Heike Makatsch «Beruf & Familie bekomme ich gut unter einen Hut»

Vom Vorzeige-Girlie bis hin zur Markenbotschafterin von L'Oréal Paris: Heike Makatsch hat es geschafft. Was sie für ihr Aussehen tut, warum sie mit Sand panierte Brausebonbons bei sich trägt und was sie ihren beiden Töchtern mit auf den Weg geben möchte, verrät die 40-jährige Schauspielerin im Interview mit der «Schweizer Ilustrierten».

Schweizer Illustrierte: Frau Makatsch, Sie gelten als selbstbewusst. Was schenkt Ihnen Selbstvertrauen?
Heike Makatsch: Ich weiss nicht, ob das ein bewusster Vorgang ist, den man einfach «anschmeissen» kann. Und das ist ja das Fatale. Wenn man Selbstvertrauen braucht, kann man es nicht herbeizaubern und wenn man nicht darüber nachdenkt, ist es einem im Überfluss gegeben. Ich glaube, dass das tief in in einem Menschen verankert ist, wie man mit Situationen umgeht. Über einen roten Teppich zu laufen macht mir keine grossen Probleme. Es gibt hingegen Situationen, denen bin auch ich schlechter gewachsen und bei denen komme ich kaum drüber.

Wie gehen Sie damit um?
In unserer modernen Welt gäbe es dafür Coaching-Seminare, die lehren, wie man in jeder Lebenslage funktioniert. Aber so ist das Leben nicht und man funktioniert nicht immer. Das muss man akzeptieren. Und das ist ja auch etwas, was die eigentliche Schönheit des Menschsein ausmacht. Dass ein Mensch – auch wenn er Mal ganz in sich gekehrt und schüchtern ist - von jemandem entdeckt und geliebt wird, so wie er ist. Das ergibt die schönsten romantischen Geschichten.

Selbstbewusstsein hat auch mit Körperlichkeit zu tun. Sie sehen sehr trainiert aus...
Ich mache seit ein paar Jahren Ashtanga-Yoga aber in den letzten drei Monaten kam ich nicht dazu. Und das ist wirklich schlimm, weil es mir sehr viel gibt. Ich habe das Gefühl, dass dadurch alles in meinem Körper in Fluss kommt. Und vielleicht verleiht es mir auch innere Stärke.

Sie haben zwei kleine Töchter, da bleibt nicht viel Zeit...
Es gibt bei mir verschiedene Phasen, geballte und ruhige. Die letzten zwei Monate war ich in Leipzig beim Theater und da konnte ich die Kinder mitnehmen. Da hat dann alles gut ineinander gegriffen. Ich habe geprobt, kam nach Hause, hab mit den Kindern gespielt, Abendessen gemacht und bin früh schlafen gegangen. Es ist mein grosses Glück, dass ich regelmässig Auszeiten von etwa zwei Monaten habe, in denen ich einfach nur für die Kinder da sein kann. Beruf und Familie bekomme ich so gut unter einen Hut. Und wenn ich dann wieder arbeite, freue ich mich auch drauf.

Drei Dinge, die Sie Ihren Mädchen mit auf den Weg geben möchten?
Das Selbstbewusstsein, von dem wir anfangs gesprochen hatten und dass sie die Möglichkeit bekommen, ihr Potential zu entfalten. Und dass sie stets wissen, was für tolle Menschen sie sind. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sie auch die Personen um sich herum achten, respektieren, tolerieren und schützen.

Sie wohnen in Berlin Mitte Prenzlauer Berg. Welches ist ihr liebster Ort?
Da, wo wir wohnen ist für sich schon eine Art Familien-Kinder-Himmel. Den Weinbergpark mag ich besonders. Dort gibt’s auch ein Café und einen riesigen Spielplatz – im Sommer mit Sprenkelanlage für die Kinder. Die Sonne scheint im Sommer den ganzen Tag auf diesen Hügel, es sitzen viele junge Leute im Grass, spielen Gitarre, bemalen sich gegenseitig oder rauchen komisch aussehende Zigaretten (lacht). Es herrscht also ein wenig Hippie-Atmosphäre.

Wo trifft man Sie sonst noch an?
Frühstücken gehe ich immer im Galão. Das ist zwar sehr klein und unscheinbar aber da isst man ganz tolle Toasties. Shoppen gehe ich um die Alte Schönhauser Strasse herum, etwa an der Mulackstrasse. Da gibt’s A.P.C., Closed, Sessùn und Isabel Marant. Sehr empfehlen kann ich auch Nicole Hogerzeils Boutique Schwarzhogerzeil. Und essen gehen ich eigentlich immer in den Italiener Papa e Ciccia an der Schwedter Strasse.

Sie sind letztes Jahr 40 geworden. Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?
Ich denke, man kann sich heute relativ lange jung halten, Yoga machen, sich einigermassen gut ernähren, innerlich für sich als Mensch gerade stehen. Das alles strahlt man dann auch aus. Meine Mutter etwa ist 65 und immer noch wunderschön.

Und neben den Äusserlichkeiten?
Natürlich rückt langsam diese Endlichkeit näher. Und das Gefühl von «Ach-ich-kann-alles-immer-wieder-neu-anfangen» wird geringer. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch, dass ich zwei Kinder habe, dass ich viele Dinge mache, die ich liebe und dass ich bereits viele Erfahrungen hinter mir gelassen habe, die ich nicht mehr erleben möchte.

Haben Sie neben Ihrer Mutter noch andere Vorbilder?
Als Jugendliche habe ich John Lennon verehrt. Das war mein grosses Idol. Den habe ich damals mit all seinen Worten verinnerlicht. Seither habe ich aber irgendwie das Verehren von anderen Leuten abgelegt.

Was sind ihre drei Beauty-Geheimnisse?
Ich habe Schatten um die Augen und die decke ich immer ab. Ich denke, jede Frau kann einen kleinen Concealer gebrauchen, weil das den Blick sofort auffrischt. Und befeuchtende Augentropfen. Vor allem abends, wenn man ausgeht. Und natürlich die Revitalift BB Creme von L’Oréal Paris. Das ist eine Anti-Age-Pflege mit leichter Abdeckung für kleine Unebenheiten.

Tragen Sie einen Glücksbringer bei sich?
Ich habe immer Fotos meiner Familie mit im Portemonnaie. Daneben gibts andere Dinge in meiner Handtasche, die mich an meine Kinder erinnern. Etwa mit Sand panierte Brausebonbons oder kleine «kostbare» Bastel-Glitzersteine, die mir meine Tochter geschenkt hat.

Wie bereiten Sie Sich auf schwierige Rollen wie etwa die der Hildegard Knef vor?
Na auf diese Rollen habe ich mich doch mein Leben lang vorbereitet (lacht)! Wenn man so etwas spielt wie die Knef, da beschäftigt man sich natürlich sehr mit der Figur und wenn man einen historischen Film dreht, setze ich mich mit der Zeit auseinander. Aber wie eine Person emotional aufgebaut ist, das ziehe ich schon aus mir selbst, da zapfe ich mein inneres Wissen an und stütze mich auf meine Beobachtungen.

Was sind Ihre momentanen Projekte?
Die Theaterproduktion «Krieg und Frieden» von Tolstoy, bei der Sebastian Hartmann der Intendant ist. Diese Produktion ist ein fünf-ein-halb-Stunden-Stück. Nach jeder Aufführung fühlt man sich so, als sei man von einem Lastwagen überfahren worden (lacht). Das Stück wird im September in Leipzig premiert. Und im Oktober kommt der TV-Film «Sechzehneichen» ins Fernsehen.

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