Kate Middleton Die Bürden der zukünftigen Prinzessin

Um die Verlobung mit Prinz William beneiden wahrscheinlich Tausende von Frauen die bürgerliche Kate Middleton. Doch auch am britischen Hof ist nicht alles Gold was glänzt. Royal-Experte Andreas C. Englert erklärt wieso.
Die Bürden der zukünftigen Prinzessin
Die Bürden der zukünftigen Prinzessin

April 2010, Tiverton, ein romantisches Städtchen in der südenglischen Grafschaft Devon: Ein junges Paar und seine Hochzeitsgäste vor der St. Peter's Church. Eine traditionelle Hochzeit auf dem englischen Lande. Aus dem Kreis der 300 Gäste des Brautpaars Emilia d'Erlanger und David Jardine-Paterson sticht eine junge Frau im roten Kleid sofort aus der Menge, obwohl sie bemüht ist, nicht aufzufallen.

Es ist Kate Middleton, 28 – seit sieben Jahren die Prinzessin der Herzen von Thronfolger William, 28, und vielleicht mal die Königin der Herzen – und Nachfolgerin von Diana (1961-97). Beide haben eines gemeinsam: Sie sind der strahlende Mittelpunkt, wo immer sie hinkommen. Sie bezaubert durch ihr Lächeln, ihre Natürlichkeit.

Vor 13 Jahren verunglückte Prinzessin Diana – exakt am 31. August 1997 verstarb nach einem Autounfall in Paris. Millionen trauerten weltweit, monatelang noch bestimmten Diana und ihr tragischer Tod die Schlagzeilen. Die Diana-Welle ist längst abgeebbt, ihr Andenken wird gewahrt – ihr Mythos bleibt aber unsterblich. Bei aller Pietät: Das Königshaus und die Briten schauen in die royale Zukunft. Klar ist vor allem eines: Die Familie braucht eine neue Diana. Dringend. Nur: Die täglich neuen Skandal-Schlagzeilen, Indiskretionen und Scheidungskrieg, die einst Diana begleiteten, wären heute das Ende der mit Mühe genesenen Monarchie.

Die Last ist schwer – und auf einem Paar ruhen alle Hoffnungen: Prinz William, 28, und Kate Middleton, 28, seit sieben Jahren – von einer kurzen Pause im Frühjahr 2007 abgesehen – die Frau an der Seite des Prinzen. Seit dem 16. November 2010 ist sie das nun auch offiziell: Dann gab das britische Traumpaar seine Verlobung bekannt.

Die Hochzeit findet 2011 statt. Der Tag dafür könnte der 29. Juli sein, der Tag, an dem im Jahr 1981 auch Williams Vater Charles, 61, und Diana heirateten. Eine schöne Hommage an Williams Mutter, aber auch eine gefährliche Symbolik: Der 29. Juli ist das Datum einer Traumhochzeit, die die Welt verzauberte. Aber auch das Datum einer Eheschliessung, die in einer grossen Tragödie endete.

Die Chancen für Diana standen von Anfang an nicht gut: Keine 20 Jahre alt, wurde sie als Braut des Thronfolgers aus dem Hut gezaubert, der Weltöffentlichkeit vorgestellt – und dann weitgehend sich selbst überlassen. Keiner schützte sie vor der Wucht der geballten Journaille, die ab dem nächsten Tag für den Rest ihres Lebens über sie hereinbrach und bis zur Tod kein Ende fand. Diana war nie allein, aber ständig einsam. Sie flüchtete sich in die Arme falscher Freunde, indiskreter Liebhaber und ehrgeiziger Mitläufer, die sich im Ruhm der «Prinzessin der Herzen» sonnen wollten.

William, der 15 Jahre alt war, als seine Mutter starb, wird aus vielem in der Vergangenheit seine Schlüsse gezogen haben – und so handeln, um sich und seiner Kate ähnliche Fehler und deren fatale Folgen zu ersparen. In sieben Jahren Beziehung hatte das Paar ausreichend Zeit, zu prüfen, ob es auf Dauer zusammen passt. Mittlerweile hat der Prinz sogar ein Haus für sich und Kate auf der zu Wales gehörenden Insel Anglesey gemietet. Die Adresse ist ein Staatsgeheimnis, nicht einmal Luftaufnahmen davon gibt es bisher.

Die Sehnsucht nach dem «normalen Leben» ist gross – manchmal zum grossen Erstaunen der Einheimischen. So fuhren die beiden Anfang Juli in Williams schwarzen Audi Avant vor dem Dorfladen «McColl's» im Dörfchen Blaenau Ffestiniog vor, posteten Tiefkühlpizzen und Salat. Die Rechnung von 12,60 Pfund musste Kate mit ihrer Platinum-Karte bezahlen – William hatte kein Bargeld dabei. Normalerweise zahlen bei den Royals die Leibwächter.

Die staunende Besitzerin musste der Nachbarschaft anhand der Aufnahmen ihrer Sicherheitskamera beweisen, dass niemand anders als Kate und William bei ihr einkauften. Und im Küstenstädtchen Tenby schütteln Wirt und Stammgäste des Pubs «Three Mariners» in St Georges Street noch immer ungläubig den Kopf, wenn sie an einen Abend im Spätsommer 2009 denken, an dem auf einmal William mit Militärkameraden an der Bar stand und Bier orderte.

