Was macht eigentlich... ...die Gruppe Dschinghis Khan

Sie belegten einst den vierten Platz beim Eurovision Song Contest von 1979 und fielen durch ihre aussergewöhnlichen Choreographien auf. Heute ist nur noch eines der sechs Mitglieder der Retortenband Dschinghis Khan erfolgreich. Und das möchte nun in die Politik.
Von der sechsköpfigen Band ist heute nur noch Leslie Mandoki erfolgreich. Er ist Musikproduzent und geht ab Herbst in die Politik.
© Dukas / Montage Von der sechsköpfigen Band ist heute nur noch Leslie Mandoki erfolgreich. Er ist Musikproduzent und geht ab Herbst in die Politik.

Die deutschen Christsozialen wollen sich mit Leslie Mandoki moderner geben. Deshalb wird ihn die oberbayrische CSU zum Kandidaten für den Landtag nominieren. Der ehemalige Sänger der Dschinghis Khan kandidiere aus einem patriotischen Gefühl heraus, erzählt der angehende Politiker im Interview mit der «Südwest Presse». Mandoki habe von Deutschland viel empfangen, deshalb möchte er auch etwas zurückgeben. 

Leslie Mandoki, der ursprünglich aus Ungarn stammt und dort am Musikkonservatorium Budapest studiert, flieht 1975 vor der kommunistischen Regierung nach München. Er erhält die deutsche Staatsbürgerschaft und verdient sein Geld als Studiomusiker. Doch der Erfolg kommt erst mit der Musikgruppe Dschinghis Khan. Mit ihrem gleichnamigen Lied belegt die Retortenband 1979 den vierten Platz beim Eurovision Song Contest. 

Der Hit aus Ralph Siegels Hitschmiede hält sich vier Wochen lang auf Platz eins der deutschen Charts und weitere Hits wie «Rocking Son of Dschinghis Khan», «Der Verräter» und «Moskau» folgen. 

Für ihre Bühnenpräsenz und ihre aussergewöhnlichen Choreographien erhält die Band 1980 den deutschen Fernsehpreis Bambi. Da die meisten ihrer Lieder auch in englischer Sprache produziert werden, sind sie in der Sowjetunion, Japan, Australien und Israel überaus erfolgreich. Nach einem von Ralph Siegel verordneten Image-Wechsel bleiben die Erfolge jedoch aus. Volkstümlich angehauchte Lieder wie «Loreley» oder «Der Dudelmoser» finden beim Publikum nur wenig Anklang.

Erst 1984 kommt es mit dem Musical «Corrida» und dem gleichnamigen Album nochmals zu einem musikalischen Höhepunkt. Zwei der Titel werden bei Frank Elstner in der Sendung «Wetten, dass..?» uraufgeführt. Nur ein Jahr später trennen sich Steve Bender, Wolfgang Heichel, Leslie Mandoki, Edina Pop, Louis Hendrik Potgieter und Henriette Heichel.

DIE ERSTE WIEDERVEREINIGUNG
1986 kommt es zu einer kurzzeitigen Wiedervereinigung als «Dschinghis Khan Family». Von der Ursprungsformation bleiben jedoch nur Henriette Heichel, Leslie Mandoki sowie der «tanzende Dschinghis-Khan» Louis Hendrik Potgieter übrig. Das Trio tritt erneut bei der nationalen Vorentscheidung des Eurovision Song Contest an und belegt mit ihrem Lied «Wir gehör'n zusammen» einen passablen zweiten Platz. Dieser bleibt jedoch der einzige Höhepunkt in ihrer kurzen Bandhistorie. Nach einer weiteren Single ist dann aber auch wieder Schluss.

DIE LETZTEN ZUCKUNGEN DER BAND
Ende der 90er-Jahre erfolgt die erste Reunion sowie ein Auftritt im japanischen Fernsehen. Bis 2007 starten sie immer wieder Versuche, die ehemalige Band mit einem Teil der Mitglieder aufleben zu lassen: 

2005 präsentieren sie in Moskau einen Grossteil ihrer ersten Platte und spielen unter Beifallsstürmen vor 30'000 Zuschauern. 2006 Jahr folgt ein Auftritt in der Mongolei, ein Jahr später stehen sie in Kasachstan auf der Bühne. Weitere Konzerte in ganz Russland folgen. Beim deutschen Publikum meldet sie die Gruppe erst 2007 zurück. Die neuen Titel werde jedoch nicht von Siegel produziert. Da die CD den hohen Erwartungen der Fans nicht gerecht wird, widmen sich die Musiker danach ihren eigenen Projekten und treten nur noch in gestraffter Formation hin und wieder an Schlagerpartys auf. 

DAS MACHEN DIE BANDMITGLIEDER HEUTE
Leslie Mandoki arbeitet mit Stars wie Engelbert, Phil Collins, Jennifer Rush, Lionel Richie aber auch dem deutschen Rapper Sido. Er schreibt Filmmusik, Soundtracks sowie Jingles für Kunden wie Disney, Audi und die Daimler AG. 2003 spielt er ausserdem in der Internatsserie «Schloss Einstein» mit. 2009 komponiert er für die CDU den Wahlkampfsong «Wir sind wir».

Edina Pop nimmt nach der Bandauflösung zwar wieder ihre Soloprojekte auf, kann jedoch nicht an den zurückliegenden Erfolg anknüpfen. Bei ihren Auftritten singt sie sowohl ihre als auch die Hits von Dschinghis Khan, die sie zusammen an Schlagerpartys mit Wolfgang Heichel und Henriette Strobel auf der Bühne zum Besten gibt. Des weiteren ist sie mit ihren Jazz- und Gospel-Liedern in den Rundfunk-Hitparaden vertreten.

Wolfgang Heichel wird Mitglied der Band That's Life und belegt an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 1986 mit dem Lied «Telefon» den letzten Platz. Danach arbeitet er hinter den Kulissen als Produzent. Er war von 1976 bis 1986 mit Henriette Strobel verheiratet. Das Ende ihrer Ehe erfolgt beinahe zeitgleich zum Aus der Band.

Henriette Strobel lebt mit ihrem Freund auf Mallorca und ist nebst ihren Auftritten an Partys in der Modebranche tätig. 

Frontmann und Tänzer Louis Hendrik Potgieter versucht sich mit der Band Savage, dies aber ohne grossen Erfolg. Er arbeitet in Südafrika im Management eines Hotels, stirbt 1996 jedoch im Alter von 43 Jahren an den Folgen von Aids.

Sein ehemaliger Bandkollege Steve Bender erliegt zehn Jahre später seiner langen und schweren Krebserkrankung. Zuvor ist er als Musikproduzent in München tätig. 

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