pepe Lienhard selbst nicht so genau. «Es fing an, als ich im Tessin lebte. Da hielt ich mal zwei, drei Vögel, und es wurden immer mehr. Ich habe den Hang zum Übertreiben.»

Christine Köhli scheint das nicht zu stören. Bei ihrem Einzug hängte sie einfach zwei, drei der bunten Bilder an den Wänden wieder ab. Sie liebt «Pepes Aura, seine Herzlichkeit, sein unkompliziertes Wesen. Und seinen Humor!» Sie grinst, wohl wissend, was jetzt kommt. Der Musiker verdreht die Augen. «Das ist ein Klischee! Egal, ob du klein, dick und arm bist – Hauptsache, du bist ­lustig.»

Pepe Lienhard ist gross, schlank und äusserst erfolgreich – und zudem mit ­einer guten Prise Humor gesegnet –, da ist es kein Wunder, dass sich eine Frau wie Christine in ihn verliebte. Und dank ihm sogar ihre Einstellung zum Heiraten änderte. Christine, geschieden wie Pepe, sagte nämlich bis vor Kurzem «nie wieder!» zu diesem Thema.

«Aber mittlerweile finde ich, wenns vom Gefühl her stimmt, könnte mans auch ein zweites Mal wagen. Ganz bestimmt jedoch nicht heute oder morgen. Und auch nicht übermorgen.» Dagegen sprechen würde auf jeden Fall nichts. Christine versteht sich bestens mit Pepes Töchtern Nina, 20, und Lara, 18. Und: «Er bringt mir ­jeden Morgen einen Kaffee und ein ­Joghurt ans Bett.» Was will Frau mehr?

Pepe Lienhard setzt sich an den Esszimmertisch. Hier beginnt der «handwerkliche» Teil seiner Arbeit: Partituren zusammenkleben für seine Musiker. «Das ist Chefsache.» Geübt werden muss nicht mehr gross. Die CD-Aufnahmen fürs neue Album «Let’s Swing» dienten zugleich als Proben für die Konzerte. Die sind zu einem guten Teil bereits ausverkauft.

«Es ist toll, dass die Leute uns immer noch sehen und hören wollen», freut sich Pepe. «Und dadurch, dass Musiker wie Jamie Cullum, Michael Bublé oder Roger Cicero Swing und Jazz spielen, kommen auch immer mehr junge Leute an unsere Gigs.»

Im Hause Lienhard hingegen swingts erstaunlich wenig. Aus Laras Zimmer dröhnt Rockmusik, Christine hört gern Klassik. Und Pepe? «Ich bevorzuge die Stille! Ich mag es nicht, wenn im Hintergrund ständig Musik läuft. Ich höre lieber bewusst zu.» Sagts und macht sich auf – zum Konzert des deutschen Jazz-Trompeters Till Brönner.

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