Angela Merkel Der Kanzlerin stehen schwierige Zeiten bevor

Deutschland hat gewählt: Die Union mit Angela Merkel an der Spitze hat zum vierten Mal in Folge eine Bundestagswahl gewonnen. Euphorie ist aber fehl am Platz, denn die Union hat hohe Verluste gemacht. Der früheren Willkommens-Kanzlerin stehen in ihrer voraussichtlich vierten Amtszeit harte Diskussionen bevor.
Angela Merkel, Wahltag 24.09.2017, Porträt
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Deutschland hat am 24. September gewählt: Bundeskanzlerin Angela Merkel gewinnt die Wahl mit hohen Verlusten.

«Mutter Merkel», Helmut Kohls «Mädchen», «Virtuosin der Verzögerung» - Angela Merkel hat viele Namen. Es werden wohl noch einige hinzukommen, denn seit gestern Sonntagabend ist klar, ihre Partei, die CDU, bleibt zusammen mit ihrer Schwesterpartei, der CSU, stärkste Kraft im Bundestag.

Doch wirklich freuen kann sich Merkel über ihre voraussichtlich vierte Amtszeit nicht. In der kommenden Legislatur sitzt aus Sicht von Merkels Christdemokraten ein neuer Feind mit im Parlament: Die rechtspopulistische AfD (Alternative für Deutschland). Die 2013 gegründete Partei ist zum ersten Mal Mitglied des Bundestags und wird mit 13 Prozent gleich drittstärkste Partei.

Angela Merkel, Merkel Raute, Geste
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Bei öffentlichen Auftritten sieht man Angela Merkel häufig mit dieser Geste. Ob sie das Selbstvertrauen und die Souveränität auch in der kommenden Legislatur behält?

Der Jubel im AfD-Lager war gestern Sonntag dementsprechend am grössten. Nach dem Triumph ist AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland mit einer aggressiven Rhetorik vor seine Anhänger getreten: «Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen», sagte Gauland in Berlin. Das klingt nicht nach konstruktiver Zusammenarbeit. Die im Zusammenhang mit der europäischen Flüchtlingskrise genannte «Mutter Merkel» wird in ihrer vierten Amtsperiode zur «Gejagten».

Merkel will bleiben

Nach den hohen Verlusten (etwa 8,5 Prozentpunkte) der CDU/CSU hat sich Merkel vor den Medien zurückhaltend geäussert: «Ich hätte mir sicherlich ein etwas besseres Ergebnis gewünscht.» Obschon ihre Partei das zweit schlechteste Wahlergebnis in der Geschichte eingefahren hat, beanspruchte Merkel die Regierungsbildung für die Union und kündigte entsprechende Gespräche an: «Wir haben einen Auftrag, eine Regierung zu bilden. Und gegen uns kann keine Regierung gebildet werden», sagte die CDU-Vorsitzende gestern Sonntagabend.

Harte inhaltliche Auseinandersetzungen

Fest steht: Der 63-Jährigen stehen schwierige Zeiten bevor. Neben dem Einzug der rechtspopulistischen AfD sitzen neu sieben Parteien im Bundestag. Es wird dementsprechend schwierig werden, Mehrheiten zu finden. Die Kanzlerin muss sich auf raue Töne und harte Diskussionen einstellen.

Ergebnisse Bundestagswahl
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