Er spielt heute um den 3. Platz gegen England Für Belgien-Star Eden Hazard kommt die Familie zuerst

Der 27-jährige Belgier Eden Hazard ist keiner, dem alles egal ist. Das Aushängeschild der Nationalmannschaft lebt für seinen Job. Sein Credo: Kein ungesundes Essen, viel Schlaf und keine nächtlichen Eskapaden. Heute spielt er gegen England um den 3. Platz an der Weltmeisterschaft.
Eden Hazard
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Eden Hazard: «Natürlich gehe ich mal aus. Aber niemals in London oder zwischen zwei Spielen.»

Es war eine ‹Fast›-Saison für Chelsea», sagte Eden Hazard kürzlich, «wir sind fast ins Champions-League-Final gekommen und wären fast Meister geworden.» «Fast» ist das Wort, das auch die persönliche Spielzeit des Belgiers ziemlich exakt beschreibt. Hazard, der im Juni vollmundig angekündigt hatte, es Lionel Messi und Cristiano Ronaldo gleichtun zu wollen, machte zwar deutliche Fortschritte auf dem Weg zum Superstar, aber ihm fehlte die Konstanz und Effizienz der grossen Vorbilder.

«Nächste Saison wollen wir mehr von dir», mahnte Trainer José Mourinho Mitte Mai, als er dem 23-Jährigen den Preis für «Chelseas Spieler des Jahres» verlieh. Hazard antwortete mit einem leicht riskanten Witz. «Vielleicht müssen Sie härter arbeiten», entgegnete er dem Portugiesen.

Eden Hazard Anotnio Conte
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Eden Hazard gewann den Preis für Chelseas besten Spieler des Jahres schon dreimal (2014, 2015 und 2017). Auf dem Bild mit Trainer Antonio Conte (l.) im Jahr 2017.

Hazard, der Hasardeur

Es wäre übertrieben, von einem Konflikt zwischen dem Flügelstürmer und dem Meistercoach zu sprechen, aber mit den beiden prallen zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Auf der einen Seite steht Mourinho, der Mann, der Fehler verabscheut und alles dem Ergebnis unterordnet; dort Hazard, der Instinktfussballer. Er dribbelt erst mal los, an den Gegnern vorbei in den freien Raum, und fängt dann an zu überlegen.

Sein impulsives Spiel reisst die Zuschauer mit, er rauscht an den modernen Zwängen des Kollektivs – strenge Positionierung und unerbittliche Defensivarbeit gegen den Ball – einfach frech vorbei. Hazard, der Hasardeur: sein Spiel ist gefährlich, auf beiden Seiten des Platzes. «Er ist keiner, der sich für das Team opfert und für den Verteidiger sein Leben gibt», kritisierte Mourinho nach dem Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Atlético Madrid (1:3). Der Belgier hatte vor den Gegentoren zwei Mal seinen Gegenspieler laufen lassen.

Eden Hazard
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Hazard im Zweikampf mit Brasiliens Fernandinho. Belgien besiegte die Südamerikaner im WM-Achtelfinal 2018.

Lieber Familie als Party

Hazard, der im Sommer 2012 für 40 Millionen Euro vom französischen Klub Lille an die Themse wechselte, hat selbst zugegeben, dass er dazulernen muss. «Ich bin kein ‹Je m’en-foutist›, wie man auf Französisch sagen würde – keiner, dem alles egal ist», sagte er der belgischen Zeitung «HLN». Im Gegenteil: Er lebe für seinen Job. Kein ungesundes Essen, viel Schlaf, keine nächtlichen Eskapaden. «Natürlich gehe ich ab und zu mal weg, aber nie in London und nie zwischen zwei Spielen. Was soll ich als verheirateter Mann mit zwei Kindern in einer Disco? Ich bin glücklich, wenn ich Zeit für Freunde und Familie habe.»

Seine Frau Natacha lernte er bereits mit 14 Jahren kennen, die beiden heirateten vor zwei Jahren standesamtlich mit nur zwei Zeugen im Dörfchen Écaussinnes, unweit seines Heimatorts Braine-le-Comte (35 km südlich von Brüssel). Die beiden haben zwei Söhne, Yannis, 3, und Leo, fünf Monate.

Natacha Van Honacker
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Hazards Frau Natacha mit den Söhnen Yanis (r.) und Leo. (Mai 2017)

Hazards Mama spielte, als sie mit ihm schwanger war

Hazard stammt aus einer Fussballer-Familie und war quasi schon vor Geburt am Ball. «Ich war im Bauch meiner Mutter, als sie Fussball spielte», hat er dem «Independent» erzählt, «sie war im dritten Monat schwanger». Carine Hazard war eine talentierte Fussballerin und sogar ein grösseres Vorbild als Vater Thierry, der auch im Verein gegen den Ball trat. «Ich bin auf dem Platz eher nach meiner Mutter geraten, sie war Stürmerin», sagte Hazard. Kein Wunder, dass er früh zum Wunderkind avancierte. Mit fünf Jahren stand er unerlaubt auf dem Hauptplatz seines Lokalvereins und schoss barfuss Elfmeter in den Winkel. Seine drei Brüder (Thorgan, 21, Kylian, 19 Ethan, 9) sind ebenfalls versierte Kicker.

Belgiens Nationaltrainer Marc Wilmots, der die «Roten Teufel» zum ersten Mal seit zwölf Jahren zu einer WM führt, sagt über sein Aushängeschild: «Er erinnert mich an Zidane. Der Ball ist ein Teil von ihm, nichts ist unmöglich.» Das gilt, glaubt Hazard, auch für sein Team in Brasilien.

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