Nach Eklat um Farid Bang und Kollegah Marius Müller-Westernhagen gibt seine sieben Echos zurück

Was für ein Donnerwetter für die Organisatoren des Echos! Nach dem Skandal rund um die Preisvergabe an die Rapper Farid Bang und Kollegah gibt die deutsche Musiklegende Marius Müller-Westernhagen all seine Trophäen zurück. Sieben an der Zahl.
Marius Müller-Westerhagen gibt seinen Echo zurück
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Sieben Echos gewann Marius Müller-Westernhagen im Verlauf seiner Karriere. 

In einem bewegenden Facebookpost erklärt Marius Müller-Westernhagen, 69, die Gründe für den Entschluss, seine sieben Echos zurückzugeben. «Eine Industrie, die ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet, ist skrupellos und korrupt.»

Damit nimmt Westernhagen, einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Künstler, Bezug auf die Verleihung des deutschen Musikpreises Echo an die Rapper Kollegah, 33, und Farid Bang, 31. Das Duo wurde vergangenen Donnerstag mit der Trophäe als bester Act Hip-Hop national ausgezeichnet. 

Farid Bang Kollegah Echo 2018
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Gewannen trotz viel Kritik einen Echo: Fahrid Bang und Kollegah.

Farid Bang und Kollegah gewannen trotz Kritik

Mit Zeilen wie «Mein Körper definierter als der von Auschwitzinsassen» gelten die Texte von Kollegah und Bang als antisemitisch. Auch die Aufforderung, Frauen beim Sex das Steissbein zu brechen, sorgte für Kritik. 

 

Westernhagen sorgt mit seiner Reaktion nun aber für einen Höhepunkt im Skandal um den Echo. Er ist mit 16 Millionen verkauften Alben und sieben Auszeichnungen einer der wichtigsten Künstler der deutschen Musikszene und das wird wohl für rote Köpfe bei den Organisatoren der Preisverleihung sorgen. 

Wahlprozedere vom Echo ist in der Kritik

Er zweifelt sogar die Relevanz des Echos an: «Aufgrund seiner inhaltlichen Fehlkonstruktion war der ECHO in der kulturellen Welt nie relevant», schreibt der Künstler auf Facebook weiter und spielt damit auf das Wahlprozedere an. Die Sieger werden nämlich zu einem grossen Teil auf Grund der Verkaufszahlen ermittelt, was in der Szene schon lang kritisiert wird. 

Denn auch Campino, 55, Frontmann der Toten Hosen, las der Organisation bereits an der Verleihung in einer Rede ordentlich die Leviten und die Schweizerin Sophie Hunger, 35, postete auf Instagram einen Brief, den sie an die Ethikkommission des Echos verfasste. 

Campino an der Echo Preisverleihung 2018
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Ursprünglich wollte der Frontmann der Toten Hosen die Preisverleihung wegen der Nomminierung der Skandalrapper boykottieren. Campino nutzte den Bühnenmoment für eine Rede.

«Sie sind nicht antisemitisch — nur ignorant»

Westernhagen ging allerdings nicht ganz so hart mit den Rappern ins Gericht, wie seine Vorredner. Er schreibt: «Ich bin nicht der Meinung, dass die mit dem ECHO ausgezeichneten Rapper Antisemiten sind. Sie sind einfach erschreckend ignorant.» 

Müller-Westernhagen ist nicht der einzige, der seinen Preis zurückgibt. Auch die Musiklegende Klaus Voormann, 79, der dieses Jahr den Preis für sein Lebenswerk bekam, retournierte diesen postwendend. 

Preisvergabe wird geprüft

Die Veranstalter gehen nun über die Bücher. Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Musikindustrie, Florian Drücke gab am Sonntag nach der Verleihung bekannt, dass das Reglement der Vergabe geprüft wird.

«Als Konsequenz wird der Preis auf Entscheidung des Vorstands nun überarbeitet werden», sagte Drücke der deutschen Presseagentur dpa. Das schliesse die «umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen» ein.

Bildergalerie: Helene Fischer, Beatrice Egli und ein handfester Skandal. Das war der Echo 2018

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