Alain Delon «Film mit Romy Schneider kann ich nicht schauen»

In Frankreich ist er eine Legende: Alain Delon, der 76-jährige Schauspieler, feierte in den 60er-Jahren grosse Erfolge mit Filmen wie «Rocco und seine Brüder» oder «Eiskalter Engel». Trotz Ruhm widerstand er der Versuchung, in Amerika Fuss zu fassen und blieb seiner Heimat treu. Am Filmfestival in Locarno erhielt Delon nun eine Auszeichnung für sein Lebenswerk. SI online traf ihn zum Interview.
Alain Delon gehört zu den Ehrengästen des diesjährigen Filmfestivals in Locarno. Er wurde mit einem Lifetime Achievement Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
© Keystone Alain Delon gehört zu den Ehrengästen des diesjährigen Filmfestivals in Locarno. Er wurde mit einem Lifetime Achievement Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

SI online: Alain Delon, Willkommen in Locarno...
Alain Delon: Danke. Ich muss zugeben, ich war ich noch nie hier. Als ich ankam, war ich überrascht, wie wunderschön es ist.

Am Donnerstagabend erhielten Sie den Lifetime Achievement Award, den Preis für Ihr Lebenswerk. Macht es Ihnen Angst, dass bereits jetzt auf Ihr Leben und Ihre Leistungen zurückgeblickt wird?
Nein. Ganz ehrlich: Es stört mich nicht, dass ich alt werde. Viel schlimmer fände ich, wenn ich deshalb meine Würde verlieren würde. Hätte ich mich heute beispielsweise nicht gut und fit gefühlt, hätte ich den Termin eher abgesagt, als dass ich geschwächt aufgetaucht wäre.

Sie sind mit der Qualität der modernen französischen Filme unzufrieden. Stehen Sie deshalb nicht mehr oft vor der Kamera?
Ich muss betonen, dass das meine persönliche Meinung ist. Ich glaube einfach, dass wir in den 60er-Jahren Filme gemacht haben, die zum Träumen einluden. Das ist heute kaum mehr der Fall.

Also gibt es tatsächlich keinen aktuellen Film, der Ihnen gefällt?
Doch! «Intouchables» hat mich positiv überrascht. François Cluzet hatte Glück mit seiner Rolle: Er konnte die ganze Zeit im Rollstuhl herumkurven. Das hätte ich also auch noch gemacht.

Damit sorgte er auch für einige Lacher. Das einzige Mal, dass Sie Ihr komödiantisches Talent unter Beweis gestellt haben, war in der Rolle des Julius Cäsar in der Realverfilmung von «Asterix bei den Olympischen Spielen». Weshalb?
Mir fehlt einfach der Sinn für das Lustige! Das ist nicht meine Art, es entspricht nicht meinem Spielen. Jean-Paul Belmondo etwa amüsierte die Menschen schon nur mit seiner Anwesenheit. Tauche ich irgendwo auf, bleibt es ruhig.

Von welcher Rolle träumen Sie noch?
Ehrlich gesagt von keiner. Mir fehlt nichts, denn ich durfte mehr haben, mehr kennenlernen, mehr erreichen, als ich es mir je erträumt hätte. Rückblickend muss ich sagen: Ich hatte wahnsinniges Glück, das habe ich lange Zeit gar nicht realisiert.

Sie spielten mit Filmdiven wie Brigitte Bardot und Romy Schneider. Wer blieb Ihnen besonders in Erinnerung?
Ich kann keine Schauspielerin besonders hervorherben. (schweigt) Gut erinnere ich mich natürlich an Romy Schneider... «Der Swimmingpool», unser zweiter gemeinsamer Film, kann ich allerdings heute nicht mehr schauen.

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