Die Geschichte von Boris Becker «Auf und nieder, immer wieder»

Als Tennisspieler ein Jahrhundertidol, als Geschäftsmann ein Pleitier. Jetzt wird Boris Becker 50! Die Geschichte eines Kämpfers und Stehaufmännchens.
Boris Becker
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Trotz Negativschlagzeilen steht Boris Becker bis heute im Rampenlicht.

Dass es ausgerechnet eine deutsche Metal-Band ist, die das Leben des grössten Tennis-Idols in ihrem Song «Auf und nieder, immer wieder» auf den Punkt bringt, ist Ironie. Doch das Leben von Boris Becker, der am 22. November 50 wird, verläuft nun mal genau so.

«Das Leben ist kein Jammertal, aber verrückt. Es geht auf und nieder, doch Mut schenkt Glück.»

Es ist sicher seine Kühnheit, die Boris Franz Becker, so sein bürgerlicher Name, in den Achtzigerjahren zur Tennislegende werden lässt. Furchtlos hechtet der rotblonde Jüngling aus der badischen Provinz den gelben Filzbällen nach – sein «Becker-Hecht» wird zum Markenzeichen. So wie die «Becker-Faust», seine Jubelgeste. Becker ist bis heute der jüngste Wimbledon-Gewinner in der Geschichte des Turniers. Er ist 17, als er im Final den Südafrikaner Kevin Curren in vier Sätzen mit 6:3, 6:7, 7:6 und 6:4 bezwingt.

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Die Geste nach gewonnenen Big Points wird eines seiner Markenzeichen.

«Die Zeit» huldigt ihn als den «Siebzehnjährigsten». Becker gewinnt in seiner Karriere 49 Tennisturniere im Einzel, holt 15 Titel im Doppel, wird Olympia- und dreifacher Wimbledon-Sieger. Der Schlägerschwinger inspiriert sogar Martin Walser. Der grosse deutsche Schriftsteller schreibt, er sehe an Beckers Vorderseite die ewig aufgeschürften Knie. Gleichzeitig wolle er nicht ausschliessen, dass an seiner Hinterseite Flügel seien. Walser sieht in Becker nicht weniger als eine Heiligenfigur. Und Papst Johannes Paul II. segnet seinen Schläger.

«Das Leben will spielen, hat viel Fantasie. Es ist voll Überraschungen, was kommt, weiss man nie.»

Das letzte Spiel verliert Becker 1999 im Wimbledon-Achtelfinal gegen den Australier Patrick Rafter. Mit den Worten «Das war mein letztes Tennismatch» verabschiedet er sich, gerade mal 31 Jahre alt, vom Profisport. Fortan macht er auf Geschäftsmann. Unvergessen der Kultspot «Bin ich schon drin?», in dem Boris 1999 für die US-Internetfirma AOL wirbt.

Boris Becker Novak Djokovic
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Als Trainer führt er Novak Djokovic 2014 an die Spitze der Weltrangliste.

Er beteiligt sich am Internetportal Sportgate, das 2001 Insolvenz anmeldet und Becker ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf versuchten Prozessbetrug einbringt, wird Eigentümer von drei Mercedes-Autohäusern an der Ostsee, moderiert eine Talkshow namens «Becker 1:1», die realtiv schnell abgesetzt wird – und ist als Tennisexperte für deutsche und britische TV-Sender im Einsatz.

«Auf und nieder, immer wieder. So schreibt das Leben seine Lieder.»

Im Zenit seiner Karriere heiratet Becker im Dezember 1993 die hochschwangere Fernsehschauspielerin Barbara «Babs» Feltus. Im Januar darauf ist ihr erster Sohn Noah Gabriel da. Fünf Jahre später folgt Elias Balthasar. 

So weit, so gar nicht gut. Denn als «Babs» mitbekommt, dass ihr «Bobbele», während sie in den Wehen lag, mit dem russischen Model Angela Ermakowa in einer Besenkammer (laut Becker wars die Treppe zwischen den Toiletten des Londoner Nobelrestaurants Nobu) rummachte und dabei auch noch eine Tochter (Anna, heute 17) zeugte, klagt sie in Miami auf Sorgerecht und Unterhalt. Millionen TV-Zuschauer verfolgen am 15. Januar 2001 Teil 1 des Justizspektakels Barbara Becker vs. Boris Becker. Das Paar einigt sich schliesslich. Boris wird wieder Single – zahlt 30 Millionen Mark an seine Ex.

«Es ist ein Abenteuer, eine Möglichkeit. Und eine Tragödie voll Schönheit.»

Becker hat viele Abenteuer mit exotischen Schönheiten: Rapperin Sabrina Setlur, Playmate Heydi Núñez Gómez, Model Sharlely «Lilly» Kerssenberg. Boris serviert die Niederländerin per SMS ab, um sich mit Alessandra «Sandy» Meyer-Wölden, der Tochter seines verstorbenen Managers, zu verloben. Nur drei Monate später folgt die Entlobungstragödie. 

«Für Leichtsinn lasse ich mich gern begeistern. Denn Leben lernen heisst den Abgrund meistern.»

Leichtsinnig füllt er Steuererklärungen aus, wird dafür 2002 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. 3,3 Millionen wollte er mit «bewusst falschen» Angaben sparen. Privat hangelt er sich aus dem Liebesabgrund, heiratet im Juni 2009 «Lilly», die er noch im Jahr zuvor abserviert hatte, zieht mit ihr nach London und wird nochmals Vater – von Amadeus, 7.

INSTAGRAM

Boris zeigt Fans auf Instagram auch sein Privatleben mit Lilly und Amadeus.

«Sitz ich dann im Dunkeln, zünd ich ein Lichtlein an. Und geht etwas zu Ende, fang ich was Neues an.»

Dunkle Wolken verdichten sich diesen Juni über ihm, als ihn eine Richterin am Londoner High Court für zahlungsunfähig erklärt. Sein Schuldenstand soll 40 Millionen Euro betragen. In einem «NZZ»-Interview bestätigt er kürzlich das Insolvenzverfahren, sagt aber auch, «es ist irrsinnig zu glauben, ich sei pleite».

«Auf und nieder, immer wieder. So schreibt das Leben seine Lieder.»

Beckers Leben geht auch mit 50 auf und nieder. Er hat sogar mal Geld verliehen, statt sich welches zu leihen. Ion Tiriac, 78, laut «Forbes» eine Milliarde Dollar schwer, bekam 1988 von seinem einstigen Schützling 600 Franken. Die zwei waren auf der Autobahn bei Stans NW in eine Radarfalle gerauscht. Boris’ Porsche 959 mit 164 km/h, Tiriacs Bentley mit 177. Becker musste 450 Franken bei der Polizei deponieren, Tiriac 600. Nur: Der hatte nix dabei – so zahlte Boris für seinen Manager.

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