Cindy aus Marzahn Vom «schwarzen Schaf» zum Comedy-Star

Sie gehört zu den berühmtesten Comedians Deutschlands und hats sogar an den Broadway geschafft. Doch Cindy aus Marzahn stand nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens. Wie sie ihre schlimmste Zeit überstand, wie das Verhältnis zu ihren Eltern ist und was sie am meisten verletzt hat, erzählt sie in einem Interview.
Cindy aus Marzahn Tour 2014 New York Broadway
© Dukas

Cindy aus Marzahn ist im Comedy-Olymp angekommen. In New York performt sie am Broadway «Caroline's Comedy Club» für Mitglieder der German Community.

Rosa Jogging-Anzug, blonde Lockenperücke und schrilles Make-up - so kennen und lieben sie ihre Fans. Doch Ilka Bessin - wie Cindy aus Marzahn mit bürgerlichem Namen heisst - kann auch anders. Nachdenklich und verletzlich, was auf ihre Zeit als Hartz-IV-Empfängerin zurückzuführen ist.

Damals gings ihr richtig mies, am schlimmsten war es «keine Aufgabe zu haben», wie sie im Interview mit der Zeitschrift «Gala» verrät. «Essen war die Hauptbeschäftigung. Ich bin erst um 14.00 Uhr aufgestanden, weil ich bis morgens um vier Fernsehen geguckt habe.» Tagein, tagaus immer derselbe Ablauf - nach dem Aufstehen radelte die 42-Jährige entweder zum Supermarkt oder zu McDonald's. Und obwohl Ilka Bessin in dieser Zeit nicht viel zu lachen hatte, gabs doch immer wieder kuriose Situationen. Zum Beispiel auf dem Arbeitsamt. Ihre Jobvermittlerin wollte, dass sie sich in Österreich als Ski-Animateurin bewirbt - trotz 30 Kilo übergewicht. «Ich sagte ihr: Ich passe doch in keinen Skianzug!», so die Stand-up-Komödiantin.

Um irgendwie wieder Fuss zu fassen, bewarb sie sich als Kellnerin im «Quatsch Comedy Club», dort erkannte jemand ihr komisches Talent und holte sie auf die Bühne. Mit der DVD ihres Auftritts bewarb sie sich bei verschiedenen TV-Stationen. Und die Rettung nahte. «Plötzlich rief der Produzent von ‹TV Total› an: ‹Heidi Klum kürt nächste Woche die Siegerin von ‹Germany's next Topmodel› - hast du Lust, eine Nummer dazu zu machen?›». Aus Ilka Bessin wurde Cindy aus Marzahn und ihr Telefon stand vor lauter Anfragen nicht mehr still. Mittlerweile tritt sie sogar am Broadway in New York auf.

Mit dem Erfolg kamen aber nicht nur positive Reaktionen. Neider machten sich über ihr Aussehen lustig. Das Verletzendste, das sie je erlebt hat, sei eine Begegnung im Hamburg gewesen. Nach einem ihrer Auftritte kam ein Mann auf sie zu und meinte: «Ach, Sie sind ja gar kein Mann. Schade. Als dicke Transe hätte ich sie lustig gefunden, als Frau finde ich Sie scheisse.» Nach solchen Erlebnissen sucht die Humoristin Trost bei ihren Eltern. «Wenn es mir schlecht geht, fahre ich nach Hause und sie streicheln mir über den Kopf. Wenn es mir gut geht, fahre ich nach Hause und bekomme Erdbeerkuchen mit Schlagsahne.» Ihren Eltern ist sie für die entgegengebrachte Liebe unendlich dankbar. Auch während ihrer Zeit als Hartz-IV-Empfängerin konnte sie sich auf ihre Familie verlassen. «Mein Vater hat immr zu mir gesagt: ‹Du bist zwar das schwarze Schaf der Familie, aber dafür lieben wir dich umso mehr.›» 

Cindy aus Marzahn Tour 2014 New York Ilka Bessin
© Ausriss Gala

«Ich habe mich noch nie in meinem Leben so schön gefühlt», bedankt sich Cindy aus Marzahn nach ihrem Shooting in New York bei der «Gala».

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