Europäischer Trauerakt für Helmut Kohl Gigantische Beerdigung - doch ohne Sohn Walter

Der «Vater der Deutschen Einheit» tritt seine letzte Reise an. Begleitet von hochrangigen Politikern. Darunter auch der frühere US-Präsident Bill Clinton. Sohn Walter nimmt an der offiziellen Trauerfeier allerdings nicht teil. 
Helmut Kohl Trauerfeier in Strassburg
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Helmut Kohl starb am 16. Juni 2017 im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim.

Als der Leichnam von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, †87, heute Morgen aus seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim abgeholt wurde, war der Sarg mit einer Europaflagge bedeckt. Ein klares Symbol: Hier wird ein grosser Europäer zu Grabe getragen.

«Ruhe Wohl, mein Freund»

Helmut Kohl förderte die Einigung Europas und gab entscheidende Impulse zur besseren Verständigung der Völker. Seine Verdienste würdigt die Europäische Union deshalb mit einem Europäischen Trauerakt in Strassburg. Es ist das erste Mal, dass die EU einen Politiker mit einem offiziellen Trauerakt ehrt.

Unter den hochrangigen Politikern und politischen Weggefährten Kohls befindet sich auch der frühere US-Präsident Bill Clinton. Seine bewegende Trauerrede, die er mit zahlreichen persönlichen Anekdoten ausschmückt, beendet Clinton mit den Worten: «Ruhe Wohl, mein Freund.»

Bill Clinton und Helmut Kohl Staatsbesuch 1994
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Der frühere US-Präsident Bill Clinton - hier bei einem Staatsbesuch 1994 in Bonn - nimmt auch an den Trauerfeierlichkeiten teil.

Familienstreit verschärft sich

Während die Polit-Prominenz sich vereint vor dem Lebenswerk von Helmut Kohl verneigt, steht einer alleine da: Sohn Walter, 53, will an den offiziellen Trauerfeierlichkeiten für seinen toten Vater nicht teilnehmen. Dies teilte er in einem Interview mit der Wochenzeitschrift «Die Zeit» mit.

Grund dafür ist die Entscheidung von Kohls zweiter Frau, Maike Kohl-Richter, 53, ihren berühmten Mann auf dem Friedhof des Domkapitels in Speyer begraben zu lassen. Und damit nicht im Familiengrab gemeinsam mit seiner ersten Frau und Walters Mutter Hannelore Kohl, †68. Das Verhältnis zwischen der Witwe und Kohls Sohn gilt schon seit langem als angespannt. 

Walter Kohl
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Buchautor und Unternehmer Walter Kohl, 53, will nicht an der offiziellen Beisetzung seines Vaters in Speyer teilnehmen.

Sohn darf nicht zum toten Vater

«Mit der Entscheidung für ein Begräbnis in Speyer soll sein politisches Lebenswerk von seiner Frau Hannelore getrennt werden. Meine Mutter hat ihn über Jahrzehnte getragen. Er selbst hat immer betont, dass sein Lebenswerk ohne seine Frau Hannelore nicht möglich gewesen wäre», so der enttäuschte Sohn im Interview mit der «Zeit». Vom Tod seines Vaters erfuhr Walter Kohl nach eigenen Angaben am Radio. Im Netz kursierten darauf Bilder wie er mit den Kohl-Enkeln, Johannes, 20, und Leyla, 15, vor der verschlossenen Tür seines Elternhauses steht und nicht eingelassen wird.

Die Trauerfeier für Helmut Kohl können Sie ab 17.10 Uhr live auf Das Erste mitverfolgen. 

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