Papst Benedikt XVI. Das müssen Sie zu seinem Rücktritt wissen

Damit hat niemand gerechnet: Der amtierende Papst Benedikt XVI. legt sein Amt per Ende Februar aus Altersgründen nieder. Er ist das erste römisch-katholische Kirchenoberhaupt der Neuzeit, das freiwillig abdankt. SI online hat die schönsten Bilder von Joseph Ratzinger, so sein bürgerlicher Name, im Vatikan zusammengetragen und erklärt, wie es für ihn und die Kirche weitergeht.

Diese Meldung lässt die ganze Welt aufhorchen: Papst Benedikt XVI. tritt per 28. Februar 2013 zurück. Er sei mit 85 Jahren zu schwach, um das Amt in angemessener Weise weiter auszuführen, sagt er in seiner Stellungnahme.

Ein historischer Moment! Seit dem 13. Jahrhundert hat kein Papst mehr seinen Rücktritt bekannt gegeben, sämtliche Vorgänger Benedikts schieden durch den Tod aus ihrem Amt. SI online hat die Antworten auf die wichtigsten Fragen für Sie zusammengetragen.

  • WAS IST DER WAHRE GRUND FÜR DEN RÜCKTRITT?

Wohl wirklich das fortgeschrittene Alter von Joseph Ratziger, so heisst der Papst bürgerlich. Das bestätigt auch sein Bruder Georg Ratzinger gegenüber der deutschen Presseagentur dpa: «Das Alter drückt.»

Georg habe seit Monaten von den Rücktrittsplänen seines Bruders gewusst, sagt er. Und erzählt: Der Arzt habe seinem Bruder dazu geraten, keine transatlantischen Reisen mehr zu unternehmen. Papst Benedikt habe Mühe beim Gehen, ermüde rasch, sagt Georg Ratzinger. An einer konkreten Krankheit leidet Papst Benedikt aber nicht, sagt Vatikan-Sprecher Frederico Lombardi bei einer Medienkonferenz. Georg erklärt: «Mein Bruder wünscht sich im Alter mehr Ruhe.» 

  • WIE REAGIERT DER VATIKAN AUF DIESES AUSSERGEWÖHNLICHE EREIGNIS?

Als Papst Benedikt XVI. am Montag, 11. Februar 2013, während einer öffentlichen Gesamtversammlung der Kardinäle, auch «Konsistorium» genannt, seinen Rücktritt bekannt gab, waren die Anwesenden überrascht.

«Heiliger Vater, geliebter und verehrter Nachfolger Petri, wie ein Blitz aus heiterem Himmel hat diese Versammlung Ihre bewegende Botschaft gehört», meinte der Vorsteher («Dekan») des Konsistoriums, Angelo Sodano, gemäss Radio Vatikan. «Wir haben sie mit Fassungslosigkeit und beinahe ungläubig gehört.»

  • WIE SIEHT DIE ZUKUNFT VON BENEDIKT AUS?

Zuerst reist er auf seinen Sommersitz Castelgandolfo. Vatikan-Kenner gehen davon aus, dass Benedikt sich dann in ein Kloster begibt, beispielsweise ins Karmel-Kloster innerhalb der Vatikanmauern.

Klar ist bereits jetzt, dass Joseph Ratzinger innerhalb der Kirche keine Funktion mehr übernehmen wird. Auch hat er kein Mitspracherecht bei der Wahl seines Nachfolgers.

  • WIE GEHT ES IM VATIKAN WEITER?

Bereits vor Ostern, also vor Anfang April, wird ein neuer Papst gewählt, teilte der Sprecher des Vatikans, Frederico Lombardi, mit. In der Zeit zwischen Benedikts Abgang und der Neuwahl liegt die Verantwortung beim Kardinalskollegium. Gemäss Kirchenrecht müssen die Kardinäle die römisch-katholische Kirche dann so weiterführen wie bis anhin. In der «Leitung der Gesamtkirche darf nichts geändert werden», schreibt es das Kirchenrecht vor. In der «Sedisvakanz», der Zeit des «leeren Stuhles», trifft sich das Kardinalskollegium täglich, um die anfallenden Dinge zu besprechen. 

Weiter sieht das Kirchenrecht für die Neuwahl eines Papstes vor, dass dieser zwischen dem 15. und 20. Tag nach dem Tod seines Vorgängers gewählt werden muss. Obschon Papst Benedikt sein Amt freiwillig niederlegt, gilt dieselbe Regelung. Dann werden alle Kardinäle, die noch nicht 80 Jahre alt sind, in die Sixtinische Kapelle zur Abstimmung gerufen. Bis zur Neuwahl bleibt die Kapelle verschlossen, es besteht kein Kontakt zur Aussenwelt («Konklave»).

Damit ein neuer Papst gewählt ist, braucht er zwei Drittel aller Stimmen. Solange dieses Ergebnis nicht erreicht wird, werden die Wahlzettel traditionsgemäss mit nassem Stroh, Öl und Pech verbrannt: Dann steigt schwarzer Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle.

Ist ein Wahlgang erfolgreich und konnte ein neuer Papst bestimmt werden, werden die Wahlzettel mit trockenem Stroh verbrannt: Dann steigt weisser Rauch aus der Kapelle und die Welt erfährt - «Habemus papam!», wir haben einen neuen Papst.

Sehen Sie in der SI-online-Galerie Bilder von Papst Benedikt XVI.

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