Kaiser Akihito Deshalb hat er in Japan nichts zu sagen

Seit vergangenem Freitag wird Japan von Krisen geschüttelt. Am Mittwoch hat sich erstmals der Kaiser zu Wort gemeldet - nur warum hat er damit so lange gewartet? SI online hat nachgefragt.
Fünf Tage nach dem Erdbeben in Japan spricht Kaiser Akihito zum Volk.
© MICHAEL CARONNA Fünf Tage nach dem Erdbeben in Japan spricht Kaiser Akihito zum Volk.

Erdbeben, Tsunami, nukleare Katastrophe: In Japan jagt derzeit eine Horromeldung die nächste. Bilder von Menschen vor zerstörten Häusern gehen um die Welt, die Medien berichten im Minutentakt. Die Regierung des Landes selbst hält sich allerdings zurück mit Informationen. Und vor allem einer schwieg bis am Mittwoch gänzlich - der Kaiser. Verschliesst der Tenno, wie Kaiser Akihito, 67, in Japan heisst, etwa die Augen vor der Katastrophe? Ganz und gar nicht, wie SI online von Prof. Dr. David Chiavacci vom ostasiatischen Seminar für Japanologie der Universität Zürich erfuhr.

«Der Kaiser hat in Japan nur repräsentative Funktionen, er ist einzig Symbol für den japanischen Staat.», sagt Chiavacci. Das Sagen hat dieser Tage Premierminister Naoto Kan, ihm werde geglaubt. Er sei es auch, der die Rede des Kaisers - er zeigte sich «zutiefst besorgt» - im Vorfeld abgesegnet habe. Beim Erdbeben von Kobe 1995 habe zwar Kaiserin Michiko die Menschen dort besucht, die öffentliche Anteilnahme werde aber vom Volk nicht erwartet.

Dies sehen auch deutsche Wissenschaftler so. Prof. Dr. Gabriele Vogt, Japanologin an der Universität Hamburg fragt sich aber laut dem «Hamburger Abendblatt», ob es dem Kaiser vielleicht auch gesundheitlich nicht gut gehen könne. Es habe in den letzten Monaten Berichte über Herz- und Kreislaufprobleme Akihitos gegeben. Zudem wird spekuliert, ob die kaiserliche Familie überhaupt noch in Tokio ist.

Eine Abreise aus der Region stellt sich Chiavacci jedoch schwierig vor: «Wenn bekannt werden würde, dass der Kaiser Tokio verlässt, käme das beim Volk gar nicht gut an.» Aber selbst das entscheide der Tenno kaum selbst, sondern der politische Führer Kan.

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