Dirk Bach (†) Extremisten schocken mit Internet-Hetze

Christliche Fundamentalisten nutzen den Tod von Dirk Bach für eine gezielte Hetzjagd gegen Homosexuelle. Die Diffamierung des Entertainers sorgt für Empörung und verbreitet sich wie ein Lauffeuer im Netz - und sie verschafft den Extremisten so zusätzliche Aufmerksamkeit.
Dirk Bach setzte sich öffentlich für die Rechte von Homosexuellen ein. Am 1. Oktober verstarb der Entertainer im Alter von 51 Jahren.
© Dukas Dirk Bach setzte sich öffentlich für die Rechte von Homosexuellen ein. Am 1. Oktober verstarb der Entertainer im Alter von 51 Jahren.

Es ist eine traurige Geschichte, die sich dieser Tage via soziale Netzwerke verbreitet. Auf der Website kreuz.net ziehen katholische Extremisten über den verstorbenen Dirk Bach, † 51, her, bezeichnen ihn als «homosexuellen Sittenverderber» und «Kinderhasser». Der Autor, der mittlerweile zwei Artikel über Bach publiziert hat, unterstellt dem Entertainer Drogenmissbrauch und behauptet, dieser schmore jetzt in der «Homo-Hölle».

Auf eine Verlinkung zu besagten Artikeln wird bewusst verzichtet, ebenfalls werden hier keine weiteren Auszüge daraus publiziert. Dies geschieht seit einigen Tagen nämlich wie von selbst, die Menschen machen ihrer Empörung auf Twitter und Facebook Luft - und lösen so einen folgenschweren Shitstorm aus. Mit jeder Verlinkung auf die Website steigt deren Bekanntheitsgrad, die beiden Hetz-Artikel belegen Platz 1 und 2 der «Meistgelesen»-Rubrik. Auch deutsche Medien sind mittlerweile auf den Fall aufmerksam geworden.

«ES GAB KEIN VORBEIKOMMEN MEHR»
Christian Jakubetz befasst sich in seinem
Blog auf Cicero.de genau mit dieser Problematik. Auch er setzt in seinem Text keinen Link auf besagte Seite, ja, er verzichtet sogar auf deren Namensnennung, bemerkt jedoch: «Viele andere haben sich in diesen Tagen anders entschieden, viele meiner Freunde und Bekannten. Niemand hat diesen Link irgendwo gepostet, weil er den Text auch nur im Ansatz richtig fand. Im Gegenteil, es war die reine Empörung. Zur Folge hat das aber im Netz anderes, absurderes: Seit drei Tagen bekomme ich automatisierte Mails, in denen mir diese Geschichte ‹empfohlen› wird - weil es ausreichend Freunde gab, die sie gepostet haben. Und selbst, wenn ich diese Mails ignoriert hätte, an dieser Geschichte gab es im sozialen Netz plötzlich kein Vorbeikommen mehr. Ich glaube, alleine bei Facebook bin ich auf 20 Freunde gestossen, die den Link gepostet hatten.»

Focus.de zeigt indes auf, dass sich die Deutsche Bischofskonferenz deutlich von kreuz.net distanziert. «Der Begriff des Katholischen wird von dieser Internetseite grob missbraucht», sagt Pressesprecher Matthias Kopp gegenüber Katholisch.de.

Und auch den Social-Media-Nutzern scheinen die ungewünschten Folgen des Shitstorms mittlerweile bewusst geworden zu sein. So schreibt etwa «Isarmatrose» auf Twitter: «Bitte lest nicht den Artikel von #KreuzNet über den Tod von #DirkBach. Man würde seinen Glauben an den Menschenverstand verlieren.» Und «JuTime» ergänzt: «Mich macht diese kreuznet-Seite auch sprach- und fassungslos. Aber vielleicht sollte man einfach mal aufhören, sie zu verbreiten.»

PETITION UND STRAFANZEIGEN
Der Wind dreht: Statt Links zur Website findet man jetzt immer öfter Links zur Internetwache Berlins - mit dem Aufruf, eine Strafanzeige zu stellen. Und auch der Verweis auf eine Online-Petitionsseite findet seinen Weg in die Tweets. Die Seite verbucht Unterschriften im Minutentakt, viele zeichnen sogar mit ihrem Namen. Ganz im Gegensatz zu den Machern der Website, sie schreiben in ihrem Impressum: «kreuz.net ist die Initiative einer internationalen privaten Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee, die hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind. kreuz.net akzeptiert ohne Namen eingereichte Informationen und betrachtet es als Ehrensache, die strikte Anonymität seiner Informanten zu wahren.»

Dirk Bach starb am Montag, 1. Oktober, in Berlin an Herzversagen. Er hinterlässt Ehemann Thomas, mit dem er 17 Jahre zusammen war. Es gibt keine öffentliche Trauerfeier für den Entertainer.

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