Karolin Wolter Absurd! Plus-Size-Model mit BMI von 19

Yves Saint Laurent, D&G und Hermès - Karolin Wolter ist mit ihren 21 Jahren schon für fast alle namhaften Designer gelaufen. Doch mit 53 Kilo war die 1 Meter 81 grosse Deutsche zu dick für die amerikanische Modebranche. Das Model schildert seinen Leidensweg.

In New York kann ein Model nicht dünn genug sein. Dabei gilt eine junge Frau mit einem Body Mass Index von 16.2 als schwer untergewichtig. Genau diesen Richtwert hat Karolin Wolter, als sie 2009 in New York als Model durchstartet. Doch der damals 18-jährigen Deutschen wird ständig eingeredet, zu viel auf den Hüften zu haben.

In einem Essay, welches Karolin Wolter Anfang Oktober für das «I love You»-Magazin verfasst hat, berichtet sie schonungslos, wie die Modeindustrie mit Nachwuchsmodels umgeht. Wenn sie heute die Fotos ihrer Anfangszeit anschaut, kann die 21-jährige Schwäbin nicht glauben, wie gut sie damals aussah und wie fett sie sich selbst empfand. 

«Während der New Yorker Modewoche wog ich zwischen 53 und 55 Kilo, also fast zehn Kilo unter dem Körpergewicht, das ich vor dem Modeln hatte. Ich habe gut, wirklich gut abgeschnitten, aber meine Agenten sagten mir, ‹weisst du, Karolin, als nächstes stehen die Frühjahr/Sommer-Shows an, dafür musst du noch dünner sein›.»

2011 erreicht Karolin Wolter ihren mentalen Tiefpunkt. Sie verlernt den natürlichen Umgang mit Essen: «Ich hatte irgendwann keine Ahnung mehr, ob ich Hunger hatte und auf was.» Jedes Mal, wenn sie in den Spiegel schaut, hat sie das Gefühl, nicht so zu sein wie sie es eigentlich sollte. Sie weiss, dass etwas nicht stimmt, erkennt, dass ihr Körper am Ende ist und: zieht die Notbremse. «Ich entschied, ein paar Monate zurück nach Europa zu gehen. Ich bin alleine durch die Alpen gewandert. Das war etwas, was ich schon immer tun wollte.»

Zum Jahresende meldet sich das Model mit einem Normalgewicht von 63 Kilogramm und einem für sie wichtigen Entschluss zurück. «Ich sagte meinen Agenten, sie sollen meine richtigen Masse auf meine Set-Card schreiben. Das fanden alle gut, bis auf die New Yorker. Die meinten, ich sei für ein Plus-Size-Model nicht dick genug.» 

Karolin Wolter blüht auf. Zwar müssen - damit sie dicker aussieht - bei Fotoshootings ihre Kleider mit Kissen ausgestopft werden, doch betitelt sie diese Zeit als die beste ihres Lebens: «Ich war so stolz. Ich habe jedem erzählt, dass ich plus size bin. Ich liebe die Wörter plus size.»

Mit ihrer Zufriedenheit kehrt auch ihr normales Hungergefühl zurück. Ihr Gewicht pendelt sich von allein wieder ein, sie nimmt sogar ein paar Kilo ab. Und: Sie hat etwas Wichtiges gelernt: «Es geht nicht darum, wie dick oder klein man ist oder welcher Stempel einem aufgedrückt wird. Es geht darum, wie man zu sich selbst Sorge trägt. Denn wenn man sich in seinem Körper wohl fühlt, kannst man so ziemlich alles verkaufen.» 

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