Mutige Aktion Bülent Ceylan schiesst öffentlich gegen Erdogan

Vor 17'000 Zuschauern tut der Komiker Bülent Ceylan, was sich viele Türken nicht trauen: Er spricht sich gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus. Wie gefährlich ist diese Aktion?
Bülent Ceylan
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Bülent Ceylan ist bekannt für seine kraftvollen Auftritte. Jetzt legt sich der Comedian mit dem türkischen Präsidenten an.

Eigentlich hätte es ein fröhlicher und unterhaltsamer Abend werden sollen: Der deutsch-türkische Komiker Bülent Ceylan, 41, trat vergangenen Samstag am «Stars for Free»-Festival des Radiosenders 104.6 RTL auf. Neben den Konzerten von Tim Bendzko, 32, Marlon Roudette, 34, oder Adel Tawil, 39, ist Ceylan gekommen, um das Publikum zum Lachen zu bringen.

Eigentlich keine grosse Sache für den TV-Star. Schliesslich nimmt er sich selbst und die Beziehung zwischen Türken und Deutschen seit Jahren auf die Schippe und kommt auf beiden Seiten gut an mit seinem Humor. Doch diesmal hat er neben dem Spass eine klare Botschaft, wie «Bild» berichtet. Ohne Vorwarnung ruft er ins Publikum: «Ihr seid doch auch froh, dass endlich mal ein Türke in Berlin sagt, dass er gegen Erdogan ist!» Der sitzt. Das Publikum tobt.

Kritik ist in der Türkei gefährlich

Kritik an Regierungen und Staatsoberhäuptern hat einen festen Platz in der Comedy-Kultur. Die Satire ist ein wichtiges demokratisches Instrument, um die vermeintlich Allmächtigen zu kritisieren und wird vor allem in den USA stark zelebriert. Präsident Donald Trump liefert dort den zahlreichen Late Night Shows Woche für Woche die besten Vorlagen für Pointen. Nicht so in der Türkei: Zwar gäbe es auch da vieles zu kritisieren am Regierungsstil Erdogans, 63, und seinen Angriffen auf die türkische Demokratie, doch wer sich gegen den mächtigsten Mann in der Türkei ausspricht, muss mit Verhaftungen rechnen. Seit dem Putsch-Versuch im Juli 2016 wurden viele Journalisten weggesperrt, zum Beispiel der «Welt»-Korrespondent Deniz Yücel, welcher Doppelbürger ist – wie Bülent Ceylan.

Auch in Deutschland nicht sicher

Es ist also mutig von Ceylan sich gegen Recep Tayyip Erdogan zu stellen. Zumal das türkische Staatsoberhaupt gerade in Deutschland viele Anhänger hat. Nachdem er die Bühne verlässt, sagt Ceylan etwas ehrfürchtig vor seiner eigenen Tat zu einem Freund: «Ich habs gesagt! Ich habs gesagt! Wenn ich jetzt erschossen werde, dann in Berlin. In Kreuzberg darf ich mich heute aber nicht mehr blicken lassen.»

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