Hommage zum 40. Todestag Mein Leben mit Elvis

Er war der Mann mit der Samtstimme, brachte mit seinem Hüftschwung Frauen in Wallung und machte einige der wohl schnulzigsten Filme aller Zeiten: Elvis Presley. Heute Mittwoch jährt sich der Todestag des King of Rock 'n' Roll zum 40. Mal. Unsere Redaktorin hat ihre Kindheit mit Elvis verbracht. Meistens freiwillig. 

Meine Beziehung mit Elvis,† 42, fing bereits vor meiner Geburt an. Meine Mutter, ihres Zeichens der grösste Elvis-Fan unserer 300-Seelen-Gemeinde im deutschen Ruhrgebiet, schaute während ihrer Schwangerschaft leidenschaftlich gern schnulzige Elvis-Filme. Darunter Perlen wie: «Harte Fäuste, heisse Liebe», «Immer Ärger mit den Mädchen» oder «Tolle Nächte in Las Vegas».

Mit diesen Schwangerschaftsgelüsten meiner Mutter erkläre ich gern immer wieder meinen unbändigen Hang zu lächerlich schnulzigen Bollywood-Romanzen, Walt-Disney-Filmen und «Bauer, ledig, sucht...». Wo heile Welt ist, da bin ich. 

Diese Stimme, diese samtweiche Stimme

Jetzt ist es natürlich so, dass Elvis nicht vor allem bekannt war für seine Filme, sondern vielmehr für seine Musik. Und niemand sang mich als Kind so schön in den Schlaf wie der King selber. Der lustige Mann aus dem Film, der so viel besser singen konnte als meine Mutter, schnurrte mir als Kleinkind «Can't help falling in love» ins Ohr. Ein Nuschi und Mama oder Papa am Bettrand und schwups, schläft die plärrende Vierjährige. 

Obwohl er vor meiner Geburt starb, hat mich Elvis begleitet wie kein anderer Musiker. Klar, als rebellischer Teenager wollte ich es meiner Mutter mit brüllender Punkmusik, oder schlimmer noch mit The Doors heimzahlen. Denn musikalisch verhielt es sich damals mit Elvis und The Doors, wie mit Migros oder Coop. Man konnte nur in einem Lager sein. Und das andere Lager war entweder ein kitschiger Langweiler (Elvis) oder ein verlauster Kiffer (The Doors). 

Streuselkuchen und Ghetto

Ich reihte mich also für kurze Zeit in die Riege der verlausten Kiffer ein und fühlte mich ungemein rebellisch. Und auch wenn die musikalische Genialität von Jim Morrison und seiner Band unbestritten ist, so gilt doch: Einmal Schnulze, immer Schnulze.

So sass ich auch mit 14 in zerfetzten Hosen mit pickligem Gesicht Sonntag für Sonntag im elterlichen Wohnzimmer, ass Mamorkuchen, hörte Lieder wie «In the Ghetto», «It's now or never» oder«Always on my mind». Dabei tat ich mit grimmiger Miene so, als hasste ich jeden Moment. Hasste ich aber nicht. Vielmehr genoss ich die butterweiche Stimme, die so hervorragend zum trockenen Kuchen passte. 

Niemand darf Elvis covern!

Zu behaupten, dass Elvis' Musik von der aufwendigen Sorte ist, interessant arrangiert und virtuos komponiert, wäre falsch. Aber: Keiner brachte es fertig, einen vermeintlich simplen Song stimmlich so zu arrangieren und darzustellen, dass es niemandem, wirklich niemandem erlaubt sein sollte, sich an einem Elvis-Song zu vergreifen. 

Er komponierte und sang einige der bekanntesten Songs und die waren immer wieder gern das Opfer von Covern. Auch grosse Künstler brachen sich an Elvis' Liedern das Genick und ich schreibe hier von richtigen Jahrhundertmusikern. Sie wollen Beispiele? Bitte:

John Lennon covert «Hound Dog»

Klingt doch gar nicht so schlimm, sagen Sie? Dann hören Sie mal das Original: 

Chris Isaak covert «Can't help falling in Love»

Nicht so übel? Hören Sie mal, wie der King seinen Song singt.

Norah Jones covert «Are you lonesome tonight»

Wunderschön, oder? Fast. Hier die beste Version des Originals:

Der Beweis ist erbracht. Niemand darf Elvis covern. Auch nicht unsere Redaktorin beim Karaoke. Nicht wieder.

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