Im Gegensatz zu seinen Vorfahren muss William auf den Zeitgeist achten: Fast ein Jahrzehnt hat Kate ihr Leben auf das komplizierte Leben des Prinzen abgestimmt, einige ihrer besten Jahre und eine entscheidende Zeit für ihre eigene Karriere für ihn geopfert. Je länger er die von allen erwartete Hochzeit hinauszögert oder sich gar davor drückt, desto mehr Sympathiepunkte büsst er ein. Denn, eines ist sicher: Kate hat sich längst für ihn entschieden.

Spätestens, als sie vor drei Jahren ihre Karriere als Accessoires-Einkäuferin bei der Modekette «Jigsaw» aufgab. Ein Job, der mit an die 100 000 Franken Jahressalär gut dotiert war und ihr gute Aufstiegschancen eröffnet hätte. Sogar ein Praktikum bei Anna Wintour, der legendären Chefin der Vogue in New York, trat sie nicht an. Stattdessen zog sie sich weitgehend in das elterliche Anwesen in Buckleburry, Berkshire, zurück. Sie arbeitete pro forma, indem sie Fotos für die Webseiten des Versandhandels ihrer Familie machte.

In keiner Hinsicht ein adäquater Job für eine junge Frau mit gutem Abschluss an der angesehenen Universität von St. Andrews in Schottland, wo sie einst William traf. Dutzende von Charitys stehen bei Kate Schlange – sie würden sie gerne für eine Schirmherrschaft gewinnen. Genauso begehrt war einst die Unterstützung von Diana. Die Queen, so sagen Insider, wäre nicht abgeneigt – aber: «Alles, was an Kate herangetragen wird, landet erst einmal auf den Schreibtischen in Clarence House», sagt Royal-Biograph Nicholas Davies, einer der wenigen aus dem Umfeld des Paars, der sich ab und zu einen Kommentar zu Kate und William erlaubt und die Beziehung des Paars so beschreibt: «William konnte von dem Moment an, als er Kate das erste Mal sah, die Augen nicht von ihr lassen. Er liebt an ihr, dass sie so voller Leben und selbstbewusst ist.»

Das Schlüsselwort für den Weg in die Familie Windsor heisst Diskretion. Die von Diana und ihrem Umfeld begangenen Verstösse dagegen sind noch heute das Trauma des Königshauses. Kate hingegen hat bisher Bestnoten verdient: Weder sie selbst noch ihre Familie plauderten bisher ein Sterbenswort über die Beziehung zu William oder den Prinzen selbst aus.

Als im Juni letztmals ein britischer Journalist Kates Mutter Carole nach dem Fortgang der Beziehung von Kate und William fragte, sagte sie: «Im Moment ist sehr viel bei uns los.» Immerhin eine Antwort, wenn auch ohne Wert. Die Regeln für die wenigen Auftritte von Kate und William sind deutlich – wie bei der Hochzeit in Tiverton: Wenn die beiden erscheinen sollen, keine Fotografen, keine Kamerateams, keine Journalisten. Nicht einmal von der Lokalzeitung oder seriösen Adelsblättern wie «Majesty», die sowieso nie ein böses Wort schreiben würden.

Was auf dem Schreibtisch von Clarence House, wo der Stab von William residiert, landet, wird so gut wie immer abgeblockt. Kate reduzierte sie ihre Auftritte an Williams Seite auf «sichere» Termine: Hochzeiten alter Freunde – stets ohne Pressefotografen. Ein paar öffentliche Anlässe – meist für Charitys, Polo-Turniere mit handverlesenem Publikum.

Dafür keine wilden Partys, keine langen Nächte in den Londoner Szene-Clubs, keine Auftritte im internationalen Jet-Set. Der Verzicht mag ihr nicht leicht fallen – aber die Konsequenz, mit der Kate ihr Leben managt, hat das Königshaus längst überzeugt. Weder die Queen, 84, noch der menschlich schwierige Prinzgemahl Philip, 89, noch Charles werden William und Kate Steine in den Weg zum Traualter legen.

Prinzessin Diana, jünger als Kate, unerfahrener und ohne professionelle Unterstützung wollte sich nichts vorschreiben lassen – zu gerne sah sie sich als Medienstar, als Lichtgestalt, die das Bad in Menschenmengen genoss. Allerdings: Als Diana sich so entschied, hatte sie den Trauring schon an der Hand.

Die Last auf den Schultern des jungen Paars ist gross: Eine Traumhochzeit mit allem Pomp wäre eine schöne Werbung für Grossbritannien, das heftig gegen die Folgen der Wirtschaftskrise und den unpopulären Militäreinsatz im Irak kämpft. Die langfristige Seite: Nur Prinz William besitzt die Popularität, auch nach dem Tod der Queen die Massen weiterhin für die Monarchie zu begeistern. Probeläufe, wie ein mehrtägiger Besuch in Australien – wo Britanniens Monarch bis heute als Staatsoberhaupt gilt – waren volle Erfolge: Jahrzehntelang waren die Australier mehrheitlich gegen die Monarchie. Als William abreiste, gab es erstmals wieder eine Majorität für die Beibehaltung.

Keine Frage: William könnte für die Zukunft der König der Herzen sein. Und der braucht auch eine Königin der Herzen. Derzeit gibt es weit und breit keine andere Kandidatin als Kate – doch noch fehlt das Wichtigste: Die Hochzeit. Der Zeitpunkt dafür war nie zuvor besser – für Kate, William, England und die Krone.


Andreas C. Englert ist Royal-Experte und stv. Chefredaktor der deutschen Illustrierten «Frau im Spiegel»

 

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