Alain Clark «Beim Sex höre ich Al Green»

Wenn der holländische Soulsänger Alain Clark an die Schweiz denkt, erfüllt ihn das mit einer unglaublichen Ruhe. Selbst Promo-Stress für sein neues Album «Generation Love Revival» kann ihm dann nichts anhaben. Im Gespräch mit SI online erzählt er, warum er Linda de Mol von der Bettkante stossen würde und was den 32-Jährigen dazu bewegt hat, im Zeichentrickfilm «Happy Feet 2» einem Pinguin seine Stimme zu verleihen.
In seiner Heimat ist Alain Clark bereits ein Star. Jetzt mischt der 32-jährige Niederländer mit seinem dritten Album «Generation Love Revival» auch die Schweizer Soul-Szene auf.
© Alexandra Pauli In seiner Heimat ist Alain Clark bereits ein Star. Jetzt mischt der 32-jährige Niederländer mit seinem dritten Album «Generation Love Revival» auch die Schweizer Soul-Szene auf.

SI online: Herr Clark, Ihre Agenda ist ja proppenvoll ...
Alain Clark: In der Tat. Das liegt daran, dass diese Woche mein neues Album «Generation Love Revival» rauskommt.

Dafür sehen Sie aber recht entspannt aus.
(lacht) Ich habe ja auch endlich mal wieder acht Stunden geschlafen.

Mit welcher Musik sind Sie aufgestanden?
Heute mit keiner, aber wenn ich morgens Zeit habe, höre ich gerne Robert Glasper. Der macht sanften Hip-Hop-Soul. Wenn ich schneller auf Touren kommen muss, dann darf es ruhig etwas mit mehr Beat sein.

«Generation Love Revival» erscheint am Freitag. Sind Sie nervös?
Und wie! Obwohl ich natürlich lieber sagen würde, dass dies nicht der Fall ist. Einfach, um cool zu wirken. Aber mit meinem dritten Studioalbum lege ich irgendwie mein Herz auf den Tisch, daher bin ich schön sehr nervös. Auch darüber, was die Anderen wohl dazu sagen werden.

Sie sind in der Schweiz unter Plattenvertrag. Wieso eigentlich?
Wo die Plattenfirma ansässig ist, war mir nicht so wichtig. Vielmehr sind es die Leute, die dahinterstecken und mit denen ich zusammenarbeite. Hier in der Schweiz habe ich viele tolle Menschen kennengelernt, die mit mir auf einer Wellenlänge sind und die mich und meine Arbeit verstehen. Das sind für mich die besten Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit.

Man sagt den Schweizern nach, etwas steif zu sein ...
Dem kann ich absolut nicht zustimmen. Die Schweizer sind ein grossartiges Publikum und im Gegensatz zu den Holländern sogar respektvoller. Sie unterhalten sich untereinander viel weniger und sind als Zuhörer fokussierter. Und da ich sie an meinen Konzerten schon beim ersten Lied miteinbeziehe, bricht das Eis sehr schnell.

Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an dieses Land denken?
Ruhe! Wenn ich beispielsweise nach Luzern fahre und vor mir die Berge und der See auftauchen, dann werde ich mit einem Male so unglaublich entspannt. Der ganze Ballast fällt von mir ab und ich empfinde eine tiefe innere Zufriedenheit. Selbst, wenn ich hier hart arbeiten muss. Und wenn ich die Menschen hier sehe, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass sie jemals gestresst sind. Obwohl das natürlich Quatsch ist. (lacht)

Am 19. September spielen Sie zusammen mit dem 21st Century Orchestra im KKL in Luzern. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?

Die Organisatoren sind Fans von mir und haben mich angefragt.

Dann herzlichen Glückwunsch zu diesem Coup!
Danke. Das erfüllt mich mächtig mit Stolz.

Sie haben einen dreijährigen Sohn ...
Ja, Nilo.

... den Sie nach Ihrem Vater Danilo benannt haben. Wie wichtig ist Ihnen Familie?
Sehr wichtig. Vor allem Leute um mich zu haben, die mich lieben. Ausserdem teile ich gerne. Das ist mindestens genauso wichtig und noch dazu sehr befriedigend.

Sie haben in «Happy Feet 2» Pinguin «Mumble» Ihre Stimme verliehen ...
(lacht) Hey, Sie wissen aber gut Bescheid ...

... haben Sie das für sich oder für Ihren Sohn gemacht?

Als ich klein war, träumte ich davon, für Disney einen Song zu schreiben. Um aber in diese Liga zu kommen, muss man unverschämt gut sein. Vor ein paar Jahren wurde ich mal angefragt, eine Rolle bei Yogi Bär zu sprechen. Dieses Projekt habe ich damals aber abgelehnt. Als ich dann Vater wurde und sie mir den «Mumble» angeboten haben, dachte ich, es wäre doch cool, wenn mein Sohn mit zehn Jahren sagen kann, hey, das ist die Stimme meines Dads.

Was wenn Sie sich entscheiden müssten? Holland oder Schweiz?
Holland, weil das meine Heimat ist und dort meine Familie lebt. Aber die Schweiz könnte ich mir irgendwann durchaus als Wohnort vorstellen.

Fondue oder die typischen holländischen Fleischkroketten?
Ich liebe Käse, aber bloss keinen geschmolzenen! Davon bekomme ich einen fiesen Klumpen im Bauch und es geht mir richtig schlecht. Auf der Pizza vertrag ich den Käse grad noch so, aber einen ganzen Topf davon? Nein, danke. Dann lieber Kroketjes.

Michelle Hunziker oder Linda de Mol?
(Lacht) Ich nehme Michelle, mit Linda im TV bin ich aufgewachsen. Sie ist toll, aber Michelle würde ich lieber treffen. Die ist sehr hübsch.

Welche musikalische Leiche haben Sie in Ihrer Plattensammlung?
Musik ist eine sehr wichtige Sprache, daher sollte sie alle Dialekte sprechen.

Es gibt also nichts, wofür Sie sich schämen?
Nein, aber ich muss das jetzt auch sagen, denn ich höre sehr gerne Country von Dolly Parton. Ich liebe ihre Stimme und ihre Auftritte. Dieses Bekenntnis verblüfft meine Mitmenschen sehr oft.

Was hören Sie unterwegs?
Ich habe gerade die kanadische Sängerin Peaches entdeckt. Deren Musik kommt beim Autofahren ziemlich gut und wird noch besser, wenn draussen die Sonne scheint.

Haben Sie beim Sport auch Musik auf den Ohren?
Ich komme derzeit kaum dazu, mich zu bewegen. Aber früher spielte ich mit meinen Freunden viel Basketball. Dazu hörten wir dann Rap-Musik von Mobb Deep.

Was hören Sie beim Abendessen?
Singer-Songwriter wie die Geschwister Angus & Julia Stone. Die sind echt toll.

Und beim Sex?
(Lacht.) Jedes Mal ein neues Album! Das ist die Regel. Ich höre nicht auf, bevor die Platte zu Ende ist.

Dann suchen Sie sich das Album heraus, das Ihnen viel Zeit lässt?
Natürlich! Genau das ist doch wichtig.

Und was hören Sie dann am liebsten?
«Lay It Down» von Al Green.

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