Dschungelcamp Gag-Schreiber: «Ich halte Teilnehmer nicht für Opfer»

Die einen rollen mit den Augen, die anderen zählen die Tage bis Freitag. Dann nämlich geht das RTL-Dschungelcamp in eine neue Runde. Gnadenlos wird den elf Kandidaten von Gag-Schreiber Micky Beisenherz ans Bein gepinkelt. Der nämlich schreibt seit 2009 die teils bitterbösen Moderationen, die so gut wie nie zugunsten der Dschungelbewohner ausfallen.
Ich bin ein Star, holt mich hier raus Kandidaten
© RTL / Stefan Gregorowius

Was die freche Sprüche über die Kandidaten betrifft, haben die Autoren viele Freiheiten. «Wenn man schon 16'000 Kilometer entfernt ist, wird sich ein Vorgesetzter überlegen, ob sich die Mühe lohnt, nachts um drei Uhr in Australien anzurufen», sagt Michy Beisenherz.

Atze Schröder ist sein Ziehvater, soziale Netzwerke seine Inspiration: Micky Beisenherz heisst der Mann, der seit 2009 die Dschungelcamp-Moderatoren mit fiesen Sprüchen versorgt. Das, obwohl der 36-jährige Deutsche eher zufällig ins Metier der Sprücheklopfer reingerutscht ist, wie er im Interview mit Welt.de erzählt. «Durch ein Praktikum beim Radio.» Eben dort, wo er auch auf Comedian und Mentor Schröder trifft. Zuvor war Beisenherz Handlanger auf dem Bau, wo er sich den richtigen Umgangston schon mal aneignen konnte. Dort gäbe es nämlich extrem viele «Pointen-Pistoleros», bei denen es darum ginge, wer beim Duell schneller zieht. Von daher wäre sein damaliger Job ein sehr gutes, sehr frühes Training gewesen. 

Training, um für ganze zwei Wochen in der australischen Wildnis fit zu sein. Geistig wie auch körperlich, denn die Arbeitstage von Beisenherz sind hart, wie er im Gespräch mit der «Süddeutschen» schildert. «Wir erscheinen gegen 20 Uhr Ortszeit im Busch und bekommen von der Producerin erste Informationen darüber, was in der Sendung ungefähr passiert. Dann schauen wir uns diverse Einspielfilmchen an und schreiben drauflos, so dass gewöhnlich gegen zwei Uhr nachts das erste Moderationsbuch steht.» Dann folge die Buchbesprechung, die Probe um 5 Uhr und die Live-Sendung. «Am Ende sind das 16 Tage Akkordarbeit.» Und die könne man nur leisten, wenn einem die Sache Spass macht, so der Autor. Und das tut es.

Man muss auch mal den Fuss vom Gas nehmen.

«Was ich an der Sendung schon immer sehr geschätzt habe, war die sprachliche Qualität der Moderation. Speziell in der dritten Staffel fand ich es bewunderswert, dass die Verantwortlichen aus absolut nichts, was im Camp passiert ist, so viel Sendung gemacht haben.» Dementsprechend freut es ihn, dass er das Ganze ein bisschen mitprägen durfte. Dass das Dschungelcamp von vielen noch immer als Trash abgehandelt wird, lässt der Recklinghausener nicht gelten. «Ich  finde es vielmehr erfreulich, dass die Anzahl derer, die merken, dass es kein Trash-TV ist, immer grösser wird.» Die Reality-Show würde sich ganz klar von anderen RTL-Formaten wie «Bauer sucht Frau» oder «Schwiegertochter gesucht» abheben. Sie folge nämlich nicht dem Prinzip: Wir fahren irgendwelche Leute irgendwo hin und machen dann daraus irgendwas, das irgendwer gucken soll. «Wir machen etwas, was andere [TV-Macher, Anmerk. d. Red.] offensichtlich noch nicht begriffen haben oder nicht wollen. Man muss auch mal den Fuss vom Gas nehmen und einen Moment der Ruhe zulassen», sagt er auf die Moderationen angesprochen. Zusätzlich helfe es, nicht zehn verhaltensauffällige Charaktere da runter zu karren. «Der Mix bei den Protagonisten muss stimmen, das macht die Sendung erst spannend.» 

Ich halte die Teilnehmer nicht für Opfer.

Dass Menschen wie Djamila Rowe oder Mutter Wollny von vorneherein nicht in Frage kämen, zeige ihm doch, dass ein Format wie das Dschungelcamp eine gewisse Wertigkeit bekommen hat. Und nicht zu Unrecht hoffen die Kandidaten - nebst dem monetären Aspekt -, dass die Öffentlichkeit (wieder) auf sie aufmerksam wird. Ross Antony beispielsweise sei bis vor seiner Teilnahme nur der schwule Tänzer einer Band gewesen, die eh schon keiner mehr kannte. Nach seiner Wahl zum Dschungelkönig 2008 war sein Name jedermann ein Begriff. «Ich halte die Teilnehmer nicht für Opfer, wie das immer wieder zu lesen ist. Die wissen alle, was sie tun und werden ordentlich dafür bezahlt.»

Was die Voraussetzungen sind, um für die Sendung in Frage zu kommen? «Wenn Selbst- und Fremdwahrnehmung ein Stück weit auseinanderklaffen.» Dieses Kriterium würde Michael Wendler ganz gut erfüllen. Für «diesen von sich selbst so dermassen überzeugten Prekariats-Chansonier aus Dinslaken könnte das Ganze mit einer grossen Überraschung enden», sagt Micky Beisenherz. «Da bettelt doch jetzt schon einer um den Rekord von acht Dschungelprüfungen in der Reihe, wenn Sie mich fragen.»

Für den Fall, dass er sich in der Sendung selbst Schaden zufügen könnte, würden die Macher schon eine entsprechende Verantwortung wahrnehmen. «Es gab in den vergangenen Jahren mehrere Situationen, wo es hätte justiziabel werden können. Da haben wir konsequent gesagt: Wir verzichten auf die Ausstrahlung dieser Bilder und sparen uns irgendwelche Sprüche dazu.» 

Für die lässt sich Beisenherz übrigens auch mal durch Facebook oder Twitter inspirieren. «Netzwerke eigenen sich gut, um zu testen, welche Gags funktionieren. Sie sind ein guter Seismograph für die Stimmungslage im Land.» Und manchmal falle den Leuten ja auch etwas auf, was sie noch gar nicht bemerkt hätten. «Dann nutzen wir die Detektoren der Schwarm-Intelligenz.» 

Die erste Folge von «Ich bin ein Star - holt mich hier raus» läuft am Freitag, 17. Januar 2014, ab 21.15 Uhr bei RTL.

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