Die Brasilianer sind Heulsusen! Psychologin muss Team fürs WM-Viertelfinal coachen

Jetzt reicht es mal mit dem Rumgeheule: Weil die brasilianische Nationalelf während der Weltmeisterschaft konstant von Emotionen übermannt wird, muss eine Seelenklemptnerin ran. Die soll Neymar, Silva und Co. vor dem Viertelfinalspiel gegen Kolumbien die Spur einstellen.
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Brasiliens Nationaltrainer Scolari (l.) sorgt sich um den emotionalen Zustand von Neymar und Co. Doch nicht nur die Spieler waren vor, während und nach dem Spiel gegen Chile am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Im WM-Stadion in Belo Horizonte mussten vier Zuschauer wegen Herzattacken behandelt werden.

Das Gefühlsdrama begann schon ganz am Anfang: Innenverteidiger Thiago Silva hatte bereits beim Betreten des Stadions feuchte Augen und Kollege Neymar weinte beim Singen der Nationalhymne. Torwart Júlio César weinte ebenfalls, er vermisste vor dem Elfmeterschiessen das Vertrauen. Willian und Hulk weinten, weil sie ihre Elfer verschossen haben. David Luiz und Neymar weinten, weil sie getroffen haben. Und: Am Ende brach Silva am vergangenen Samstag nach dem 4:3 Penalty-Sieg gegen Chile auf dem Rasen zusammen. 

Zu viel für den Kapitän der brasilianischen Weltmeistermannschaft von 1970. «Es reicht», wetterte Altstar Carlos Alberto in der Zeitung «Extra». «Die Mannschaft heult, wenn sie die Hymne singt, wenn sie sich verletzt, wenn sie Elfmeter schiesst...» Trainer Luiz Felipe Scolari, der Tränenschleuder Neymar im Arm hielt, will nun gegensteuern: Das Team werde aufputschende Motivationsreden an der Fussball Weltmeisterschaft sparsamer einsetzen, meldet die brasilianische Zeitung «O Globo» am Dienstag. Wie Spiegel. de schreibt, sei es allgemeiner Konsens, dass der emotionale Zustand einiger Spieler bereits jenseits des gewünschten Levels sei. Deshalb soll auch ein Psychologenteam rund um die Expertin Regina Brandão die Spieler wieder auf die richtige Spur bringen. 

Angesichts des öffentlichen Interesses an der Psychologin sowie der mentalen Verfassung des Teams sah sich der brasilianische Fussballverband dazu gezwungen, auf seiner Website eine Erklärung Brandãos abzugeben. «In Wirklichkeit war mein heutiger Besuch Teil unserer anfänglichen Planung», sagt die Psychologin. Doch sie konnte nicht lange bleiben: «Weil ich meine Vorlesungen an der Uni und meine Praxis habe... Ich spreche mit den Spielern immer übers Internet.» Denn der Druck, den sechsten Titel zu holen - oder nicht erbärmlich früh auszuscheiden - wächst der Mannschaft offenbar über den Kopf.

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Mehr Fussball, weniger Emotionen: Die brasilianische Nationalmannschaft soll sich am Freitag beim Viertelfinalspiel gegen Kolumbien bloss am Riemen reissen.

Gemäss Ansicht von TV-Experte Paulo Vinicius Coelho leide das Team unter dem «Barbosa-Effekt». Der im Jahr 2000 verstorbene Torhüter Moacyr Barbosa Nascimento war bis zum Ende seines Lebens das schwarze Schaf, nachdem er an der WM 1950 vor heimischen Publikum im Maracanã-Stadion in Rio den WM-Titel verspielte. Nach dem 1:2 gegen Uruguay endete für ihn kaum ein Einkauf oder ein Kinobesuch nicht in einem Wortgefecht. Gemäss Fifa.com hörten die Anfeindungen erst auf, als er sich aus dem Fussball zurückzog und als Beamter für just den Sportkomplex zuständig war, der auch das Maracanã beherbergt. Daher «haben alle Angst, zum Sündenbock zu werden», weiss Coelho.

Ob der psychologische Beistand den hochemotionalen Fussballern etwas bringt? Das sehen Sie am Freitag um 22 Uhr auf SRF 2. Dann tritt Brasilien im Viertelfinale gegen Kolumbien an.

 
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