Amy Winehouse (†) Bewegende Beerdigung für die Sängerin

Am Samstag ist Amy Winehouse gestorben - am Dienstagnachmittag wird sie im Kreise ihrer Familie und ihrer engsten Freunde beigesetzt. Abschied genommen hat auch der Schweizer Musiker Chris von Rohr. SI online zeigt Ihnen den Nachruf des Schweizer Musikers. Und wir liefern Ihnen fortlaufend die ergreifenden Bilder der Beerdigung.

Was ging Ihnen als Erstes durch den Kopf, als Sie vom Tod von Amy Winehouse erfahren haben? Bei dem Lebensstil war das ja zu erwarten? Schade, dass sie es nicht auf die Reihe gekriegt hat? Es sterben ja jeden Tag Zigtausende von Menschen? – Ja, man hat es zwar kommen sehen bei Amy, aber trotzdem hat es mich berührt und aufgewühlt.

Ich habe selbst erlebt, was es heisst, in jungen Jahren einen Musiker, ein Bandmitglied zu verlieren. Damals verstarb unser sensibler Gitarrist, ein grosses Talent, an den Folgen einer unheilbaren Drogensucht. Alles Zureden, Therapieren und Helfen brachte nichts. Wenn der Betroffene, der Kranke nicht selbst zur Einsicht kommt, können seine besten Freunde und Verwandten nichts ausrichten. Das seelische Loch, das in diesen Menschen hineingegraben wurde, war tausendmal stärker und tiefer als jeder Impuls von aussen, der dieses junge Leben hätte retten können.

Amy wurde am 14. September 1983 in London als Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Der Vater war Taxifahrer und Jazzmusiker, die Mutter Apothekerin. Die Eltern trennten sich, als sie neun Jahre alt war. Ein tiefer Einschnitt in diesem Alter. Amy besuchte bereits als Kind Theaterkurse und später eine Schule für britische Nachwuchskünstler. Als sie 18 war, unterschrieb sie ihren ersten Musikvertrag und wurde bereits für ihr Debütalbum «Frank» für die Brit Awards nominiert und schnupperte Platin-Luft. 2006 folgte das epochale Überflieger-Album «Back to Black», welches als Nummer 1 in die Weltcharts einging. Millionenverkäufe und der Riesenhype um die junge Sängerin nahmen Unheil bringende Formen an, da sie über keinerlei Schutz verfügte.

Dieses Klima des Immer-von-allem-zu-viel-Bekommens ist auch für einen gefestigten Künstler extrem ungesund. Für einen jungen, labilen, drogengefährdeten hingegen tödlich. Warum? Du hast fast nur noch Schulterklopfer, Drogendealer und devote Heuchler um dich, die von deinem Erfolg und Geld zehren wollen.

Zwangsläufig muss man sich bei Amy Winehouse fragen, ob es ein Leben vor dem Tod gegeben hat und wie dieses wirklich aussah. Wohl vor allem eine Flucht vor der Realität und ihren Dämonen. Falsche Freunde und die Bilder, die seit Jahren in der Presse herumgeisterten, haben sie und viele ihrer Fans nur noch beelendet. Ihr Umfeld strahlte eine groteske, abgestürzte Unbeholfenheit aus. Niemand schien mehr weiterzuwissen, und in ihrem Hitsong «Rehab» gab Amy auch klar durch, was sie von Entziehungskuren hielt – nämlich nichts! Ich würde Amy schöpferisch nicht in eine Reihe stellen mit Grössen wie Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin oder Kurt Cobain von Nirvana, nur weil sie es auch nur bis 27 schaffte. Sie war eher eine Mischung aus überdurchschnittlicher Stimme, lang schon da gewesener Musik und schamlos breitgeschlagenem Boulevard. Die breite Masse liebt den öffentlich praktizierten Untergang. Das war ihr Ende.

«Der Tod ist gross. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns», schrieb einst der grosse Poet Rainer Maria Rilke – wie wahr! Doch der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt. Für viele Musikliebhaber wird die junge, exzentrische und extrem seelenvolle Sängerin Winehouse mit der Turmfrisur noch lange durch ihre Musik weiterleben.

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